Wer ortet, der findet

Tracker-Hundeortungssystem im Langzeit-Praxistest

Der finnische Hersteller von Hundeortungsgeräten und -software, Tracker Inc., hat dem Jawina-Test-Team mehrere G500FI-Halsungen und Testlizenzen für die Tracker-App zur Verfügung gestellt. Wir haben damit in der vergangenen Drückjagdsaison verschiedene Stöber- und Schweißhundeführer ausgestattet, die in dem mehrmonatigen Testzeitraum Hard- und Software im härtesten Praxiseinsatz ausgiebig getestet haben. Der folgende Testbericht ist das Resümee aus den Praxiserfahrungen unserer Tester.

 Installation der Software

Hatten wir in den ersten Tests des Tracker-Systems noch die mitunter knifflige Installation auf Symbian-basierten Handys (Nokia) bemängelt, so ist dies bei den aktuellen Android-Versionen kontinuierlich verbessert worden und inzwischen in der Regel vollkommen problemlos. Konnte die die Tracker-App anfänglich nur auf der Seite des Herstellers heruntergeladen werden, so ist mittlerweile auch die komfortable Installation über Google Play möglich. Dem Gerät liegt neben einem ausführlichen Benutzerhandbuch auf deutsch auch eine übersichtliche Schnellstart-Anleitung bei, die anschaulich die vorzunehmenden Einstellungen erklärt. Wer die Inbetriebnahme gerne persönlich vorgeführt bekommen möchte, kann sich instruktive (der folgende Link führt zu How-To-Videos des Herstellers) kurze Videos zum Thema auf YouTube anschauen oder auf der Support-Seite bei Tracker nachschlagen.

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Tracker-App beim Nachsucheneinsatz: Der Track kann aufgezeichnet und auf dem Smartphone wieder abgespielt werden. Das ist ein interessantes Feature z.B. auch für Schweißprüfungen.
Foto: TS

Auf den verschiedenen, teils vorhandenen, teils für den Test (bzw. die geplante Übernahme des Testgeräts) angeschafften Smartphones verlief die Installation überwiegend problemlos. Lediglich ein chinesisches No-Name-Dual-SIM-Smartphone zickte bei der Einrichtung der unterschiedlich konfigurierten Internetzugänge für die zwei SIM-Karten etwas herum.

 Support

Dies bot der finnischen Firma die Gelegenheit, ihren hervorragenden Support unter Beweis zu stellen. Der Tracker-Vertriebschef für Deutschland rief den Jawina-Tester und Besitzer des chinesischen Dual-SIM-Billighandys aus Finnland persönlich an, die Lösung für das Konfigurationsproblem war dann schnell gefunden. Kunden stehen die Vertriebspartner oder die kostenpflichtige Hotline (1,24 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz) 24/7 zum Support zur Verfügung. Positiv hervorzuheben ist, dass die Firma Tracker sehr aufgeschlossen gegenüber Kritik ist: Die von den Testern im Testverlauf vorgebrachten Verbesserungsvorschläge wurden umgehend an die Programmierer des Unternehmens weitergeleitet und im Rahmen der Produktoptimierungen umgesetzt.

In der Jagdpraxis

Es gab Tester, die geradezu überredet werden mussten, an dem Test teilzunehmen: “Wenn das über das Handynetz läuft, hat das für mich keinen Sinn”, unkte der Förster Christoph H., der abgelegene Gebiete mit sehr schlechter Netzabdeckung betreut. Heute, nach eingehender Beschäftigung mit sämtlichen Konkurrenzprodukten, sagt er: “Es ist zur Zeit das beste Hundeortungssystem auf dem Markt.”

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Christoph H., Förster und Nachsuchenführer: “Das zur Zeit beste Hundeortungssystem auf dem Markt!”
Foto: TS

Die für Funktion des Tracker-Systems erforderliche GPRS-Verbindung ist von dem für Gespräche erforderlichen GSM-Netz weitgehend unabhängig und – insbesondere mit der Tracker 4-Netze-SIM – beinahe flächendeckend vorhanden. Meist reicht es aus, sich eine SIM-Karte (mit Datenflat) eines Anbieters zu holen, die im Jagdgebiet gut funktioniert – zumal die Halsung die letzten zehn Positionen speichert und den Track an das Smartphone sendet, sobald das Halsband wieder Empfang hat. Für ganz schwierige Fälle, etwa für Nachsuchenführer, die wirklich überall maximale Verbindungssicherheit fordern, bietet sich die Tracker 4-Netze-SIM als Backup in einem Dual-Sim-Handy an.

GPS-Empfang und Ortungssicherheit

Der GPS-Empfang der Halsungen ist hervorragend, insbesondere bei G500FI und G400FI, die zusätzlich die russischen GLONASS-Satelliten zur Ortung einbeziehen. Die Halsungen kriegen selbst in geschlossenen Räumen noch zuverlässig eine Ortung hin, wenn der GPS-Empfänger im Telefon längst ausgestiegen ist. Einige Tester haben eine leichte Ungenauigkeit der angezeigten Position im Nahbereich (etwa wenn der Hund auf einer Nachsuche geschnallt wurde) festgestellt, teilweise zeigte der Kompass dabei die Richtung zum Hund spiegelverkehrt an. Dies hängt in der Regel mit der Kalibrierung des Kompasses im Handy zusammen. Mehr dazu (der folgende Link führt zur FAQ-Seite des Herstellers) hier.

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Marian Pelz, Jagdausstatter aus Zossen: “Bin sehr zufrieden.”

Sehr überzeugend sind die Verbesserungen gegenüber früheren Versionen beim Kartenmaterial. Die Karten sind jetzt wesentlich genauer und detailreicher. Ein großes Plus sind auch die neuen Luftbilder.

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Anschaulich: Luftibild in der Tracker-App.
Foto: Tracker

Kartendownload

Es ist wie bisher möglich, die Karten für die Jagdgebiete zu Hause über WLAN herunterzuladen, was im Einsatz über das mobile Internet Datenvolumen, und damit Gebühren und Ladezeiten spart. Leider können die Karten immer noch nicht in allen Maßstäben auf einmal heruntergeladen werden. Diese von den Testern sehnlich gewünschte Verbesserung steht aber auf der To-Do-List der Programmierer und soll mit einem der nächsten Updates umgesetzt werden.

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Dirk B., Förster und Wachtelzüchter: “Gute Sache für Leute, deren Hunde auch mal weiter gehen.”

Sehr gut gelungen ist auch die neue Kompass-Funktion: Tippt man die Kompassrose in der oberen linken Bildschirmecke an, so wechselt das Gerät in eine Ansicht, in der die Richtung und die Entfernung zum Hund übersichtlich dargestellt werden – so wie man es vom Garmin Astro mit der Umschaltung zwischen Dog und Map kennt. Auch diese Neuerung ist auf Input von Testern zurückzuführen.

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Übersichtlich: Die neue Kompassfunktion

Im gesamten Testzeitraum (mittlerweile fast ein Jahr) gab es keine Reklamationen, Reparaturen oder Hardwaredefekte. Die Halsungen trotzten Wasser, Schnee und Matsch sowie hoher mechanischer Beanspruchung im härtesten Jagdeinsatz und scheinen also sehr hochwertig gefertigt zu sein. Auch gut ist die lange Akkulebensdauer der Halsbänder. Ein voll geladener Akku hält bis zu zwei Tagen im Dauerbetrieb aus – da kann der Hund schon ganz schön weit gehen, bevor der Akku schlapp macht. Mit einem der nächsten Firmware-Updates soll für das Halsband G500FI der Tracker Smart Energie Modus verfügbar sein, der die Ausdauer des Akkus nochmals erhöht.

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Hat auch was: Marian lässt Tracker auf einem Tablet (Lenovo Ideapad) laufen.

Leider kam es während des Tests mitunter zu Serverausfällen. Die Ortung lief dann entweder verzögert oder war nur noch per SMS möglich. Tracker hat darauf sofort reagiert und zum einen den Provider gewechselt, zum anderen durch Einrichtung zusätzlicher Backup-Server einen “doppelten Boden” geschaffen, was die Zuverlässigkeit und Sicherheit des Systems beträchtlich erhöhen dürfte. Kommt es zu Problemen bei der Ortung, wird mit Hilfe des neuen LOC-Buttons der Backup-Server zugeschaltet. Im Mai wurde das neue Tracker Live 2.0 zusammen mit dem Tracker for Android 2.0 eingeführt, mit dem die neuen Funktionen wie der LOC-Button nutzbar werden.

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Berndt F. Jäger und Hundeführer (im Bild sein Kurzhaarteckel): “Jeder Hundeführer weiß, wie es sich anfühlt, wenn der Vierläufer einmal stundenlang weg ist. Tracker beruhigt da ungemein.”
Foto: SE

Dass Tracker über Smartphones läuft, kann als Vor- und als Nachteil gewertet werden: Man schleppt kein zusätzliches Gerät herum (das ist der Vorteil), muss sich aber mit dem teilweise dürftigen Handling (Touchscreen funktioniert im Wintereinsatz nicht mit normalen Handschuhen, gleichzeitig Telefonieren und Track des Hundes im Auge behalten ist nur mit Freisprechfunktion oder Bluetooth-Headset möglich) mancher Telefone abfinden.

Alles in allem stellt die Tracker-Hundeortung jetzt – auch dank neuer Funktionen wie dem Kompassmenü und verbesserter Karten – ein in der Jagdpraxis zuverlässig funktionierendes Werkzeug dar, das man nicht mehr missen möchte, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Für Begeisterung sorgt die nahezu unbegrenzte Reichweite.

Gruppenfunktion und weitere Features

Ein sinnvolles Feature der Tracker-App ist die Gruppenfunktion: Nachdem die Testgeräte an die Testgruppe ausgeteilt waren, hatten wir erstmals die Möglichkeit zu erleben, wie es ist, wenn mehrere Hunde und Jäger auf einer Jagd damit ausgestattet sind. Die Software zeigt ja nicht nur die Hunde, sondern (bei entsprechender Datenfreigabe und Gruppenzugehörigkeit) auch die Smartphones der Jäger und Treiber auf der Karte an. Das heißt, der Jäger sieht auf seinem Stand, wenn sich ein Hund, ein Treiber oder Durchgehschütze seinem Stand nähert. Laufen nach größeren Drückjagden verschiedene Nachsuchen, so sehen die Gespannne die jeweils anderen: Ein echter Zugewinn an Sicherheit! Dass man auch verfolgen kann, was auf hunderte Kilometer entfernt stattfindenden Jagden gerade abgeht, ist ein ganz lustiges Gimmick.

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BGS mit G500FI-Halsung auf der Nachsuche.
Foto: TS

Eine weitere neue Funktion, die sich vor allem die Förster unter den Testern gewünscht haben, ist die Flächenberechnung: Zu einer unter dem Menüpunkt “Messen und Zeichnen” markierten Fläche errechnet die App die Hektaranzahl. Mit dieser Funktion ist es aber auch möglich, bestimmte, zum Beispiel befriedete Gebiete im Jagdrevier rot zu markieren.

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Neu: Flächenmessung mit der Tracker-App

Auch neu: Tracks können als Linie dauerhaft abgespeichert werden. Dies wird z.B. bei der Aufzeichnung künstlicher Fährten genutzt. Diese Funktion wird das erste Mal offiziell bei den IV. Erdhundetagen vom 11.bis 14. September in Mecklenburg-Vorpommern genutzt werden. Hier werden die Tracks mit Hilfe der Tracker App und einem Halsband (wegen Sicherheit und Genauigkeit) gelegt und dann die Schweißarbeit ohne Richterbegleitung geprüft.

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Manuela F., Nachsuchenführerin (im Bild ihr Dachsbracken-Rüde): “Habe das Gerät wegen der Reichweite gekauft.”
Foto: SE

Ein weitere sinnvolle Funktion stellt die Möglichkeit dar, das Halsband anzurufen und auf diese Weise zu überprüfen, ob z.B. der Hund gerade laut ist (Spurlaut? Standlaut?). Wer dann ein Autoradio im Hintergrund hört, darf annehmen, dass ein Jäger den Stöberhund nach Hahn in Ruh eingesammelt hat und zum Streckenplatz kutschiert.

Mit den Tonbefehlen des G500FI kann man aus der Ferne auf den Hund einwirken und ihn mit einer Art Komm-Pfiff an den Stand zurückrufen. Das setzt natürlich entsprechende Abrichtung voraus. Dass nicht jeder Hund sich auf diese Weise von einer vielversprechenden Fährte (oder leckerem Aufbruch) abrufen lässt, dürfte klar sein.

Fazit: Wir schließen uns dem Urteil unseres Testers an: Tracker bietet das derzeit beste Hundeortungssystem auf dem Markt. Wenig verwunderlich daher, dass die Mehrheit der Jawina-Tester sich entschied, ihr Testgerät nach Ablauf des Test entweder als Ergänzung oder Ersatz vorhandener Ortungsgeräte zu erwerben. Der besondere Vorzug von Tracker ist die praktisch unbegrenzte Reichweite. Das System kann noch besser werden, wenn Erfahrungen aus der Praxis weiterhin schnell in die Produktentwicklung einfließen. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Leistung des Gesamtpakets auch von der Wahl des Smartphones abhängt. Hier sollte man nicht am falschen Ende sparen: Dürftiger GPS-Empfang, schwache Akkuleistung und viel zu kleiner Arbeitsspeicher beschneiden die Leistungsfähigkeit. Auf der Tracker-Seite ist eine Liste empfohlener Smartphones abrufbar.

Pros

– praktisch unbegrenzte Reichweite

– exzellenter GPS-Empfang der Halsungen

– GPS und GLONASS-Satelliten (G500FI und G400FI)

– hochwertige, zuverlässige Hardware

– lange Akkulebensdauer der Halsungen

– sehr guter Service/Support

– leichte Installation

– gute Bedienungsanleitung/instruktive Videos im Internet

– Hersteller sehr aufgeschlossen gegenüber Kritik und Verbesserungsvorschlägen

– deutlich verbessertes Kartenmaterial – detallierte Topokarten + Luftbilder

– komfortablerer Kartendownload

– mit 4-Netzte-SIM praktisch überall Empfang

– Gruppenfunktion

– Sicherheitszugewinn

– Tonbefehle bieten die Möglichkeit, auf den Hund aus der Ferne einzuwirken

– Halsband kann angerufen werden, dadurch akustische Kontrolle des Geschehens

– Zuverlässigkeit des Systems durch zusätzliche Server erhöht

– Nach Anmeldung beim Webtracking bleiben Tracks dauerhaft gespeichert und können ausgewertet werden.

– Bell-Laut-Sensor zeigt an, wann der Hund Wildkontakt hat bzw. auf einer frischen Fährte ist

Cons

– Halsungen teuer, ungünstig etwa für Meuten, wenn mehrere Hunde ausgestattet werden sollen (G400)

– laufende Kosten (59 Euro p.a. für Lizenz)

– Leistung abhängig von Leistung (Akku, GPS, Handling) des Smartphones/Tablets

– gleichzeitig Telefonieren und Hunde-Orten (etwa auf Nachsuchen) nur mit Freisprechfunktion oder Headset

3 Gedanken zu „Wer ortet, der findet

  1. Joachim Ernst

    Sitze an einer Schneise im Wald und hoffe auf Schweinchen. Und, Fluch der Moderne, ich habe dabei Ihren Testbericht auf meinem Handy gelesen. Wirklich ein richtig gut gemachter Testbericht.

    Antworten
  2. Georg Baumann

    Moin Stephan,
    wirklich sehr informativ und eine wirkliche Entscheidungshilfe. Wir haben uns über das Gerät ja schon mehrfach unterhalten, eine Frage habe ich dann aber doch noch: Empfehlt Ihr auch für das Handy eine 4-Netze-Sim-Karte, bzw. hattet Ihr das im Einsatz? Entsprechende Erfahrungen würden mich interessieren.
    LG, Georg

    Antworten
    1. admin Beitragsautor

      Hallo Georg,
      ich nutze Tracker ja jetzt schon geraume Zeit selber und bin mit meiner normalen SIM-Karte mit Daten- und Internetflatrate fast immer ausgekommen – und das, obwohl mein Anbieter für sein schlechtes mobiles Internet berüchtigt ist. 10 Euro Guthaben der Tracker-SIM halten im Halsband ewig, können im Smartphone aber ziemlich schnell aufgebraucht sein (z.B. wenn Karten heruntergeladen werden oder Updates laufen). Einige Nachsuchenführer (z.B. der im Beitrag erwähnte), der a) in einem Gebiet mit extrem schlechter Netzabdeckung unterwegs ist und b) extrem hohe Ansprüche an die Zuverlässigkeit der Ortung stellt, nutzen die Tracker-SIM als Backup in einem Dual-SIM-Smartphone. Das ist m.E. die optimale Lösung. Aber wie gesagt: Ich komme mit meiner normalen SIM gut klar.
      Beste Grüße und WMH
      Stephan

      Antworten

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