Wolfsriss im Nauener Stadtwald dokumentiert

Kieferknochen, säuberliche abgenagte Wirbelsäule und Rippen, ein paar Fellreste – das ist alles, was von einem Stück Damwild übrig bleibt, wenn der Wolf damit fertig ist. Der Wolf, der es sich hier hat schmecken lassen, lebt im Nauener Stadtwald, gut 20 Kilometer vom nordwestlichen Berliner Stadtrand entfernt. Er hat sich auch schon von den Wildkameras im Revier ablichten lassen (Beitragsbild). Dieser dokumentierte Wolfsriss ist höchstens zwei, drei Tage alt. Wer später kommt, findet noch weniger vor, weil Füchse, Wildschweine, Kolkraben, Krähen, Ameisen, und Würmer endgültig reinen Tisch machen. Das macht es so schwer, Wolfsrisse zu dokumentieren. Von den aufgefundenen Rissen auf die Anzahl der Wölfe oder der von ihnen gerissenen Beutetiere zurück zu schließen, ist unmöglich.

Wolfsriss_BS

Frischer Wolfsriss im Nauener Stadtwald – gut 20 Kilometer vom nordwestlichen Berliner Stadtrand entfernt. Foto: BS

Jawina-Leser und Jagdpächter Bernd S., der uns die Bilder in diesem Beitrag zur Verfügung gestellt hat (Danke dafür!), berichtet, wie sich die Anwesenheit der Wölfe auf die Jagd im Nauener Stadtwald auswirkt:

Mindestens zwei Wölfe gibt es nach Ansicht von Bernd S. im Stadtwald, zusätzlich wohl einen weiteren auf der anderen Seite der Autobahn. “Gestern haben wir sie beim Ansitz zum ersten Mal heulen hören – was immer das heißen mag”, berichtet S. Die Sauen finden sich in immer größeren – und immer schwerer zu bejagenden – Rotten zusammen, das Rehwild ist deutlich unruhiger geworden: “Wenn Du früher auf dem Weg zur Ansitzeinrichtung mal auf einen Zweig getreten bist, dann warf das Rehwild vielleicht nur auf. Heute ist es weg.” Und es trete auch nicht nach zwanzig Minuten wieder aus, wie man das von vergrämtem Rehwild kenne.

Das in dem Revier ohnehin seltene Damwild weicht dem Wolf offenbar großräumig aus: “Vom Damwild ist dann 14 Tage lang gar nichts mehr zu sehen”, berichtet der Pächter. Die Streckenergebnisse sind insbesondere beim Rehwild deutlich zurück gegangen – woran nach Einschätzung von Bernd S. aber auch die Landesforst Anteil hat, die trotz Wolf die bösen Knospenfresser weiter unverdrossen scharf bejagt. Bernds Fazit: “Die Jagd ist anders geworden, du kannst nicht mehr jagen wie früher.” SE

Ein Gedanke zu „Wolfsriss im Nauener Stadtwald dokumentiert

  1. Frank Wilke

    Die beobachteten Hinweise und Indizien, die auf die Anwesenheit des Wolfes schließen lassen, sind sicherlich in vielen Revieren in Brandenburg festzustellen. Hierbei ist ohnehin eine hohe Dunkelziffer wahrscheinlich. Für das Gebiet Nauen war die Besiedlung durch den Wolf zu erwarten. Der Jagdverband Nauen e. V. hat deshalb fast 30 Mitglieder aus seinen Reihen geschult, die Spuren und Risse des Wolfs zu erkennen und zu dokumentieren. Insofern sind die festzustellenden Nachweise im Stadtwald Nauen und Umgebung das Ergebnis dieser Qualifizierung.
    Ich empfehle allen Jagdverbänden eine möglichst hohe Dichte qualifizierter Mitglieder anzustreben. Ohne valide Nachweisführung bleiben die Beobachtungen und Nachweise nur vage Vermutung und lassen “bemühte” Indizien zurück, die im schlechtesten Fall belächelt werden. Die Jägerschaft muss sich um die Professionalisierung ihrer Fähigkeiten kümmern. Dann sind die Beobachtungen auch belastbar und bezüglich der zunehmenden Besiedlungsdichte zu verwerten. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der haupt- und nebenamtlichen Naturschutzeinrichtungen habe ich bei der Schulung unserer Jäger schätzen gelernt. Ich denke an dieser Kooperation führt kein Weg vorbei.
    Wir werden als Jäger nicht umhin kommen uns auf die veränderten Verhaltensweisen unserer Wildarten einzustellen. Das werden aber auch andere Beteiligte machen müssen. Insofern sind einfache Antworten und “Patentrezepte” für den künftigen Umgang mit unserem Wild eher nicht die richtigen Lösungsansätze.

    Frank Wilke

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