Witz und Wunschdenken: Die “Standortbestimmung Jagd” des DJV – ein Kommentar

Ein weiteres riesiges Problem sind die schwarzen Schafe in unseren Reihen. Und damit meine ich nicht nur die ewiggestrigen oder sonstwie retardierten Lufthoheitshersteller und Allesvergifter, sondern die Heuchler und Totalblockierer, die bis in die Verbandsspitzen anzutreffen sind. Es spricht sich herum, wenn ein Vorstandsmitglied eines LJV zwar in der Öffentlichkeit pflichtschuldigst von “Schaffung angepasster Wildbestände” faselt, in seinem privaten Pachtrevier aber derart überhöhte Wildbestände “heranhegt”, dass er sich genötigt sieht, bei der Überreichung von Jagdeinladungen darauf hinzuweisen, dass nicht mehr eingeladen werde, wer herumerzählt, wieviel Wild er gesehen habe…

Dergleichen spricht sich herum, und das hat einen gravierenden Glaubwürdigkeitsverlust der Jagdverbände zur Folge. Wir wundern und empören uns darüber, dass der zahlenmäßig im Vergleich zu den herkömmlichen Jagdverbänden unbedeutende ÖJV mit gleichberechtigter Stimme in vielen politischen Gremien sitzt. Könnte es daran liegen, dass die Politik nach einem glaubwürdigeren Gesprächspartner lechzt, als es die traditionellen Jagdverbände sind?

Ich persönlich glaube, dass der ÖJV viel mehr Zulauf aus der “normalen” Jägerschaft hätte, wenn er nicht so einseitig die Interessen der Waldbesitzer verträte, wenn er nicht polarisieren würde, weil seine Mitglieder sich allzu gern mit ungenießbarer Penetranz und Selbstgerechtigkeit als die besseren Jäger darstellen und mit dem Finger auf die anderen, vermeintlich schlechteren zeigen.

Wäre das nicht der Fall, hätte der ÖJV vermutlich kräftigen Zulauf von Jägern, die sich von ihren unglaubwürdigen, untätigen, folkloristischen KJV/LJV/DJV nicht mehr vertreten fühlen. Und gern Mitglied in einem Verband wären, der für eine moderne, zukunftsfähige, meinetwegen auch ökologische Jagd eintritt – ohne deshalb gleich in Emmerts Kampftruppe mitfechten zu wollen. Könnte dies nicht auch ein Grund für die schwindenden Mitgliederzahlen der traditionellen Verbände sein?

Die Heuchelei und Verlogenheit der traditionellen Jagdverbände hat dazu geführt, dass unsere einst treuesten Verbündeten, die Land- und Forstwirte, uns von der Fahne gehen, weil sie die Weigerung oder Unfähigkeit von Teilen der Jägerschaft, die Wildschadensproblematik ernster zu nehmen, nicht mehr tolerieren wollen. Bei den Verhandlungen über Landesjagdgesetze und Jagdzeitenverordnungen in diversen Bundesländern positioniert sich die Forst mittlerweile als stärkster Gegner der Jagd – obwohl die Förster zum großen Teil auch Jäger sind. Die Rede (in der “Präambel”) von der “Gestaltung der Zukunft gemeinsam mit Forst- und Landwirtschaft” erweist sich so gesehen als Witz – oder Wunschdenken.

“Die Situation, die wir heute beim Rehwild haben – Ausweitung der Jagdzeiten, Reduktionsabschüsse mit Methoden, die unseren Vorstellungen von Weidgerechtigkeit nicht unbedingt entsprechen – ist eine Folge der jahrzehntelang durchgehaltenen Blockadehaltung der Jägerschaft”, erklärt der ehemalige brandenburgische LJV-Vize Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel im Gespräch mit der JAWINA-Redaktion. “Und ich fürchte, wenn sich das nicht ändert, werden wir beim Rotwild demnächst in der gleichen Lage sein. Wir haben heute in Europa die höchsten Schalenwildbestände aller Zeiten. Wenn die Jägerschaft weiterhin meint, das Problem lokal drastisch überhöhter Wildbestände leugnen, ignorieren und kleinreden zu können, wird uns das auf die Füße fallen.”

Wir Jäger werden flexibler werden müssen, sonst wird der aufkommende Sturm uns wegblasen. Eine 380.000-Mann-Armee wird gegen ein Heer von 80 Millionen nicht jeden Fußbreit Boden verteidigen können. Wer mitgestalten will, anstatt von anderen beschlossene Änderungen nur murrend hinnehmen zu müssen, sollte mit sich reden lassen. Vielleicht ist es ja auch nicht so, wie von manchen gern suggeriert wird, dass jede Veränderung bei der Jagd eine Katastrophe bedeutet. Soll doch niemand sagen, dass es keinen Spielraum für Verbesserungen gäbe. Und eigentlich müssen wir uns doch keine Sorgen machen: Wir wissen doch schließlich am besten, dass es ohne Jagd in der Kulturlandschaft nicht geht. SE

Bild: Schlaft weiter, Jäger – und es wird ein unsanftes Erwachen geben. (Copyright: SE)

2 Gedanken zu „Witz und Wunschdenken: Die “Standortbestimmung Jagd” des DJV – ein Kommentar

  1. Joachim Ernst

    Was sich auf Ebene der Kreisvereine und den übergeordneten Verbänden abspielt, ist eigentlich nicht mehr zu fassen. Die übrigen Naturschutzverbände machen es uns vor. Um bestehen zu können, bedarf es einer abgestimmten Präsenz in den Medien. Die Jäger müßten sich in Form ihrer Verbände einmischen. Nicht hinter den Kulissen sondern offensiv nach außen. Standpunkte öffentlich machen. Artikel in der Jagdpresse sind dazu nicht geeignet. Das sind special interest Publikationen, die nur von denen gelesen werden, die sowieso Jäger sind oder von radikalen Jagdgegnern, um “Munition” zu sammeln.
    In das Bewusstsein der Öffentlichkeit, deren Meinung letztlich über den Fortbestand der Jagd entscheidet, dringt davon nichts.
    Der DJV hatte in Vorbereitung des Postionspapieres die Kreisvereine um Mitwirkung in Form von Stellungnahmen gebeten. Jedenfalls für meine KJV kann ich sagen, daß sich dort niemand für das Thema interessiert zu haben scheint. Weder haben Vorstand noch Hegeringleiter das Thema aufgegriffen und die Diskussion angestoßen. Daß der DJV überhaupt eine Diskussion anstoßen wollte, habe ich zufällig in einem Internetforum gelesen. da war die Frist aber bereits abgelaufen.
    Ich habe mich dereinst in der KJV als Presseobmann engagiert und habe lange Zeit Dienst im Laserschießkino der KJV (sie war bundesweit eine der ersten, die so etwas angeschafft hat) geschoben. Die dort gemachten Erfahrungen haben mich dazu bewogen, daß ich zunächst keine Funktion mehr ausgeübt und im Rahmen meines Umzuges auch die Mitgliedschaft gekündigt habe. Die organisierte Jägerschaft hat leider die Zeichen der Zeit nicht verstanden und so wird sie nun einen hohen Preis dafür bezahlen

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  2. Ernst-Georg Krohm

    Liebe Waidgenossen!
    Rüstet bitte emotional und verbal sowohl in Euren Stellungnahmen, als auch in den einstimmig verabschiedeten Standortbestimmungen ab. Wer versucht, Bekenntnisse und persönliche Überzeugungen von eindeutigen Mehrheiten, wie sie in der Präambel der Standortbestimmung Jagd des DJV festgeschrieben sind, durch Vergleiche mit unserem Grundgesetz und christlichen Glauben lächerlich zu machen, ist um keinen Deut überzeugender, als einzelne Formulierungen in der Präambel der Standortbestimmung Jagd des DJV.
    Laßt uns vielmehr sachlich und rational noch immer vorhandene Mängel im Umgang der organisierten Jägerschaft, im übrigen eine kleine Minderheit in der deutschen Gesellschaft, mit unserem Volke angehen und versuchen, für unsere Überzeugungen Einverständnis zu finden. Dazu gehört primär moderne und mutige Öffentlichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit, vielleicht auch die Definition des kleinsten gemeinsamen Nenners der teilweise extrem unterschiedlichen Interessengruppen.
    Oggi Krohm, einer, der guten Willens ist.

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