Warum kann eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) beim Menschen tödlich verlaufen?

Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass viele Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert sind – warum das für Menschen gefährlich ist, erklärt dieser Gastbeitrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel.

Der adulte Fuchsbandwurm ist etwa zwei bis drei Millimeter lang und besteht aus dem Kopf und drei bis vier Gliedern. Er lebt im Dünndarm von Fuchs, Hund und gelegentlich auch anderen Beutegreifern.

In jedem Bandwurmglied befinden sich männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Vorne werden nach und nach neue Glieder gebildet und hinten lösen sie sich auf, wobei die reifen Eier in den Wirtsdarm gelangen. Im Ei haben sich bereits die sog. Hakenlarven entwickelt. Sie sind in einer festen Hülle verpackt (0,03 bis 0,04 Millimeter Durchmesser, mit bloßem Auge nicht sichtbar), überstehen so die Darmpassage und werden mit der Fuchslosung abgesetzt. So können die Eier mit den Larven darin von Kleinsäugern am Boden mit der Nahrung aufgenommen werden. Im Darm dieser Zwischenwirte, meist Mäusearten, schlüpfen die Hakenlarven, die den Kopf des zukünftigen Bandwurms darstellen, aus ihrer Hülle, bohren sich durch den Darm, wandern im Körper der Maus umher und setzten sich schließlich als sog. Finnen irgendwo fest. Wird eine Maus mit Finnen vom Fuchs gefressen, dann entwickeln sich im Fuchsdarm wieder neue Bandwürmer, indem die Köpfe Bandwurmglieder wachsen lassen. Der Entwicklungszyklus ist damit geschlossen. Im Darm sind Fuchsbandwürmer für den Wirt ebenso harmlos wie Finnen für den Zwischenwirt Maus.

Die Finnen vermehren sich ungeschlechtlich, wobei viele weitere Bandwurmköpfe entstehen. Sie werden dabei sehr groß und wachsen im Laufe von Jahren wie eine Krebsgeschwulst heran. Ein Mäuseleben ist zu kurz für diese lange Entwicklung, und sehr viele Mäuse werden zudem vom Fuchs gefressen. Das gewebszerstörende Wachstum der Finne findet also nur statt, wenn der Zwischenwirt lange genug lebt. Und genau da kommt der Mensch als sog. Fehlwirt ins Spiel.

Menschen nehmen Eier des Fuchsbandwurms eher zufällig mit Pilzen, Waldbeeren oder Falllobst auf. Auch das Einatmen von Staub mit darin enthaltenen Eiern, beispielsweise bei der Heuernte oder beim Streifen des Fuchses, kann zur Infektion führen. Erst mehrfache Aufnahme der Eier scheint beim Menschen zur Infektion zu führen. Dann passiert das Gleiche wie in der Maus. Allerdings haben die Finnen, die sich anscheinend besonders gerne in der Leber festsetzen, dann genug Zeit, durch ihr infiltrierendes Wachstum langsam die Leber und im Endstadium auch die Lunge zu zerstören. Die Krankheit wird als alveoläre Echinokokkose bezeichnet und führt unbehandelt bei mehr als 90 Prozent der befallenen Menschen (vorwiegend Jäger und Waldarbeiter) zum Tode.

Heimtückisch ist diese Geschichte auch deshalb, weil die Infektion wegen des Fehlens spezifischer Symptome oft erst spät oder zu spät erkannt wird. Nur serologische Untersuchungen bringen frühzeitig Klarheit. Unklare Bauchbeschwerden, Mattigkeit oder Gelbsucht treten als unspezifische Anzeichen oft erst nach Jahren auf. Rechtzeitige Behandlung durch Chemotherapie kann zu vollständiger Heilung führen. HDP

Beitragsbild: Adulter Fuchsbandwurm. Autor: Alan R Walker, Quelle: Wikipedia. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz.

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