Wie Städter die Landbevölkerung diskriminieren

+++ 2. Prozesstag Jagdunfall Nittenau: Angeklagter konnte Bundesstraße wegen Bewuchses nicht sehen +++ NRW: 60-jährige soll Jäger beleidigt und mit Golfball beworfen haben +++ NRW: Naturschützer befürworten Waschbärbejagung +++ Österreich: Wildschwein verursacht Unfall auf Wiener Autobahn +++ Hessen: Naturschützer verlassen Nabu +++ NRW: Weidetierhalter fordern Bejagung des Wolfs, Tanja und Heike starten Petition für Wolfsschutz +++

Ob er verrückt sei, wurde der Autor Holger Siemann von einem Freund gefragt, als er ankündigte, im Radio über den Wolf sprechen zu wollen. Bei dem Thema sei “der Shitstorm vorprogrammiert.”

Siemann spricht im Deutschlandfunk trotzdem über den Wolf. Über den mutmaßlichen Wolfsangriff auf eines seiner Mutterschafe, über Wolfsbeauftragte, die insinuieren, dass die Wunden an der Kehle des Schafs ” ja im Prinzip auch von einem Schraubenzieher stammen” könnten. Ob man Feinde habe in der Nachbarschaft? Über “Städter in Hotlines, die nicht mal fragen, wie es dem Schaf geht.”

Die Bevölkerungsmehrheit in den Städten dominiert alle Diskurse, auch die über Naturschutz und Landwirtschaft, obwohl, wie man ergänzen muss, Kenntnisse und eigene Betroffenheit von “Leuchtturmprojekten wie der Wiederansiedlung des Wolfes” flächendeckend fehlen. Die Landbevölkerung sei dieser “subtilen Formen der Diskriminierung mehr oder weniger hilflos ausgeliefert.” Milliarden werden in die Städte investiert, während auf dem Land “Bahnlinien und Busverbindungen stillgelegt” werden und sich “Schulen, Gesundheitsversorgung, Verwaltungen […] sich mit jeder Konzentrationswelle weiter vom Dorf [entfernen] und so “Kristallisationspunkte der Identität, des Kulturlebens, des bürgerschaftlichen Engagements” auslöschen. Leseempfehlung! SE

Beitragsbild: Headline des empfohlenen Beitrags auf der Internetseite des Deutschlandfunks (Screenshot)

Die Red. dankt JAWINA-Leser JS für den Hinweis!

 

8 Gedanken zu „Wie Städter die Landbevölkerung diskriminieren

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Wie sich diese subtile Diskriminierung ausdrückt, kann wer will bei den online-Petitionskommentaren von den zwei Städterinnen nachlesen (siehe letzte Schlagzeile oben). Lauter Heile-Welt-Träumerinnen und fern jeglichen Realitätsbewustseins. Eigentlich müßten alle “Problempersonen” die diese Petition unterschreiben für die Schäden der Wölfe in Regress genommen werden, die Namenslisten sind ja vorhanden.

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Wie macht man das den Politikern klar, die das größte Wählerpotential eben im urbanen Bereich finden? Bewohner des ländlichen Raums stärker vernetzen und notfalls ungehorsam sein!?

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    1. Torsten Schröder

      Das ist sicherlich nicht auszuschließen, es ist aber nicht die Masse des urbanen Raumes. Als auf dem Land lebender und in der Großstadt arbeitender Mensch macht mir diese Naturentfremdung der meisten in der Stadt lebenden Menschen zwischenzeitlich ernsthafte Sorgen. Erst kürzlich hat mir ein von mir ansonsten sehr geschätzter und intelligenter Städter offenbart, dass er bei der Europawahl grün gewählt habe. Auf meine Frage nach den Beweggründen erhielt ich die Antwort, dass dafür neben der Verdrossenheit über die „Volksparteien“ insbesondere die Sorge um die Umwelt ausschlaggebend war. Auf meine weiter Frage, wie die Umweltbesorgnis denn mit dem BMW X5 und den mehrmaligen Flügen jährlich in das eigene Ferienhaus auf Mallorca usw. zu vereinbaren seien, würde es dann dünn. Die auch in diesem Forum schon mehrmals vertretene Auffassung, der Wolf war zuerst da, ist nach meinem Empfinden keine Meinungsäußerungen einzelner Spinner, das Habe ich schon mehrfach gehört, natürlich ausschließlich von Leuten, die die Nähe des Wolfes nicht fürchten müssen, keine Tiere halten und in der Regel Fleisch auch nicht mit dem Töten eines Tieres in Verbindung bringen.

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      1. mikka

        Die Einstellung des Kollegen, kann man mit “Der moderne Ablass” ganz gut überschreiben. Leider lebt ein Gros der Bevölkerung nicht mehr in einer realen Welt, sondern orientiert sich am Konsum etc. Ein hoch auf die “Jochen-Schweizer-Gesellschaft”. Herr Dr. Pfannenstiel, danke für den zweiten Satz.

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      2. Ralf

        @Torsten Schröder:
        Absolute Zustimmung!
        Die Teilnahme an “Friday for future” beißt sich irgendwie mit Flugzeugfliegen oder Kreuzfahrt.
        Ich finde die Ausrichtung der Politik, auch der eigentlich großen Parteien der Mitte, ein wenig an der Realität vorbeigeplant.
        Wie kann es sein, dass man Kohlekraft- und Kernkraftwerke stillegt und dann feststellt, dass die Energien aus Wind, Sonne (kann man Solarzellen eigentlich kompostieren?) und Wasser auch an sonnenreichen Tagen nicht ausreichen? Wo kommt der benötigte Strom dann her? Aus dem Ausland. Wie wird er dort produziert? Durch Kohle- und Kernkraftwerke.
        Dieses eine Beispiel verdeutlicht in einem wesentlichen Kernbereich grüner Politik, wie die grünen Vorstellungen an der Realität vorbeigehen.
        Der Strom für Elektroautos und die Produktion von Elektroautos, sowie die Entsorgung von Akkumulatoren und Solarzellen sind eben nicht ganz unproblematisch. Den Menschen muss klar gemacht werden, dass es eben nicht ausreicht, eine schöne Welt zu fordern oder gar zu versprechen, in der alles bunt ist. Man kann vieles fordern oder versprechen. Die Frage ist, ob es sinnvoll umgesetzt werden kann. Und wenn es (zunächst) nicht umgesetzt werden kann, dann erwarte ich von der Regierung, dass sie Rückgrat beweist

        Ich hoffe, dass die Politik von CDU und SPD von nicht sinnvoller Politik der Grünen (bestes Beispiel “Lex Wolf”- irgendwie halbherzig) endlich entkoppelt wird. Man muss den Menschen erklären, warum etwas nicht funktionieren kann – auch warum etwas vielleicht anders besser funktioniert und sollte nicht immer nur alles in Richtung von Kompromissen abnicken.
        Vielleicht sollten CDU und SPD sich nicht auf den Zug der Grünen draufsetzen, weil es gerade “hip” ist, und man meint, so mehr Wählerstimmen zu bekommen. Vielmehr sollte man hin und wieder den gesunden Menschenverstand bemühen und auch mal eine Position vertreten.

        Vor einigen Jahren ist ein Lenker der CDU verstorben. Er wohnte am Lessingplatz in Braunschweig und hätte längst erkannt: “Wir haben eine Lage”. Dieser Koordinator scheint nun für die Festlegung von Leitlinien in der CDU zu fehlen. Ich wünschte mir, dass jemand diese Zügel wieder in die Hand nähme. Derzeit verderben zu viele Köche den Brei!

        Es würde Sinn machen, dass man den Menschen z.B. den Hintergrund von Subventionierung der Landwirtschaft und die nachhaltige Jagd in Deutschland mit Daten, Fakten und Zahlen auf übersichtlichen Darstellungen, die visuell schnell zu erfassen sind, noch mehr als bisher erklärt. Dann würde so mancher Mitbürger aus der Stadt vielleicht zum Nachdenken kommen und nicht mehr grün wählen.
        Das Revierjagdsystem mit der nachhaltigen Jagd, wie wir sie heute haben, wurde 1848 in der Deutschen Revolution erstritten. Meiner Meinung nach ist es auch Aufgabe der Regierung, dieses aus meiner Sicht sehr wichtige erkämpfte Kulturgut mit dem Hintergrund des aktiven Naturschutzes noch etwas aktiver, auch gegen die Stimmen von Jagdgegnern zu schützen.
        Ich möchte an dieser Stelle einen Vergleich mit der Demokratie ziehen. Die Erhaltung der Demokratie ist ein fortlaufender Prozess, in dem immer wieder Energie einfließen muss.
        Ich bitte anzufangen.

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        1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

          Der Beitrag ist ok, doch bei dem “Kulturgut” Jagd muß ich intervenieren: Die Jagd ist ein Eigentumsrecht und mit Grund und Boden verbunden und (noch) durch das Grundgesetz geschützt. Jagdsignale und Jägersprache zählen zu den Kulturgütern, die heute in den stadtnahen Jagdschulen und bei den staatlichen Jägerprüfungen mehr und mehr an Bedeutung verlieren -leider.

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          1. Ralf

            @Carpe Diem…:
            Jagd ist an Grund und Boden gebunden. Das stimmt.
            Umso mehr sollte der Staat darauf achten, das mit der Jagd verbundene Kulturgut in Bundes- und Landesforsten hoch zu halten und nicht weiter verkommen zu lassen. Denn Jagd insgesamt, mit Sitten und Gebräuchen, ist Teil unserer Kultur.

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