Zusammenarbeit zwischen Mensch und Wildtier

Dass Menschen und ihre Haustiere zusammenarbeiten, um einen gemeinsamen Zweck zu verfolgen, ist nichts ungewöhnliches – das Beutemachen im Team von Jäger und Jagdhund ist ein gutes Beispiel dafür. Kollaborationen zwischen Menschen und Wildtieren sind weitaus seltener. Die südafrikanische Ornithologin Claire Spottiswoode hat einen faszinierenden Fall einer solchen Zusammenarbeit erforscht, wie die New York Times berichtet. Dass sich traditionelle Kulturen in manchen Gegenden Afrikas der Hilfe spechtartiger Vögel – sogenannter Honigführer (honeyguides) –  bedienen, um an den Honig wilder Bienenvölker zu gelangen, sei bekannt, schreibt die NY Times. In ihrer Studie “Reciprocal signaling in honeyguide-human mutualism” hat Claire Spottiswoode genauer beschrieben, wie diese Zusammenarbeit funktioniert. Demnach bedienen sich sowohl Menschen, als auch die Vögel bestimmter Klänge und Gesten, die nur im Zusammenhang mit der Honigsuche verwendet werden.

Es beginnt damit, dass die Honigführer ihre Bereitschaft, die Menschen zum Honig zu führen, ankündigen, indem nahe an den Siedlungen der Yao vorbeifliegen, wobei sie einen lauten “schnatternden” Ruf ausstoßen. Oder die Yao umwerben die Honigführer mit einer speziellen Lautfolge, einem laut intonierten “brrr”, gefolgt von einem gegrunzten “hmmm”. Die Forschungen der Ornithologen und Verhaltensforscher ergaben, dass die Vögel diesen Ruf durchaus verstehen: Auf andere Laute der Yao-Sprache oder abgespielte Tierlaute reagierten sie weitaus seltener mit der Bereitschaft, Honigquellen anzuzeigen, wie auf die Aussprache der korrekten Formel.

Dies beweise, so Claire Spottiswoode, dass der Lautfolge der Charakter eines spezifischen Signals zukomme, und die Honigführer nicht nur auf menschliche Anwesenheit reagierten. Das Signal zeige dem Vogel, dass der Mensch, der es ausstößt, “ein guter Mitarbeiter” sei. Die Vögel zeigen dem Menschen die richtigen Bäume dann durch Laute oder ein Wippen mit den Schwanzfedern an. Nicht nur, dass sie fliegen können, hilft den Vögeln beim Finden der Wildbienennester, sondern auch ihr hochsensibles Riechorgan. Die Menschen bringen andere Fähigkeiten in die Partnerschaft ein: Ist ein Bienennest gefunden, so räuchern sie das Nest aus mit einem Bündel Holz, das in ein Palmenblatt gewickelt, an einem langen Stock befestigt und angesteckt wird. Haben die Bienen das Nest verlassen, so wird der Baum gefällt oder der Ast, an dem es hängt abgesägt. Die Menschen kriegen den Honig, die Vögel das Wachs, das eine wertvolle Energiequelle für die Vögel darstellt.

Es ist unklar, wie diese Zusammenarbeit sich entwickelt hat. Klar ist, dass es sie schon sehr lange gibt. Da sie den Gebrauch von Feuer und Äxten auf menschlicher Seite voraussetzt, könnte sie bereits im Paläolithikum begründet worden sein – vor über einer Million Jahren. SE

Beitragsbild: Titel der Studie von Spottiswoode et. al. im Science Mag.

Ein Gedanke zu „Zusammenarbeit zwischen Mensch und Wildtier

  1. Gast

    Wahnsinn – bahnbrechend!
    War gestern ansitzen, die Amsel hat sich über der Fuchs beschwert (pardon, ihn angezeigt) und die Ricke mochte die brechenden Sauen nicht und hat geschreckt (pardon, angezeigt). Es folgten Fledermäuse und Waldohreule – um mir anzuzeigen das es dunkel wird.

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