Waffengesetz: Strafe fürs Frühstücksäpfel-Messerchen

Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn sich zur Abwechslung mal Normalos in den Absurditäten des deutschen Waffenrechts verheddern. So wie es jetzt einem Personaldisponenten namens Uwe Scholz aus Girbirgsdorf in Sachsen widerfahren ist. Der Mann hatte, wie die Sächsische Zeitung schreibt, einen Trauerfall in der Familie erlitten und wollte sich beim Amtsgericht Görlitz über die Modalitäten der Nachlassregelung informieren. Der Wachmann im Foyer lässt Scholz vor dem Betreten seinen Arbeitsrucksack auspacken, das neben weiteren verdächtigen Gegenständen wie Brotbox, Thermosflasche und Taschentüchern ein Klappmesser mit einer 7,8 Zentimeter langen Klinge enthält. Das Verhängnis nahm seinen Lauf. Scholz’ Erklärung, er benutze das Messer zum Schneiden seiner Frühstücksäpfel, konnte ihn nicht vor Strafe bewahren.

Zunächst erklärte der Wachmann zwar, Scholz werde das Messer nach Verlassen des Gerichts zurück erhalten. Doch während sich der Besucher im Gerichtsgebäude aufhielt, sah sich ein Wachmann das Messer genauer an und bemerkte den kleinen Knubbel an der Klinge, den Öffnungspin, der es einem ermöglicht, das Messer mit einer Hand zu öffnen. Das ist praktisch, wenn man z.B. in der einen Hand schon den zu schälenden Frühstücksapfel oder einen Lauf des aufzubrechenden Stücks hält. Aber verboten – wenn man kein berechtigtes Interesse am Führen einer solchen Waffe hat. Seit 2008 steht das so im deutschen Waffengesetz. Das Messer wird eingezogen, Scholz muss eine Belehrung unterzeichnen und bekommt einen Bußgeldbescheid über 50 Euro wegen “Mitführens einer verbotenen Waffe” zugestellt.

In dem lesenswerten Beitrag in der Sächsischen Zeitung ist eingehend beschrieben, warum Frühstücksäpfel-Schneiden kein berechtigtes Interesse am Führen dieses harmlos scheinenden Gegenstands begründet und warum der Rucksack des  Delinquenten den Anforderungen an den gesetzlich geforderten Transport in einem verschlossenen Behältnis nicht entspricht. Leseempfehlung. SE

Beitragsbild: Einhandmesser, Foto: SE

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