Weihnachten für Hundeführer

Heute ging folgende Mail in der Red. ein: “Sehr geehrte Damen und Herren, vielleicht ein Beitrag zu Ihrer Internetseite, welche ich mit großem Interesse verfolge. Vielseitig, interessant und hoch aktuell. Waidmannsheil aus Schleswig-Holstein, Ihr RH.” Angehängt war die folgende schöne Geschichte, die wir gerne veröffentlichen. Vielen Dank dafür gen Norden!

Heiligabend, 24.12.17, ein schöner Abend mit der Familie.

23.00 Uhr, das Telefon klingelt, eine dunkle Ahnung beschleicht mich, “Hier ist die PolLeitStelle – Ihnen ein frohes Fest aber wir haben einen Wildunfall K47/B77 im Kreuzungsbereich.

Und es ist schön, denn sie sind ja immer zu erreichen!“

„Was ist passiert? Ja, vermutlich ist ein Reh seitlich in einen BMW geprallt, der Fahrer ist schon zuhause, das Reh ist weg.“

Und was soll ich jetzt da in der Nacht? Etwas viel Alkohol habe ich  intus, ich bin auch nicht mehr fahrtüchtig, also Zusage: Ich schaue da morgen-!  1. Weihnachtstag so um 09.00 Uhr  mal mit dem Hund vorbei.“

Kommentare vom rückwärtigen Sofa werden überhört.

Fotos: RH

Die BGS-Hündin legt sich wieder in ihre „Schlafrolle“ vor der Heizung. Kluger Hund.

1.Weihnachtsfeiertag, 09.00 Uhr, Anruf bei dem Unfallfahrer: „Ja, ich brauche wohl eine Unfallbescheinigung, besser ist besser!
Nun gut, kommen Sie um 12.00 Uhr zu mir nachhause, dann stelle ich ie Bescheinigung aus, wenn ich Ihren Wagen gesehen habe.“
Ich fahre jetzt dann raus, um mich da mal mit dem Hund umzuschauen.“ Wird aber wohl nichts bringen!

An der Kreuzung K47 / B77 nichts, Rundblick, eigentlich, wenn  überhaupt könnte es im Weißdorn/Brennnessel/Brombeergestrüpp parallel zur B77 stecken, also Hund aufrüsten, Waffe und los.

Vorsuche und — sie fällt eine Fährte  mit Macht an auf dem „abgesoffenem“ Rübenacker mit 1000 Rehfährten. 100m weiter – sie will in die Dornen. Es bleibt mir aber auch nichts erspart, und — da drückt sich doch ein in der Hinterhand humpelnder Rehkörper durch das Gestrüpp und weg ist er.

Telefon klingelt: „Der Fahrer braucht keine Bescheinigung, der BMW hat nichts abgekriegt.“
Hund ins Auto, an der B77 an dem Weißdorngestrüpp lang 2x rum je 400m , ich finde es nicht, also  : Leni hilf und wieder führt mich die Hündin an das kranke Stück, ,Häuser im Hintergrund , Autoverkehr mit 3 m Abstand zu mir, ein Schuss geht fehl, also schnell 2 zuverlässige Jäger angerufen, keine lange Erklärung nötig, Vater Otto und Sohn Max wollen unverzüglich kommen. Ich warte auf euch.

Leni am erlösten Stück. Foto: RH

Das kranke Stück wechselt über die B77 – ein rücksichtsvoller Autofahrer lässt es passieren. So was gibt es auch noch, Donnerschlag.

Ich sehe, der rechte Hinterlauf baumelt und ein weißes Knochenende kann ich erkennen. Das Reh steht so 100 m von mir auf dem Feld, dahinter der Flugplatz mit seinen Hallen, vielleicht legt es sich nieder, ich ziehe deshalb  schnell das Auto nach, freie Sicht bis zum Horizont, und — das Stück ist weg. Mich trifft der Schlag. Die Verstärkung – Otto und Max – trifft ein, kurze Beratung, man will sich am nächsten Waldrand vorlegen und ich soll die Wundfährte ausarbeiten, also über den Matschacker ,vor uns querlaufender Knick , den nimmt die Hündin an, 4 – 500 m vor dem Gespann ein Schütze am Wald-Knickrand zu erkennen. Er gibt Zeichen, aha, das Stück ist vor uns, in seiner Not mit dem abgerissenen Lauf. Es hat den Jäger  eräugt  und flieht im Schutz der Häuser Richtung Flugplatz dort sind dichte Buschreihen.

Ein weißes Auto rauscht am Waldweg lang, Otto legt sich weiter vorn vor, das Stück ist nicht mehr in Sicht — also Riemenarbeit gefordert. Nach insgesamt nun 3000m  weiter vom Unfallort fällt  vor uns ein – hoffentlich der erlösende Schuss. Es müsste  eigentlich liegen, so heißt die telefonische Auskunft.

Üble Verletzung durch Wildunfall: Gut, dass das Stück zur Strecke gekommen ist. Foto: RH

Also, Leni  auf der Fährte, jetzt sicher vor  dem starken Fahrzeugverkehr der B77, geschnallt und schon  ist sie auf und davon, um die Ecke des Flugplatzzaunes, Standlaut, sie ist am Stück, wir haben es. Der rechte Hinterlauf unten abgebrochen, der Knochenstumpf schaut raus.
Anruf von zuhause: mit Unterton in der Stimme „Wo bleibst du denn?“

Info an die PolLeitStelle: ein großes Lob, das tat gut, der informierte Pächter ist auch zufrieden, 2 Jäger beeindruckt über Lenis Arbeit, zum Mittagessen waren wir 2 – Leni und ich – wieder daheim.

2 waren zufrieden, Leni und ich – und ich war stolz auf meinen Hund.

Frohe Weihnachten

Horrido

RH

Anka von der Annaburger Heide (gerufen Leni)
Wurfregisternummer SHVD 039

Die Red. dankt JAWINA-Leser RH für Text und Bilder!

2 Gedanken zu „Weihnachten für Hundeführer

  1. Hoffi

    Waidmannsheil zur erfolgreichen Nachsuche.

    Eine Anmerkung sei gestattet – eine Hatz hätte das doch immobile Stück schneller zur Strecke gebracht. – Wenn der Hund niederziehen kann natürlich nur!!

    Antworten

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