Wolfsabschuss: WWF setzt Belohnung von 25.000 Euro aus

“Deutschland hat ein Wilderei-Problem”

Die Naturschutzorganisation WWF hat eine Belohnung in Höhe von 25.000 Euro ausgesetzt für ” sachdienliche Hinweise, die im aktuellen Fall zur Ergreifung des Täters führen.” Der WWF verurteilte die Tat aufs Schärfste und forderte von den Ermittlungsbehörden eine „intensive“ Strafverfolgung. „Deutschland hat ein Wilderei-Problem. Immer wieder werden bedrohte und geschützte Tiere  illegal getötet. Im seltensten Fall wird ein solches Verbrechen jedoch aufgeklärt. Das ist eines modernen Rechtsstaats unwürdig“, erklärte Moritz Klose, Wildtierreferent beim WWF Deutschland in einer Stellungnahme. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass das Nachstellen geschützter Arten ein Kavaliersdelikt sei.

Die Bundesrepublik habe, so die WWF-Kritik, bei der Verfolgung von Naturschutzkriminalität erheblichen Nachholbedarf. Bei den zuständigen Landeskriminalämtern müssten endlich Spezialeinheiten für Umwelt- und Artenschutzkriminalität etabliert werden. Derzeit gibt es nur in NRW eine derartige Stabsstelle. Zudem fehle eine zentrale Auswertung für Artenschutz-Verstöße, da sie anders als etwa Eigentums- oder Verkehrsdelikte nicht in entsprechenden Statistiken erfasst und ausgewertet werden. „Bei illegalen Tötungen von geschützten Tierarten sind wir weitgehend blank. Verlässliche Zahlen gibt es kaum“, kritisiert Klose.

Während in Ländern wie Österreich (Bundeskriminalamt) oder den USA (Fish and Wildlife Service) Wilderei von speziell ausgebildeten und ausgerüsteten Sondereinheiten verfolgt wird, ist in Deutschland die örtliche Polizeibehörde meist auf sich allein gestellt. Ohne spezifische fachliche Ausbildung und Routine sei ein Aufklären derartiger Delikte schwer möglich, so der WWF. PM WWF

Beitragsbild: Flinte. Copyright: SE

3 Gedanken zu „Wolfsabschuss: WWF setzt Belohnung von 25.000 Euro aus

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Zu dieser aufgeblasenen Belohnung, die der WWF für Hinweise ausgesetzt hat, die zur Ergreifung derjenigen führen, die einen Wolf getötet hat, fallen mir spontan ein paar Dinge ein.
    1. Ist Wilderei eigentlich der richtige Terminus, wenn Individuen nichtjagdbarer Tierarten getötet werden?
    2. Hat der WWF jemals schon eine derart opulente Belohnung für die illegale Tötung eines Exemplars einer anderen Tierart ausgesetzt?
    3. Woher sollen denn verlässliche Zahlen zur illegalen Tötung von Tieren kommen? Woher kommen denn die Zahlen zu illegalem Waffenbesitz?
    4. Die Höhe der ausgesetzten Belohnung ist eine ausgesprochen irrationale Provokation mit populistischen Zügen. „Dem Volk aufs Maul schauen“, also Populismus, bekommt jedoch erst dann eine negative Konnotation, wenn der angebliche Wille des Volkes unvernünftig ist oder unsachgemäß mit der Realität umgeht. Wer aber beurteilt das? Dass hier der Wille des Volkes, Gutmenschentum in Bezug auf eine bestimmte Tierart, in diesem Fall möglicherweise erst durch den irrationalen Umgang mit dem Wolf von verschiedenen Naturschutzorganisationen oder übersteigert lupophilen Einzelpersonen erzeugt wurde, ist das Pikante an dieser Belohnung.
    5. Man kann ohne lupophob zu sein, durchaus einen vernünftigeren Umgang mit dem Wolf in unserer Kulturlandschaft propagieren. Kein Mensch will den Wolf ausrotten, aber dass über kurz oder lang an seiner jagdlichen Regulierung auch bei uns kein Weg vorbeigeht, kann man sich bei den gegenwärtigen Reproduktionsraten und den zunehmend negativen Einflüssen auf die Weidewirtschaft leicht ausrechnen. Warum soll bei uns nicht gehen, was in anderen europäischen Ländern bestens funktioniert?
    6. Liebe WWF-Leute, bleibt doch auf dem Teppich und verliert nicht die Bodenhaftung!

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  2. MH

    Es geht einem schon so einiges durch den Kopf, wenn man derartige Schlagzeilen liest. Aber man muß ja froh sein, nur den fachlich falschen Begriff “Wilderei” und nicht schon wieder “Mord” zu lesen.

    Kopfgelder, Morddrohungen gegen Tierschützern nicht genehme Personen, Aufruf zu, sagen wir mal, Sachbeschädigung, Aufwand für Strafverfolgung in Sachen Wolf- und Luchs-Todesfällen, wo bei zu Schaden gekommenen menschlichen Opfern die Ermittlungen entweder längst eingestellt worden wären oder wegen Geringfügigkeit gar nicht erst aufgenommen: Der Verlust jeglichen Maßes ist deutlich zu erkennen. Übrigens hat PETA noch einen Tausender draufgelegt.

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  3. Joachim

    Wie wäre es mit einem kleinen Exkurs zu Aktenzeichen xy… ungelöst?
    Dort kann man lernen, dass es für ein Menschenleben meist nicht mehr als 3.000 Euro Belohnung gibt.
    Einen Bankräuber zu verraten, kann schon mal bis zu 10.000 Euro bringen, wenn der Bankräuber beim Überfall ganz besonders grimmig drein geschaut hat.
    Aber 25.000 Euro in Sachen Wolf, das hat Klasse. Das sind mehr als 8 Menschenleben. Ich ziehe meinen Hut.

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