Wie Landy-Fahrer Urlaub machen…

Landy-Fahrer (und hier dürfen sich ausschließlich die unerschrockenen Bändiger vorzugsweise hochbetagter Defender- und noch älterer Serienmodelle angesprochen fühlen) sind irgendwie anders: Die meisten Menschen, die eine Probefahrt in einem der urtümlichen englischen Offroader unternehmen, steigen mit Schaudern wieder aus und sind fürderhin nur mit Mühe dazu zu überreden, auch nur auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. Eine kleine Minderheit jedoch – in ihrer automobilen Entwicklung offenbar in einer primitiven Frühphase steckengeblieben – will gar nicht mehr aussteigen. Und künftig nichts anderes mehr fahren. Und träumt womöglich noch davon, in diesem allradgetriebenen Anachronismus Afrika zu umrunden oder von Alaska nach Feuerland zu fahren.

Natürlich muss diese verkorkste Minderheit auch noch im Urlaub von den geheiligten Auffassungen und Gebräuchen der Mehrheit abweichen. Beispiel: Kumpel Ole. Fährt am Freitag früh in den hochverdienten Urlaub gen Schweden. Und sendet bereits Freitag Nachmittag per Whatsapp das erste Urlaubsbild, das sich von herkömmlichen Urlaubs-Selfies geradezu drastisch unterscheidet:

Es sah nämlich so aus:

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Als Antwort auf die halb schockierte, halb belustigte Frage: “OMG, was ist passiert?”, kommt ein zweites Bild, das dem geübten Landy-Fahrer alles erklärt:

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Der besagte geübte Landy-Fahrer (Definition s.o.) erkennt hier sogleich eine abgescherte Steckachse, ein schweres, massives Stahlteil, das für die Kraftübertragung vom Differential zu den Rädern sorgt und mithin für den Vortrieb von entscheidender Bedeutung ist. So eine Steckachse kann entweder auf der Rad- oder auf der Diff-Seite abscheren. Aufklärung liefert das nächste Bild:

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Die von Glückspilz Ole ist im Differential abgeschert. Deshalb darf er auch dieses (das ist das runde Teil auf der Decke) ausbauen, um die Metallbrösel aus dem Diff-Gehäuse zu spülen. Glück im Unglück: Ole ist einen Kilometer vom Ferienhaus von Kumpel Sven liegen geblieben. Wobei das eigentlich nichts mit Glück zu tun hat: Denn wie jede belächelte Minderheit, halten auch die Landy-Fahrer eisern zusammen. Man bleibt also eigentlich immer in der Nähe von hilfsbereiten Leidensgenossen liegen. Nun gut, es muss auch einen Vorteil geben.

Wer aber glaubt, es wäre jetzt der passende Moment gekommen, ein wenig Zwietracht zwischen Landy und Fahrer zu säen, der irrt. Heimtückische Fragen wie: “Sag mal, Ole, ist es nicht ein wenig unfair von deinem das ganze Jahr über in der Garage penibel gepflegten, gewarteten und gepimpten Auto, ausgerechnet am ersten Urlaubstag zu verrecken?”, werden mit einem entschiedenen: “Bei 420.000 Kilometern auf der Uhr kann das vorkommen.”, kurz abgetan.

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Gartenparty mit Land Rover.
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Aktuellen Informationen zufolge sollen die gestern (Montag) bestellten Ersatzteile heute (Dienstag) eintreffen und auch gleich verbaut werden, so dass die Fahrt möglicherweise noch heute, spätestens morgen mit einer Verzögerung von nur drei, vier Tagen fortgesetzt werden kann. Die im Voraus gebuchte und bezahlte Fahrt mit der Fähre ist natürlich längst verfallen…Wir fragen uns: Wird Ole sein immerhin noch einige hundert Kilometer entferntes Ziel jemals erreichen? Wird er auf den eigenen Reifen zurückkehren oder schmachvoll auf einem der gelben Autotransporter dieser Hilfsorganisation? Es bleibt spannend… SE

Update 9:47 Uhr: Ersatzteile pünktlich eingetroffen.

Ersatzteile

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Update 11:36 Uhr: Fertig zur Probefahrt!

 

 

2 Gedanken zu „Wie Landy-Fahrer Urlaub machen…

  1. s.seeling@web.de

    für landy-fahrer relativ normal weil kann nach solch einer km-leistung durchaus passieren…………
    kosten etwa (geschätzt) € 250.- ………. :- )

    bei den neueren toyota buschtaxis wäre das getriebe hin,der urlaub versaut und man im nachinein
    für das neue,haltbare getriebe mal eben € 7500.- los…………..ohne einbau !!!! 🙁

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