Wildschwein-Forscher der Uni Rostock starten Projekt in Sachsen

„Wildschweine vermehren sich explosionsartig und richten große Schäden in der Landwirtschaft an“, sagt Dr. Hinrich Zoller von der Universität Rostock. Aus ganz Deutschland erhält der Biologe derzeit Anfragen zu „seinem“ Wildschwein-Forschungsprojekt. Er erkundet seit drei Jahren im Auftrag der Hansestadt Rostock und dem Schweriner Landwirtschaftsministerium in und um Rostock die Gewohnheiten der Schwarzkittel vor allem mit dem Ziel, sie künftig von Parks, Straßen, Gärten und Feldern fernzuhalten. Seit über zwei Jahren sind die Ortskerne von Rostock Markgrafenheide und Hohe Düne wildschweinfrei. Dort war das Pilotprojekt zur Wildschwein-Bekämpfung gestartet. Zoller kennt sich auch als Waidmann mit den Gepflogenheiten der Wildschweine bestens aus. Er gehört in Deutschland mit zu den ersten Forschern, die sich so intensiv mit Wildschweinen im städtischen Bereich beschäftigen.

Toitenwinkel

Selbst bis an die Wohngebiete, wie hier in Rostock Toitenwinkel, kommen die Schwarzkittel und pflügen den Rasen buchstäblich um. Foto: privat

Zollers Theorie: Es sind vor allem die Bachen, die immer wieder an die gleichen Plätze zurückkehren und dieses Ritual an die Frischlinge weitergeben. Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Schäden in Markgrafenheide offenbar auf wenige Rotten zurück zu führen sind. Die Frischlinge lernen von ihrer Mutter, der Bache. Sie haben längst die natürliche Scheu vor dem Menschen verloren. Das Nahrungsangebot im Stadtteil ist ausreichend und der Jagddruck sehr gering.

Um ihnen einen Sender am Hals zu befestigen, hatte Zoller zunächst mit seinem kleinen Team um Markgrafenheide herum so genannte Fallen aufgestellt, in die die Wildschweine gelockt und dann narkotisiert wurden. Der Sender verrät den Forschern viel über die Tagesverstecke und Verhaltensweisen der Tiere. So konnten sie später zielgerichtet aufgespürt und erfolgreich bejagt werden.

In diesem Jahr werden Wildschweine in weiteren Stadtteilen von Rostock mit Sendern ausgestattet. „Je mehr Daten wir über die Routenverläufe und die Gewohnheiten der Schwarzkittel gewinnen, desto leichter können wir Strategien zum gezielten Jagen entwickeln“, sagt der Forscher.

Das Schwarzwild hat sich in Deutschland explosionsartig vermehrt. Zoller sieht dafür mehrere Gründe: Die großen Felder, auf denen beispielsweise Raps und Mais wachsen, lassen eine Bejagung im Sommer kaum zu. Aber auch in den  milden Wintern gedeihen die Schwarzkittel sehr üppig. „Frischlinge bekommen Frischlinge. Ohnehin verfügen Wildschweine von allen einheimischen Huftierarten über die höchste Fortpflanzungsrate, gewöhnlich werden vier bis acht Frischlinge geboren. Und: Die Reproduktion ist nicht altersabhängig, sondern gewichtsabhängig“, sagt Hinrich Zoller.

Sein Projekt ist auch im Freistaat Sachsen auf großes Interesse gestoßen. Seit Jahresbeginn leitet er auch hier ein Forschungs-Vorhaben, um der Wildschwein-Plage in zunächst drei Gebieten Herr zu werden. Die beträchtlichen Schäden in der Landwirtschaft, eine gestiegene Zahl von Wildunfällen, aufgewühlte und somit kaputte Deichanlagen sind nur die eine Seite der Medaille. „Es gibt die Sorge, dass die Afrikanische Schweinepest, die gegenwärtig in Ostpolen grassiert, auch nach Deutschland rüberschwappt“, sagt Zoller. „Das wäre fatal, zumal es auf absehbare Zeit keinen Impfstoff gibt“, konstatiert der Rostocker Biologe. Hinrich Zoller ist Berater des Friedrich-Löffler-Instituts auf der Insel Riems, das beispielsweise die Schweinepest, ihren Verlauf und die Ausbreitung erforscht. PM Uni Rostock/Text: Wolfgang Thiel

Beitragsbild: Wildschwein-Forscher Dr. Hinrich Zoller legt einer narkotisierten Bache ein Halsband mit Sender um, das den Aufenthaltsort des Tieres verrät. Foto: privat

Ein Gedanke zu „Wildschwein-Forscher der Uni Rostock starten Projekt in Sachsen

  1. Karen Schönbrodt

    Was ich dem Beitrag nicht entnehmen kann ist, was dieses „Projekt“ mit Forschung zu tun hat. Die Gründe für die große Vermehrungsrate wird nur am Rande angeschnitten – darum scheint es nicht zu gehen. Es geht offensichtlich einzig darum herauszufinden, welche Wege und Verstecke die Tiere nutzen, um Ihnen dort auflauern zu können. …Forschung???

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