WTD: Gehörschutz auch bei Einsatz von Schalldämpfer angezeigt

Die Wehrtechnische Dienststelle für Waffen und Munition der Bundeswehr (WTD 91) hat im Rahmen der Amtshilfe für die Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) und die Sozialversicherung für Landwirtschaft Forsten und Gartenbau (SVLFG) Jagdwaffen mit und ohne Schalldämpfer vermessen. Für die Untersuchung wurden die Schallemissionen von Jagdwaffen in verschiedenen Kalibern und Lauflängen in unterschiedlichen Szenarien – Jagdkanzel, Drückjagdbock mit Dach und Drückjagdbock offen – vermessen. Der Schalldruck wurde dabei sowohl am Ohr des Schützen wie auch am Ohr einer Aufsichtsperson gemessen. Die Mittelwerte über sämtliche Ansitzsituationen ergaben am Ohr des Schützen ohne Schalldämpfer Spitzenschalldruckpegel zwischen 146,3 dB und 165,1 dB, am Ohr der Aufsicht (bzw. eines Sitznachbarn) zwischen 135,5 dB und 149,5 dB. Mit Schalldämpfer ergaben sich Werte zwischen immer noch 135,7 dB bis 148,3 dB am Ohr des Schützen und 135,5 dB und 149,5 dB am Ohr des Nachbarn.

Durch die Schalldämpfer erreichten je nach Ansitzsituation und Waffen-Schalldämpfer Kombination stark unterschiedliche Dämpfungswerte:

Jagdkanzel Schütze 10,7 bis max. 24,5 dB Aufsicht 5,4 bis max. 23,4 dB

Drückjagdbock mit Dach Schütze 6,5 bis max. 25,8 dB Aufsicht 4,9 bis max. 21,5 dB

Drückjagdbock ohne Dach Schütze 10,8 bis max. 26,1 dB Aufsicht 7,1 bis max. 25,2 dB

Bei einem kleineren Kaliber (17 HMR) mit geringeren Schallpegeln zwischen ca. 135 dB und ca. 141 dB fielen auch die Dämpfungswerte mit bis zu 10,8 dB eher geringer aus.

In dem der Red. vorliegenden Abschlussbericht halten die Autoren Juri Lechner (WTD 91), Johann Kock (WTD 91), Achim Bourdon (SVLFG) und Volker Schramm (UVB) fest, dass “der Einsatz eines Schalldämpfers zu einer Reduzierung bis hin zu einer deutlichen Reduzierung des Spitzenschalldruckpegels führen kann, jedoch andererseits das „Dämpfungsvermögen“ eines Schalldämpfers keinesfalls grundsätzlich zu hoch erwartet werden sollte.”

Zur Erinnerung: Die Schmerzgrenze liegt bei einem Schalldruckpegel von ca. 120 dB, ab dieser Grenze sind Hörschäden schon bei kurzzeitiger Einwirkung möglich.

Erwartungsgemäß lautet daher das Fazit der Autoren: “Trotz Einsatz eines Schalldämpfers ist bei den untersuchten Kombinationen das zusätzliche Tragen eines geeigneten persönlichen Gehörschutzes angezeigt.” SE

Beitragsbild: Cover des Abschlussberichts “Vermessung von Jagdwaffen mit und ohne Schalldämpfer” der WTD 91. (Screenshot)

12 Gedanken zu „WTD: Gehörschutz auch bei Einsatz von Schalldämpfer angezeigt

  1. kilalli

    Es ist schön, wegen des SD wieder den geliebten alten Krempenhut tragen zu können wie damals (vor der beginnenden Taubheit) und sich kurz vor Schussabgabe die an der Kordel vom Kragen baumelnden Stöpsel in die Ohren zu stecken und das unter seltenen, besonders überraschenden Umständen auch mal ganz sein lassen zu können. Die sonst nötigen dicken Mickimäuse zwingen geradezu zum Tragen der “Hunting-Base-Caps”, wie es die amerikanischen und mittlerweile auch die jungen deutschen Jäger nicht anders kennen.

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  2. Anko

    Zwar werden Zahlen mitgeteilt, aber leider nicht, welche womöglich sehr abgefahrenen Lauflänge-/ Kaliberkombinationen geprüft wurden:
    .30-06 und .300 WinMag aus 42cm-Stummellauf?

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    1. admin Beitragsautor

      Nein, ganz normale Kaliber/Lauflängenkombinationen: .270 WSM aus 580 mm Lauf, .308 aus 610 mm, 6,5x57R aus 510 mm, 7×57 aus 530 mm, .300 Win. Mag. aus 650 mm, .30-06 aus 560 mm und .17 HMR aus 510 mm. SE

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  3. AM

    Also, Zahlen hin und her, mein Schalldämpfer dämpft so unglaublich gut, dass es jetzt hoch angenehm ist, ohne Ohrenschützer zu jagen, sowohl auf offenen Sitzen wie auf Kanzeln. [Markenname entfernt, admin.], 3006, 51er Lauf, den stärksten Schalli von [Markenname entfernt, admin.]. Knall nicht viel lauter als die Hornet. Und kaum Rückstoß.
    Auf dem Schießstand nehme ich sicherheitshalber Ohrenschützer, müsste bei dem Schalli aber wahrscheinlich auch nicht sein. Einfach klasse das Ding.

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    1. admin Beitragsautor

      Der erwähnte “Schalli” kam im WTD-Bericht vor – Ergebnisse stehen im Beitrag. Das Lärmempfinden ist subjektiv, und die Schmerzgrenze ist es, insbesondere bei bereits vorgeschädigten Ohren, auch. Ich kenne alte Jäger, die auf Schießständen, wo es brutal laut ist, keinen Ohrenschutz tragen und meinen, so laut sei das doch gar nicht… Die können ohne Hörgeräte aber keiner normalen Unterhaltung mehr folgen – muss jeder selbst wissen, ob er dem nacheifern will. SE

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      1. Ralf

        Den Schall auf dem Schießstand kann man nicht mit dem Schall im Wald und im Feld vergleichen. Ich würde mir gerne persönlich ein Bild vom Unterschied machen wollen.

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    1. Kr.-Itisch

      Persönlicher Schallschutz bei Durchgeh- oder Treiberschützen? (schwitz!)
      Was ist mit unseren Hunden?
      Außerdem schießt man mit einem SD deutlich entspannter.
      Die von der WTD angegebenen Reduzierungen der Schalldruckwerte darf man zumindest hinterfragen. Sicherlich sind auch die Werte der Hersteller anzuzweifeln, aber derartige Unterschiede lassen Fragen offen. Ich kann z.B. bei meinem Halbautomaten mit o.g. SD sogar das Repetiergeräusch des Verschlusses wahrnehmen, vom Kugelschlag ganz zu schweigen. Nicht zu vergessen, dass eine Verminderung von 10 DB gefühlt der Halbierung des Geräusches bedeutet.
      Das Ergebnis der Untersuchung kommt auch komischerweise genau zu der Zeit, in dem die Gesetzgebung für SD’s sinnvollerweise vereinfacht werden soll. Nachtigall, ick hör dir trapsen!

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      1. Ralf

        Nach dem, was ich bisher erfahren habe, machen Schalldämpfer absolut Sinn. Der Schall wird minimiert, was nicht nur für den Hund auf jeden Fall besser ist. Zudem soll sich der Rückstoß vermindern und die Präzision besser werden.
        Und man sollte nicht Dinge álá “ich brauche das nicht- deswegen brauchst du das auch nicht” verteufeln. Ich dachte, sowas machen nur die Grünen.

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    2. kilalli

      @ mikka
      Wenn die Genehmigung ad absurdum geführt wäre, weil es auch mit SD viel zu laut wäre, dann wäre auch die Kritik mancher Kriminologen ad absurdum geführt, dass die Gefahr von Straftaten durch den Einsatz von SD wegen (fast) fehlendem Schussknall zunehmen würde.

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