Wieder einmal: Heckrinder verhungern in Nabu-Projekt

+++ Niedersachsen: Betretungsverbote für Jagdstörer “nicht bindend” +++ Niedersachsen: Waldsperrungen doch rechtens +++

Beitrag aktualisiert

In einem Beweidungsprojekt, das der Nabu Thüringen gemeinsam mit dem Thüringer Umweltministerium initiierte, sind im vergangenen Jahr 14, im Februar 2019 weitere sechs Heckrinder verhungert. Das berichtet der MDR. Bereits 2008 waren in einem Nabu-Beweidungsprojekt in Niedersachsen Heckrinder verhungert, im Folgejahr verhungerten Rinder bei einem Nabu-Projekt im Naturschutzgebiet Schanderied (Kreis Konstanz) in Baden-Württemberg. Das Beweidungsprojekt Wilde Weide bei Dankmarshausen (Wartburgkreis) begann mit 19 Rindern, zuletzt seien es 90 gewesen: Zu viele für die 71 Hektar Weidefläche, so der MDR. Maximal 40 Rinder und Pferde seien gemäß dem Pachtvertrag zulässig gewesen. Die überhöhte Anzahl der Rinder wirkt sich mittlerweile negativ auf den einstigen Zweck des Beweidungsprojekts aus: Die Tiere sollten die Fläche für Amphibien und Vögel freihalten, aber nicht die Gelege zertrampeln. Ein Informant des Senders will die Verantwortlichen auf den schlechten Ernährungszustand der Rinder aufmerksam gemacht haben. Geschehen sei jedoch nichts. Dass die Tiere verhungerten, sei zudem tagelang nicht bemerkt worden.

Der Nabu Thüringen fungiert als Projektträger, die Weideflächen gehören dem Umweltministerium Thüringen und der Stiftung Naturschutz. Dem Landratsamt oblag die Überwachung des Tierwohls und der Naturschutzziele. Das Tierwohl wurde noch weiter delegiert, für die Ernährung der Rinder ist dem Bericht zufolge die Tierproduktion Dankmarshausen zuständig. Gegen deren Chef hat das Veterinäramt nach den ersten toten Rindern im Februar Strafanzeige wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz gestellt. Es ergingen Auflagen, die eine Zusatzfütterung und die Verminderung der Tieranzahl vorsahen.

Der Nabu stiehlt sich derweil aus der Verantwortung: Der Nabu habe “nur den Zaun gebaut”, teilte die Organisation dem MDR mit. Auf der Internetseite der Thüringer Stiftung Naturschutz zum Projekt Wilde Weiden liest sich das anders: “Das Projekt wird von der Tierproduktion Dankmarshausen GmbH durchgeführt und vom NABU Thüringen von Anfang an begleitet”, heißt es dort. Und weiter: „Mittlerweile haben wir über zehn Jahre Erfahrung mit derartigen Projekten“, sagt Mike Jessat der Landesvorsitzende des NABU Thüringen. „Die ganzjährige Beweidung mit Robustrindern und -pferden ist eine erfolgsversprechende Methode, Landwirtschaft mit Naturschutz zu verbinden.“

Heckrinder sind eine Hausrinderrasse, die aus bestehenden Rassen zurückgezüchtet wurde, um ein Rind zu züchten, das dem ausgestorbenen Auerochsen äußerlich ähnlich sehen sollte (Abbildzüchtung). Nach Ansicht von Experten sind “deren Ansprüche an Klima und Ernährung nicht geringer […], als bei den üblichen Zweinutzungsrassen. (Julia Poettinger: Vergleichende Studie zur Haltung und zum Verhalten des Wisents und des Heckrinds. 2011. Quelle: Wikipedia)

Wenn die angeordneten Maßnahmen nun nicht umgesetzt werden, will das Umweltministerium die Pachtvertrag mit der Stiftung Naturschutz Thüringen und der Thüringer Landgesellschaft kündigen. Für die verhungerten Tiere kommen diese Maßnahmen zu spät. SE

Beitragsbild: Headline des zitierten Beitrags auf der MDR-Internetseite (Screenshot)

Die Red. dankt JAWINA-Leser JG für den Hinweis!

2 Gedanken zu „Wieder einmal: Heckrinder verhungern in Nabu-Projekt

  1. Zündelnerlaubt

    Unglaublich, eigentlich Stoff für Monitor, Frontal und von mir aus Akte wasweißich.
    Wer Tiere verhungern lässt ist nicht gemeinnützig

    Antworten
    1. jochen

      Das ist ja der Vorteil, wenn man die Sympathisanten in den Medien sitzen hat, die bestimmen was ein Skandal ist….und was nicht. So geht erfolgreiche Lobbyarbeit, alles andere ist Ringelpitz mit anfassen. Diese Naturschutzverbände sind so sakrosankt wie chebli oder von der Layentruppe, die können sich praktisch auch alles erlauben und es passiert ihnen nichts.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar zu jochen Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.