Wissenschaftler: ASP in vier Jahren in Deutschland

Der polnische Epidemiologe Andrzej Jarynowski von der Universität Wrocław (Breslau) hat ein Rechenmodell entwickelt, mit dem sich Ausbreitungsgeschwindigkeit und Ausbreitungsrichtung von Tierseuchen, insbesondere der Afrikanischen Schweinepest (ASP) vorhersagen lassen. Dafür wurden von einem Team von Wissenschaftlern 3.230 ASP-Ausbrüche ausgewertet. Das Modell soll durch Vorhersagen künftiger Ausbrüche eine zielgerichtete Seuchenprophylaxe ermöglichen. Die Ergebnisse stellte Jarynowski am 13. Juni auf einem tiermedizinischen Kongress in China (25th International Pig Veterinary Society Congress (IPVS 2018), Chongqing) vor. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der ASP beträgt demnach 200 Kilometer im Jahr in westlicher Richtung. Auch wenn sich die Situation in den bereits betroffenen Gebieten stabilisiere, werde die Ausbreitung von ASP voranschreiten, sagte Jarynowski gegenüber der Fachpublikation Pig Progress. Selbst wenn man die Rolle von Menschen bei der Verbreitung von ASP ausschlösse, wird die ASP nach seinen Berechnungen in ca. vier Jahren die deutsche Wildschweinpopulation erreichen. Menschen sind für die beschleunigte Ausbreitung des Virus in erster Linie verantwortlich.

Nach Ansicht von Jarynowski konzentrieren sich europäische Behörden bei ihren Bemühungen um ASP-Prophylaxe zu sehr auf Fernfahrer, die halbverspeiste Brote wegwerfen könnten. Sind solche Brote mit Wurst oder Schinken belegt, die aus dem Fleisch infizierter Schweine produziert wurden, könnten Wildschweine mit dem ASP-Virus infiziert werden. Das größte Risiko für eine durch Menschen verursachte ASP-Ausbreitung geht nach Ansicht von Jarynowski jedoch von Arbeitskräften in der Landwirtschaft aus, die häufig aus Infektionsgebieten stammen. Wenn diese in ihrem Proviant belastete Fleischprodukte mitbringen, könnten sie unwissentlich und unwillentlich den Virus verbreiten.

Der russische Virologe Prof. Denis Kolbasov vom Russischen Zentrum für Virologie und Mikrobiologie berichtete auf dem IPVS-Kongress von Erfahrungen, nach denen ASP in der Wildschweinpopulation Russlands nach etwa 18 Monaten und einer durch die hohe Mortalität bedingten drastischen Reduktion der Bestände um ca. 80 Prozent abklingt. Diese Erfahrungen seien aber, betont Kolbasov laut Pig Progress, möglicherweise nicht auf andere Länder übertragbar, da die Populationsdichte von Wildschweinen in Russland nicht so hoch sei wie in Zentral- und Osteuropa. SE

Beitragsbild: Bache (Symbolbild). Foto: SE

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