Wölfe reissen Kalb und 32 Schafe

In der Prignitz im Nordwesten Brandenburgs haben Wölfe wahrscheinlich ein neu geborenes Kalb gerissen. Von dem bei der Geburt schätzungsweise 30 bis 35 Kilogramm schweren Zwillingskalb waren nur noch 13 Kilogramm übrig, als es gefunden wurde. 15 bis 20 Kilogramm müssen folglich verzehrt worden sein. Lothar Pawlowski, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Karstadt, in deren Mutterkuhherde sich der Vorfall ereignete, berichtete im Gespräch mit JAWINA, dass er den Kadaver des Kalbs nach der Entdeckung fortschaffen ließ. Dies nahm das Landesumweltamt Brandenburg (LUA), das für Nutztierrisse durch Wölfe zuständig ist, Pawlowski zufolge zum Anlass, eine DNA-Untersuchung des Kadavers – und damit die Entschädigung – zu verweigern. Auf den von Pawlowski übersandten Fotos sei laut LUA auch kein typischer Kehlbiss zu erkennen gewesen. “Auf den Fotos war überhaupt nicht mehr viel zu erkennen”, regt sich der Landwirt auf, “weil das meiste Fleisch halt aufgefressen war.”

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Das vermutlich gerissene Kalb. Fotos: Lothar Pawlowski

600 bis 900 Euro beträgt laut Lothar Pawlowski der Marktwert eines Fleckvieh-Kalbs. “Wenn der Wolf gewünscht ist, kann es nicht sein, dass wir Klimmzüge machen müssen, um die Schäden ersetzt zu bekommen,” findet der Landwirt.

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Detailaufnahmen des vermutlich von einem Wolf gerissenen Kalbs. Fotos: Lothar Pawlowski

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Bei Laaslich, ca. 12 km von Karstadt entfernt gesichteter Wolf. Quelle: Lothar Pawlowski

Wie der MDR berichtet sind in Sachsen in den letzten Tagen 32 Schafe von Wölfen gerissen worden. Dabei seien in mehreren Fällen 1,40 Meter hohe Schutzzäune übersprungen worden.

Die Pressemitteilung des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz dazu in voller Länge:

Mehrfache Nutztierschäden durch Wölfe im Territorium des Rosenthaler Rudels

Im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels (LK Bautzen) wurden in dieser Woche drei Wolfsübergriffe auf Schafherden gemeldet. Zwei Fälle ereigneten sich bei einem Tierhalter in Cunnewitz. Hier wurden in zwei aufeinander folgenden Nächten, zum 05.10. und zum 06.10., insgesamt 29 Schafe gerissen. Beim dritten Übergriff, der bereits in der Nacht zum 04.10. bei Ralbitz stattfand, wurden 3 Schafe getötet. In allen drei Fällen  wurden die 140 cm hohen Festzäune von Wölfen überwunden. Festzäune mit einer Höhe von mindestens 120 cm entsprechen dem definierten Mindestschutz. Es besteht also für die betroffenen Tierhalter Anspruch auf Schadensausgleich. Erfahrungsgemäß bieten Festzäune generell einen geringeren Schutz gegenüber stromführenden Zäunen, weil sie über keine abschreckende Wirkung verfügen, sondern eine rein physische Barriere darstellen. So können sie von Wölfen leicht untergraben oder bis zu einer bestimmten Höhe auch übersprungen werden. Elektrozäune mit einer Höhe von 100 – 120 cm, mindestens jedoch 90 cm, und ggf. „Flatterband“ bieten im Vergleich dazu einen wesentlich besseren Schutz. Voraussetzung dafür ist der fachgerechte Aufbau und Betrieb des Weidezaunsystems. Für größere Schäfereibetriebe ist zudem der Einsatz von Herdenschutzhunden eine sehr effektive Methode.
Um weiteren Nutztierschäden durch Wölfe vorzubeugen, sollten Tierhalter ihre Zäune eingehend auf Schwachstellen prüfen und diese ggf. zeitnah beseitigen. Im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels wird zudem empfohlen, zusätzlich „Flatterband“ (Breitbandlitze), welches ca. 20 – 30 cm über den Zaun gespannt wird, einzusetzen.
Bei Fragen können sich Tierhalter an die am Ende der Pressemeldung angeführten Kontaktpersonen wenden.

Bereits in den vergangenen Jahren kam es im Bereich des Rosenthaler Rudels vermehrt zu Übergriffen auf Schafe. Zum Anfang wurden dabei überwiegend ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Tiere getötet. Später kam es auch immer wieder zu Übergriffen auf Schafe, die nach dem Mindestschutz geschützt waren. Die Tierhalter wurden daraufhin vom sächsischen Wolfsmanagement angehalten ihre Schutzmaßnahmen zu überprüfen und ggf. zu verbessern (siehe PM des Kontaktbüros vom 14.09.2015).
Lernen Wölfe an schlecht geschützten Schafen, dass diese besonders einfach zu erbeuten sind, versuchen sie auch vermehrt an geschützte Tiere zu gelangen.

Der aktuell zu beobachtende Anstieg der Nutztierrisse im Spätsommer/Herbst entspricht dem typischen saisonalen Muster, das sowohl aus Deutschland als auch aus anderen europäischen Wolfsgebieten bekannt ist. Demnach finden in dieser Jahreszeit in der Regel die meisten Übergriffe statt, was zum einem vermutlich mit dem erhöhten Nahrungsbedarf der schon fast ausgewachsenen Wolfswelpen zusammenhängt. Zum anderen sind Kitze, Hirschkälber und Frischlinge, die im Frühling und Sommer für Wölfe eine besonders leichte Beute darstellen, im Herbst schon zu reaktionsschnellen Wildtieren herangewachsen.
Bei Fragen zu Herdenschutzmaßnahmen oder zur Förderung solcher können Tierhalter sich an die Landratsämter der Landkreise, die Außenstellen des Sächsischen Landesamtes für Umwelt Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Kamenz, Mockrehna und Zwickau oder an einen der folgenden Mitarbeiter wenden:

Zuständig für die Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie die Stadt Dresden ist Herr Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung in 02694 Malschwitz OT Wartha, Warthaer Dorfstraße 29 (Tel.: 0172 / 3757 602, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de).

Zuständig für die Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie die Städte Leipzig und Chemnitz ist Herr Klausnitzer vom Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie in 04741 Roßwein, OT Haßlau, Nr. 29a (Tel.: 0151 / 5055 1465, E-Mail: herdenschutz@klausnitzer.org).

SE

 

2 Gedanken zu „Wölfe reissen Kalb und 32 Schafe

  1. Schroeter

    “wird zudem empfohlen, zusätzlich „Flatterband“ (Breitbandlitze), welches ca. 20 – 30 cm über den Zaun gespannt wird, einzusetzen.”

    Genau, deshalb nutzen Wildparks auch lediglich Flatterband und nicht etwa 4m hohe Zäune mit Stacheldrahtkrone zur Sicherung ihrer Wolfsgehege! … was die Wolfsindustrie hier beschönigend verfaßt, ist wieder einmal nichts weiter als Augenwischerei dazu gedacht, betroffenen Schäfer zu diskreditieren (“hätten sie ihre Herde eben besser geschützt”) und der Verbreitung eines (NICHT gefährdeten) Prädators Vorschub zu leisten, der in einer Kulturlandschaft wie Deutschland sie nun einmal größtenteils aufweist nichts verloren hat.
    Die Konsequenz daraus wird (wie schon in einigen Bundesländern erkennbar) die Aufgabe der Weideviehhaltung resp. Schafhaltung zur schonenden Landschaftspflege sein. Damit verschwinden dann auch die letzten Tiere in Massenhaltungsanlagen und hinter Mauern. Glückwunsch an NABU und BUND: ein Bären- /resp. Wolfsdienst am Tierwohl!

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  2. Rudolf Maier

    Jetzt sind wir beim Wolf, der keineswegs vom Aussterben bedroht ist, wie uns vor Jahren eingeredet wurde. Von wem wurden unsere Gesetzgeber beraten? Vom Nabu und noch einigen Wolfsfanatiker. Das war so beim Schutz von Rabenvögeln vor mehreren Jahren. Bei meinem Wohnhaus und in der Streuobstwiese, die ich mit Weidetieren bewirtschaftet habe, gab es viele Arten von Singvögel. Jetzt gibt es nur noch zwei Arten davon. Krähen und Elstern. Dann waren es die Kormorane. Es sollen ca. 1000 Tiere sein am Bodensee = ca. 500 kg Fisch pro Tag. Dann kam der Biber. Die Folgen sehen wir ja in der Natur. Die Schäden sieht man aber nicht, wenn ich mit dem Rennrad durch die Natur fährt. Und jetzt der Wolf, eine ganz andere Hausnummer. Zuerst hieß es der menschenscheue Wolf reduziert das Wild. Das wird weniger und die Wölfe werden mehr. Dann sind es Schafe und Ziegen, mittlerer Weile sind es auch Rinder und Pferde. Aber der sehr menschenscheue Wolf spaziert jetzt sogar bei Tag durch Wohngebiete. Kindergärten werden verlegt, dass nichts passiert und der Wolf nicht entnommen werden muß. Wie sieht unsere Landschaft in einigen Jahren aus, wenn es keine Weidetierhaltung mehr gibt. Dann ist das nächste Beutetier der Mensch. Die Tourismusbranche wird sich bedanken.
    “Armes Deutschland”

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