“Wolfshasser sind Rechtspopulisten und Pegida-Anhänger”

Über etliche Themen scheint hierzulande keine sachliche Diskussion möglich zu sein – ein Beitrag im Berliner Lokalblatt “Der Tagesspiegel” zeigt, warum das so ist – und wie Medien dazu beitragen. In ihrem Beitrag “Der Wolf – die lebende Legende” demonstriert die Autorin in mustergültiger Weise, wie man Meinungen abseits des Mainstream diskreditiert und Andersdenkende diffamiert. Es fängt damit an, dass Viehzüchter und Jäger umstandslos zu den “Gegnern unter denen, die sich zum umstrittensten Wildtier des Landes äußern” erklärt werden, was so undifferenziert und in dieser Zuspitzung zwar nicht zutrifft – diverse Äußerungen von Jägern und sogar von von Wolfsrissen betroffenen Viehzüchtern auf dieser Seite beweisen das – aber zuviel Differenzierung verstehen und schätzen die Leser bekanntlich ohnehin nicht.

Es geht damit weiter, dass ungenannte Wolfsexperten sich über furchtsame Radfahrer, die sich mit Pfefferspray vor Wölfen schützen wollen, lustig machen dürfen: “Quatsch” sei das, man könne “sich nur wundern über so wenig Wissen, so viel Unsicherheit.” Kapiert? Wer sich vor Wölfen fürchtet, ist ein bisschen minderbemittelt, bildungsfernen Schichten entstammend. Über viele Absätze dürfen Wolfsfreunde und angebliche Wolfsexperten ihr vermeintliches Expertenwissen darlegen: Eine Tierparkmitarbeiterin füttert barfuß Wölfe, Markus Bathen referiert “mit der nimmermüden Geduld des Volksaufklärerers” seine (!!) Fakten. Denn: “Wenn einer weiß, ob der Mensch Angst haben muss vor jenem Raubtier, dessen Population beständig wächst, dann wohl er.” Warum eigentlich? Weil er beim Nabu ist? Oder weil er Förster ist?

Die Wolfsgegner kommen hingegen nur mit wenigen, sorgfältig ausgewählten Sätzen zu Wort: Es sind die extremen Äußerungen von Reinhard Jung vom Bauernbund, der in einem Interview zum Wolf erklärt hatte: “Wir wollen ihn auf dem Lande nicht“ und forderte „Schießen! Sofort schießen!“ – Das hat ihm neben einer Anzeige von Peta auch Morddrohungen eingebracht, was möglicherweise geeignet wäre, auch ein befremdliches Licht auf unsere Wolfsfreunde zu werfen, aber das ist ja nicht Thema des Artikels…

Wenn man den Herrn Jung so hört, weiß man jedenfalls gleich, wie diese Wolfsgegner so ticken. Mit Verständnis und Sympathie nehmen wir zur Kenntnis, dass die Wolfsgegner im Fortgang des Artikels folgerichtig in “Wolfshasser” umbenannt werden. Die Methode ist bewährt: Wenn man Legalwaffenbesitzer lange genug “Waffennarren” nennt, bürgert sich das irgendwann als gängige Bezeichnung für solche Leute ein. In Bezug auf “die Wolfshasser nun, die heute im Internet und den sozialen Netzwerken Stimmung machen”, hat der im Artikel zitierte Anthropologe Utz Anhalt “eine zu den tradierten Mustern passende Bewegung ausgemacht: „Viele sind Rechtspopulisten und Pegida-Anhänger.” So ist das also. Und kleine Kinder sollte man denen wohl besser auch nicht anvertrauen, was?

Die Autorin des Beitrags macht das sehr geschickt: An dem Zitat macht sie sich nicht mal selbst die Finger schmutzig, und dann meldet sie auch noch leise Zweifel an: Ob das nicht “nach eine sehr steilen These” klinge? I wo, gar nicht, kontert Utz Anhalt, das sei leicht zu belegen, “lesen Sie auf buergerstimme.com mal den Artikel ,Migranten und Wölfe‘.” Pflichtschuldigst macht sich an die Autorin an die knallharte Recherchearbeit und vermeldet, müde und abgekämpft, aber um eine mühsam dem Leben abgerungene Wahrheit reicher: “Inzwischen getan. Rassistische Abgründe tun sich auf – gerichtet gegen Tiere und Menschen.”

Es ist also alles wahr. Belegt und also bewiesen durch Hetz- und Hasstiraden in irgendeinem Schmähwinkel des Internets, goldene Wahrheiten, gefunden in einer Netzkloake. Dankbar nehme ich zur Kenntnis, wie leicht sich künftig einfach alles mit Verweis auf ein paar Spinner im Netz belegen und beweisen lässt, und wie sehr das meine Arbeit als Journalist künftig erleichtern wird. Ich fürchte nur, mit Qualitätsjournalimus hat das nichts zu tun… SE

Die Jawina-Redaktion dankt NoS für den Hinweis auf den Artikel!

Beitragsbild: Der zitierte Beitrag im Tagesspiegel (Screenshot).

2 Gedanken zu „“Wolfshasser sind Rechtspopulisten und Pegida-Anhänger”

  1. LM.

    Politiker in Deutschland sollten sich diesen Artikel einmal durchlesen. Vielleicht erkennen sie denn in Deutschland das tasächliche Gesindel.

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  2. FRank

    Ach lieber SE, DANKE!
    Die rhetorische Brillianz und Deine Eloquenz gegen all das, was heute so in reputierten Medien alles unter unserer Berufsbezeichnung unangefochten firmieren darf, ist wohltuend kühlender Balsam auf die wunde Journalistenseele.

    Die Leser und Hasser der “Mainstream-Medien” haben angesichts solcher Entgleisungen intelektueller Redlichkeit wie leider nicht nur im Tagesspiegel-Artikel doch recht.
    Ein trauriges Schauspiel: Da schaufelt sich eine immer noch sehr gewinnträchtige Branche Zug um Zug ihr eigenes Grab. Weil die Margen nicht mehr so krachen, wie vor Verbreitung der elektronischen Kloaken, wird auf Teufel komm raus gespart – und die Kloake so aufs Gedruckte übertragen.

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