Witz und Wunschdenken: Die “Standortbestimmung Jagd” des DJV – ein Kommentar

Es soll bitteschön alles so bleiben, wie es war – das ist, kurz gesagt, die Kernaussage des vom DJV auf dem diesjährigen Bundesjägertag verabschiedeten Statements mit dem Titel “Standortbestimmung Jagd”. Nur: Man muss kein Prophet sein, um die Vorhersage zu wagen, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen wird. Die Grundsatzerklärung des DJV ist das Papier nicht wert, auf dem sie (aus)gedruckt wurde.

Das Dokument hebt an mit den Worten: “Jagd ist für uns tiefes Erleben der Natur…” und steigert sich in den salbungsvollen Tonfall im weiteren Verlauf – leider – noch hinein: “Jagd inspiriert Kunstschaffende seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte – bis heute und in Zukunft”. Amen.

Der peinliche, zwischen Präambel (wie die Einleitung tatsächlich überschrieben ist) des Grundgesetzes und Vater Unser lavierende Sprachgestus wird eisern durchgehalten. Vom “Jahrtausende alten Kulturgut mit Hörnerklang”, von der unvermeidlichen “Achtung vor dem Mitgeschöpf”, vom “gemeinsamen Gestalten der Zukunft zusammen mit Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft” ist die Rede – lauter hohle, schwülstige Phrasen, die uns kein Mensch mehr abnimmt.

Auf die weihevolle “Präambel” folgt ein dreiseitiger Wunschzettel: Das Jagdrecht soll als eigenständiger, bundesweit einheitlicher Rechtskreis erhalten bleiben, der Katalog jagdbarer Arten nicht gekürzt, die geltenden Mindestgrößen der Reviere und die Mindestpachtdauer bitte nicht angetastet werden. Jagdschutz, Bau- und Fangjagd sollen, ebenso wie die bewährten Jagdzeiten, bleiben wie sie sind und immer waren – heute und in Ewigkeit. Es soll sich, wie gesagt, nichts ändern. Dabei genügt ein Blick nach Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen, nach Berlin oder Bremen, um einzusehen, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen wird.

Überall, wo die Grünen an der Macht beteiligt sind, stehen tiefgreifende Jagdrechtsänderungen an, durch die Föderalismusreform ist die Zersplitterung des Jagdrechts Realität geworden, das EGMR-Urteil zur Pflichtmitgliedschaft in Jagdgenossenschaften wird massiv dazu beitragen, dass die Jagd in Deutschland nicht bleibt, wie sie ist. Wie kommen die beim DJV dazu, ein Dokument auf die Menschheit loszulassen, das die Realität in derart groteskem Ausmaß ausblendet, das nur rückwärtsgewandt ist und nur eines anstrebt: Den doch bereits in Auflösung befindlichen Besitzstand zu wahren!?

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2 Gedanken zu „Witz und Wunschdenken: Die “Standortbestimmung Jagd” des DJV – ein Kommentar

  1. Joachim Ernst

    Was sich auf Ebene der Kreisvereine und den übergeordneten Verbänden abspielt, ist eigentlich nicht mehr zu fassen. Die übrigen Naturschutzverbände machen es uns vor. Um bestehen zu können, bedarf es einer abgestimmten Präsenz in den Medien. Die Jäger müßten sich in Form ihrer Verbände einmischen. Nicht hinter den Kulissen sondern offensiv nach außen. Standpunkte öffentlich machen. Artikel in der Jagdpresse sind dazu nicht geeignet. Das sind special interest Publikationen, die nur von denen gelesen werden, die sowieso Jäger sind oder von radikalen Jagdgegnern, um “Munition” zu sammeln.
    In das Bewusstsein der Öffentlichkeit, deren Meinung letztlich über den Fortbestand der Jagd entscheidet, dringt davon nichts.
    Der DJV hatte in Vorbereitung des Postionspapieres die Kreisvereine um Mitwirkung in Form von Stellungnahmen gebeten. Jedenfalls für meine KJV kann ich sagen, daß sich dort niemand für das Thema interessiert zu haben scheint. Weder haben Vorstand noch Hegeringleiter das Thema aufgegriffen und die Diskussion angestoßen. Daß der DJV überhaupt eine Diskussion anstoßen wollte, habe ich zufällig in einem Internetforum gelesen. da war die Frist aber bereits abgelaufen.
    Ich habe mich dereinst in der KJV als Presseobmann engagiert und habe lange Zeit Dienst im Laserschießkino der KJV (sie war bundesweit eine der ersten, die so etwas angeschafft hat) geschoben. Die dort gemachten Erfahrungen haben mich dazu bewogen, daß ich zunächst keine Funktion mehr ausgeübt und im Rahmen meines Umzuges auch die Mitgliedschaft gekündigt habe. Die organisierte Jägerschaft hat leider die Zeichen der Zeit nicht verstanden und so wird sie nun einen hohen Preis dafür bezahlen

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  2. Ernst-Georg Krohm

    Liebe Waidgenossen!
    Rüstet bitte emotional und verbal sowohl in Euren Stellungnahmen, als auch in den einstimmig verabschiedeten Standortbestimmungen ab. Wer versucht, Bekenntnisse und persönliche Überzeugungen von eindeutigen Mehrheiten, wie sie in der Präambel der Standortbestimmung Jagd des DJV festgeschrieben sind, durch Vergleiche mit unserem Grundgesetz und christlichen Glauben lächerlich zu machen, ist um keinen Deut überzeugender, als einzelne Formulierungen in der Präambel der Standortbestimmung Jagd des DJV.
    Laßt uns vielmehr sachlich und rational noch immer vorhandene Mängel im Umgang der organisierten Jägerschaft, im übrigen eine kleine Minderheit in der deutschen Gesellschaft, mit unserem Volke angehen und versuchen, für unsere Überzeugungen Einverständnis zu finden. Dazu gehört primär moderne und mutige Öffentlichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit, vielleicht auch die Definition des kleinsten gemeinsamen Nenners der teilweise extrem unterschiedlichen Interessengruppen.
    Oggi Krohm, einer, der guten Willens ist.

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