Waren es Wölfe? Gutachten zum schweren Unfall auf der B6

Der schwere Verkehrsunfall auf der B6 bei Zehren Landkreis Diera-Zehren, Sachsen) am 10. Dezember 2013, bei dem zwei Menschen schwer verletzt wurden und neun Pferde starben, war das Initial für eine gemeinsame Beratung von Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde der Landkreisverwaltung Meißen, eines Wildtierbeauftragten des sächsischen Landesjagdverbandes wie des Kreisjagdverbandes Meißen.

Der Dialog zum Arbeitsthema „Wölfe im Landkreis Meißen“ wurde von Andreas Herr, Beigeordneter des Landkreises und Dezernent für Technik und damit auch zuständig für den Naturschutz, geleitet.
In den zurückliegenden Wochen gab es öffentliche Irritationen zu einer Spurenrecherche zwei Tage nach dem Unglück durch Wernher Gerhards, freier Wissenschaftsjournalist und Fachbuchautor. Der Kreisjagdverband Meißen e.V. hatte in einem „Brandbrief“ an den sächsischen Innenminister auf die „Gefahren für die innere Sicherheit durch den unkontrollierten Bestandszuwachs des Wolfes“ hingewiesen. Das von Wernher Gerhards in Eigenregie gefertigte Gutachten blieb jedoch unter Verschluss, was wiederum zu Spekulationen in den Medien führte.

Andreas Herr eröffnete die Beratung mit den Worten: “Ich bin sehr dankbar, dass dieser Gesprächskreis zustande gekommen ist.“ Wernher Gerhards stellte seine umfangreichen Recherchen von der Spurensuche bis zur Kritik an behördlichen Strukturen und Konzepten dem Fachkreis vor. Rolf Kotzur, Wildtierbeauftragter des Landesjagdverband Sachsen, würdigte die Arbeit von Wernher Gerhards: „In der Expertise steckt mehr als nur Fleiß. Darin enthalten ist sehr viel wissenschaftliches Know-how. Herr Gerhards gehört zu den wichtigsten Wolfsexperten in Deutschland.“ Norman Härtner vom Kreisjagdverband erklärte, dass in den im Gutachten dargestellten Verfahren, deren Erfolg durch historisches Jägerwissen belegt sei, „ein möglicher Weg aufgezeigt wird, Wolfsfährten auch unter Feldbedingungen zu identifizieren“.

Die Untere Naturschutzbehörde wurde drei Tage nach dem Unglück bei Zehren über den Verdacht, dass Wölfe möglicherweise die Verursacher sein könnten, informiert. So gibt es seitens des Amtes keine eigenen Untersuchungen. „Wir sind auf die Informationen von Herrn Gerhards angewiesen“, betont Andreas Herr, „damit die Möglichkeiten des Schadensersatzes nicht im Sande verlaufen.“ Er zeigte sich beeindruckt von dem Umfang und den Details der Recherche. Wernher Gerhards übergab das Papier der Behörde mit dem Hinweis, die „Politik zum Wolf in Sachsen endlich vom Kopf auf die Füße zu stellen“. Er wird auch die in Zehren sichergestellte Wolfs-Losung für eine DNA-Analyse zur Verfügung stellen. In einem Brief an den sächsischen Umweltminister Frank Kupfer wird das Landratsamt über den Inhalt der gemeinsamen Beratung der Naturschützer und der Jäger informieren.
Der Kreisjagdverband Meißen e.V. hat inzwischen auch Antwort von Umweltminister Frank Kupfer zum weiteren Dialog erhalten. Das SMUL, so Norman Härtner, nehme die Hinweise im Brandbrief sehr ernst. „Unterschiedliche Sichtweisen und Meinungsverschiedenheiten zum Umgang mit dem Wolf“, sagte Andreas Herr am Ende der Beratung, „sind nicht das Problem. Wir müssen miteinander reden. Es geht um den Schutz der Menschen und der Wölfe. Vielleicht lässt sich dieses Ziel nur mit einem Kompromiss erreichen.“ Das Gutachten übergibt die Landkreisverwaltung Meißen der Landesdirektion Dresden, die das Verfahren zum Schadensersatz führt. PM Landratsamt Meißen

Teilnehmer:
Rolf Kotzur – Landesjagdverband
Wernher Gerhards – Mitglied des Kreisjagdverbandes Meißen
Norman Härtner – Mitglied des Kreisjagdverbandes Meißen
Andreas Herr – Beigeordneter des Landkreises und Dezernent für Technik
Katrin Berthold – Stellv. Amtsleiterin Umweltamt
Steffen Wesser – Sachgebietsleiter Untere Naturschutzbehörde
Torsten Peters – Wolfsbeauftragter des Landkreises Meißen
Dr. Kerstin Thöns – Pressesprecherin der Landkreisverwaltung Meißen

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