Witz und Wunschdenken: Die “Standortbestimmung Jagd” des DJV – ein Kommentar

Eine “Standortbestimmung der Jagd” müsste doch zumindest eines erst einmal leisten: Verorten, wo die Jagd heute steht. Und da kämen wir wohl um das Eingeständnis nicht herum, dass uns der Wind kräftig ins Gesicht weht.

Es gibt verschiedene Umfragen zur Beliebtheit von Jagd und Jägern in der Bevölkerung, die – wie üblich – je nach Auftraggeber unterschiedlich ausfallen. Die objektiveren zeichnen ein verheerendes Bild: Demnach stehen 80 Prozent der Bevölkerung uns Jägern kritisch bis ablehnend gegenüber. Und ist das ein Wunder? Wer ein jagdliches Schlagwort in eine Suchmaschine eingibt, landet mit großer Wahrscheinlichkeit nicht beim DJV, sondern auf den Seiten militanter Jagdgegner, deren Lügen und Verzerrungen durch Präsenz und ständige Wiederholung irgendwann zu Tatsachen werden.

Zu konstatieren und zu beklagen ist ein unfassbares, seit Jahrzehnten andauerndes und sich fortsetzendes, empörendes Versagen unserer Verbände in der Öffentlichkeitsarbeit – von den Totalausfällen bei sämtlichen Landesjagdverbänden (einzige rühmliche Ausnahme: Rheinland-Pfalz) bis zum kläglichen Dahinwursteln beim DJV. Ich habe die Verantwortlichen beim DJV bei verschiedenen Anlässen (Grüne Woche, Landes- und Bundesjägertage) mehrfach auf das Problem angesprochen und stets dieselbe Antwort erhalten: Man habe halt nicht soviel Geld und Mitarbeiter, wie die großen Naturschutzverbände und außerdem würde man ja “hintenrum”, durch irgendwelche dunklen Kanäle, viel mehr erreichen: Schließlich gebe es da noch diesen oder jenen Staatssekretär, der auch einen Jagdschein habe…

Was für ein absurder Gedanke, dass sich die Legitimität einer Tätigkeit in einer Demokratie darauf gründen ließe, dass ein paar Mächtige dasselbe Hobby haben! Wenn die ca. 380.000 deutschen Jäger sich weiter in dem Irrglauben wiegen, dass sie über die Zukunft der Jagd entscheiden und nicht die 80 Millionen, wird es eines nicht allzu fernen Tages eine sehr harte Landung und ein unangenehmes Erwachen geben. Wenn wir es nicht schaffen, die nicht jagende Bevölkerung – den Jägern müssen wir den Sinn des Jagens nicht erklären – von der Berechtigung und dem Nutzen unseres Tuns zu überzeugen, wird von der Jagd, wie wir sie kennen und lieben, außer reiner Schadwildbekämpfung nicht viel übrig bleiben.

“Radio Maria, Veteranenverbände, Jäger, Wildecker Herzbuben und Schafkopfturniere am Sonntag nach dem Kirchgang” – in diesem Umfeld verortet der FAZ-Blogger Don Alphonso uns Jäger. Unfreiwillig muss sich jeder, der sich zur Jagdausübung bekennt, im muffigen Umfeld von Hirschhornknöpfen, Trachtenjanker und dumpfer Gesinnung verorten lassen. Auch dies ist ein Kollateralschaden der praktisch inexistenten Öffentlichkeitsarbeit der Verbände, die es nicht für notwendig erachten, den bei allen grünen Themen sich auf das Wiederkäuen ihrer Klischees beschränkenden Mainstream-Medien ein Bild zu vermitteln von einer verjüngten, entstaubten, bodenständigen Jagd. Das verlogene und hetzerische Zerrbild der Jagd in den Medien regt mich umso mehr auf, wenn ich an all die vernünftigen, “normalen”, verantwortungsbewussten Jägerinnen und Jäger denke, mit denen zu jagen ich das Vergnügen und Privileg genieße. Nur: Wer soll das Bild geraderücken, wenn nicht wir Jäger und die von uns dafür bezahlten Verbände?

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2 Gedanken zu „Witz und Wunschdenken: Die “Standortbestimmung Jagd” des DJV – ein Kommentar

  1. Joachim Ernst

    Was sich auf Ebene der Kreisvereine und den übergeordneten Verbänden abspielt, ist eigentlich nicht mehr zu fassen. Die übrigen Naturschutzverbände machen es uns vor. Um bestehen zu können, bedarf es einer abgestimmten Präsenz in den Medien. Die Jäger müßten sich in Form ihrer Verbände einmischen. Nicht hinter den Kulissen sondern offensiv nach außen. Standpunkte öffentlich machen. Artikel in der Jagdpresse sind dazu nicht geeignet. Das sind special interest Publikationen, die nur von denen gelesen werden, die sowieso Jäger sind oder von radikalen Jagdgegnern, um “Munition” zu sammeln.
    In das Bewusstsein der Öffentlichkeit, deren Meinung letztlich über den Fortbestand der Jagd entscheidet, dringt davon nichts.
    Der DJV hatte in Vorbereitung des Postionspapieres die Kreisvereine um Mitwirkung in Form von Stellungnahmen gebeten. Jedenfalls für meine KJV kann ich sagen, daß sich dort niemand für das Thema interessiert zu haben scheint. Weder haben Vorstand noch Hegeringleiter das Thema aufgegriffen und die Diskussion angestoßen. Daß der DJV überhaupt eine Diskussion anstoßen wollte, habe ich zufällig in einem Internetforum gelesen. da war die Frist aber bereits abgelaufen.
    Ich habe mich dereinst in der KJV als Presseobmann engagiert und habe lange Zeit Dienst im Laserschießkino der KJV (sie war bundesweit eine der ersten, die so etwas angeschafft hat) geschoben. Die dort gemachten Erfahrungen haben mich dazu bewogen, daß ich zunächst keine Funktion mehr ausgeübt und im Rahmen meines Umzuges auch die Mitgliedschaft gekündigt habe. Die organisierte Jägerschaft hat leider die Zeichen der Zeit nicht verstanden und so wird sie nun einen hohen Preis dafür bezahlen

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  2. Ernst-Georg Krohm

    Liebe Waidgenossen!
    Rüstet bitte emotional und verbal sowohl in Euren Stellungnahmen, als auch in den einstimmig verabschiedeten Standortbestimmungen ab. Wer versucht, Bekenntnisse und persönliche Überzeugungen von eindeutigen Mehrheiten, wie sie in der Präambel der Standortbestimmung Jagd des DJV festgeschrieben sind, durch Vergleiche mit unserem Grundgesetz und christlichen Glauben lächerlich zu machen, ist um keinen Deut überzeugender, als einzelne Formulierungen in der Präambel der Standortbestimmung Jagd des DJV.
    Laßt uns vielmehr sachlich und rational noch immer vorhandene Mängel im Umgang der organisierten Jägerschaft, im übrigen eine kleine Minderheit in der deutschen Gesellschaft, mit unserem Volke angehen und versuchen, für unsere Überzeugungen Einverständnis zu finden. Dazu gehört primär moderne und mutige Öffentlichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit, vielleicht auch die Definition des kleinsten gemeinsamen Nenners der teilweise extrem unterschiedlichen Interessengruppen.
    Oggi Krohm, einer, der guten Willens ist.

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