Wolfsbüro: “Wolfsübergriffe in Siedlungen keine Gefährdung für Menschen”

Die neuesten Rissvorfälle in einem Dorf in Sachsen (JAWINA berichtete) nimmt das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ zum Anlass zu bekräftigen, “dass Wolfsübergriffe auf Schafe in der Nähe von menschlichen Siedlungen, wie zuletzt in Großdöbschütz (Gemeinde Obergurig, LK Bautzen), keine potenzielle Gefährdung für Menschen darstellen.”, wie es in einer Pressemitteilung des Wolfsbüros heißt: “In der Nacht vom 16. auf den 17.04.2017 wurden in Großdöbschütz ein Mutterschaf und ein Lamm gerissen. Die beiden Schafe waren ungenügend geschützt. Die Koppel war nur auf einer Seite mit einem Zaun geschützt, der zudem mit einer Höhe von 80 cm zu niedrig war. An den übrigen Seiten wird die Weidefläche durch einen Graben und die Spree abgegrenzt. Gewässer bieten allerdings keinen Schutz vor Wölfen, da diese leicht durchschwommen werden können.”

Dass Wölfe zuweilen durch Siedlungen laufen, gehöre zum normalen Verhalten, “wie wir es auch von anderen Tierarten, wie Rehen, Wildschweinen und Füchsen kennen”, so das Wolfsbüro. Die Haltung von Schafen und Ziegen ohne geeignete Umzäunung sei nicht sicher. Dabei spiele die Lage der Weidefläche, ob Ortsnähe oder –ferne, nur eine untergeordnete Rolle.

Zum Schutz von Nutztieren wie Schafe und Ziegen hätten sich Elektrozäune mit einer Höhe von mindestens 100 cm bewährt. Sowohl Netzzäune als auch Litzenzäune, bestehend aus mindestens fünf horizontalen Litzen, seien geeignet. Die Umzäunung dürfe keine Durchschlupfmöglichkeiten bieten und müsse allseitig geschlossen sein. Auch das Einstallen über Nacht sei bei kleineren Tierbeständen ein effektiver Schutz. PM

Beitragsbild: Briefkopf der PM des Wolfsbüros (Ausschnitt).

4 Gedanken zu „Wolfsbüro: “Wolfsübergriffe in Siedlungen keine Gefährdung für Menschen”

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Man kann sich mit Fug und Recht, wohl aber ohne Schaum vorm Maul, darüber unterhalten, ob der Wolf in unsere mitteleuropäische Kulturlandschaft passt oder nicht. Da man uns Jägern bei einer solchen Diskussion meist sofort unlautere Motive unterstellt, sollte unsere Kritik an der gegenwärtig praktizierten “Willkommenskultur” mit guten und für eine breite Öffentlichkeit nachvollziehbaren Argumenten vorgebracht werden.
    Die unterschiedliche Behandlung verschiedener Tierarten gerade auch in unserer Kulturlandschaft ist aber nun wirklich schwer nachvollziehbar. Manche Schalenwildarten werden als Schädlinge an land- oder forstwirtschaftlichen Flächen abgestempelt, während vor allem Beutegreifer, gleichgültig ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft, als heilig betrachtet werden. Warum darf beispielsweise der Wolf seinen Lebensraum in gesamten Land selbst suchen, während der Rothirsch in manchen Bundesländern im Knast (Einstandsgebiete) leben muss? In Bayern leben viele Rothirsche im Winter tatsächlich hinter Gittern, und in Baden-Württemberg darf der Rothirsch auf gerade mal vier Prozent der Landesfläche seine Fährte ziehen. Warum muss der Weideviehhalter wegen des Wolfs seinen Broterwerb einschränken? Warum werden durch den Wolf verursachte Schäden sozialisiert, also dem Steuerzahler aufgebürdet, während Jagdgenossenschaften dem Landwirt durch Reh, Hirsch oder Sau verursachte “Schäden” ersetzen müssen? Letzteres müssen sie allerdings meist nicht, da sie die Wildschadenshaftung dem Jagdpächter aufgebrummt haben. Es fällt schwer, diese ganze Geschichte rational und ohne Zorn und Eifer nachzuvollziehen. Liegt das nur am längst nicht mehr zeitgemäßen Schutzstatus des Wolfs? Dann lasst uns Akteure im ländlichen Raum gemeinsam versuchen, diese Ungleichbehandlung zu beenden.

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  2. Auch ein Waldfreund

    Ohne die Schaffung entsprechender Bedingungen hätte der Wolf sich nicht so ausbreiten können, sondern wäre an Stellen, wo er mit der menschlichen Lebensweise in Konflikt kam, wie zum Beispiel früher im Osten Deutschlands und teils heute noch in anderen Ländern praktiziert daran gehindert worden, ohne die Existenz der Art zu gefährden.

    Das entsprach und entspricht den Interessen der Landbevölkerung (der tatsächlich Betroffenen) und kommt der Forderung nach dem Lernen mit dem Wolf zu leben am nächsten.

    Ob es “Nachhilfe” durch absichtliche illegale Auswilderungen zur Bestandsförderung gab oder gibt kann ich nicht beurteilen.

    Fakt ist und das kann niemand bestreiten, dass es “Ausreißer” aus Tierparks (war selbst von einer nur zum Teil erfolgreichen länderübergreifenden Jagd auf diese 1971 in Klingenthal betroffen, 2 – 4 sind entkommen), privaten Züchtungen, Kreuzungen mit Wolfshunden und Schäferhunden oder auch anderen Rassen (auch “Russenhunden”) gab und gibt.
    Der Verbleib dieser Welpen ist meist unklar.
    Keine Aussagen der “Experten” gibt es darüber, ob eine neue Domestikation stattfindet, bzw, ob und wie man dies verhindern will oder kann.

    Weiterhin geben auch aus ethischer Sicht die praktizierten Maßnahmen zur Förderung der Ausbreitung des Wolfes in unserer Kulturlandschaft auf Kosten anderer Arten und die Gefährdung traditioneller Lebensweisen im ländlichen Raum den Betroffenen durchaus das Recht ihre Ängste und Sorgen zu äußern, fadenscheinige Statements der Wolfsfraktion kritisch zu hinterfragen und Kontrolle und Begrenzung dieses aus dem Ruder laufenden “Spielchens” zu fordern .

    Der Gipfel sind in diesem Zusammenhang die Spendenaufrufe und die Bitten um Patenschaften der um die Mehrung ihres Reichtums bemühten Verbände.

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  3. Anton Maas

    Prof. Dr. Pfannenstiel hat absolut Recht: die Art und Weise, wie die Wölfe im Vergleich z. B. zum Rotwild in unserem Lande behandelt werden, ist nicht mehr zu ertragen. Während Wölfe hierzulande einen dicken Heiligenschein bekommen haben, wird dem Rotwild vielerorts gnadenlos nachgestellt. Das Rotwild darf seinen Lebensraum auf keinen Fall erweitern. Sobald es die zugewiesenen “Bewirtschaftungsgebiete” verlässt, ist es abzuschießen. Und das nur aus einem einzigen Grund: weil es Schäden an Wirtschaftsbäumen anrichtet.
    Wäre es jetzt nicht nur allzu logisch, dass man auch den Wölfen ganz bestimmte, fest umrissene Gebiete zuweist, in denen sie sich tummeln können, sobald sie diese aber verlassen, sie erlegt werden können? Dann hätten wir dauerhaft Wölfe im Land, nicht so viele, aber längst genug, die Viehhalter wären zufrieden, weil es dann Möglichkeiten gibt, die Wolfspopulation zu beschränken und Schäden an Nutzvieh zu minimieren. Damit könnten dann fast alle gut leben. Wenn in der Wolfspolitik so weiter gemacht wird wie bisher, wird der Wolf in ganz absehbarer Zeit zur richtigen Plage werden. Das tut weder dem Wolf noch unserer Landbevölkerung gut, denn letzterer platzt irgendwann der Kragen, mit fatalen Folgen für den Wolf.

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  4. A. Scholz

    2015: “Wölfe sind menschenscheu, die Sichtung eines Wolfes ist so selten wie ein 6er im Lotto.”
    2017 Zitat: “Dass Wölfe zuweilen durch Siedlungen laufen, gehöre zum normalen Verhalten.”
    Fortsetzung folgt.

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