Vor der eigenen Tür kehren…

Schon lange gibt es den wohlbegründeten Verdacht, dass nicht private Waffenbesitzer, sondern nicht-private – sprich: staatliche Waffenbesitzer – das möglicherweise größere Problem in Hinblick auf Schlamperei mit Schusswaffen darstellen. Wer genauere Auskünfte darüber bei den einschlägigen Statistikämtern begehrt, wird jedoch darüber “informiert”, dass es zu diesem Thema – wie viele Waffen, wie viel Munition bei Polizei, Bundesgrenzschutz und Bundeswehr abhanden kommen – leider keine statistischen Erhebungen oder sonstige aussagekräftigen Daten gibt. Genau so wenig, wie in der offiziellen Kriminalitätsstatistik bei Straftaten danach differenziert wird, ob sie mit legalen ober illegalen Waffen begangen wurden. So muss es bei Vermutungen bleiben.

Da ist es immerhin ein reizvolles Zusammentreffen, dass an dem Tag, da wir neue Waffenrechtsverschärfungen für private Legalwaffenbesitzer vermelden durften, gleich zwei peinliche Missgeschicke staatlicher Waffenbesitzer mediale Aufmerksamkeit erfahren: So ist einem Polizist bei einem Einsatz in einem Leipziger Plattenbauviertel eine Maschinenpistole abhanden gekommen, berichtet die Welt. Kann ja mal passieren. Die Polizei verspricht, jeden Stein umzudrehen, um die Waffe wiederzufinden. Na dann. Damit würde ein Jäger, der seinen Drilling auf dem Autodach vergessen hat, zwar vermutlich nicht davonkommen, aber das ist halt ganz was anderes.

Tja. Dann  wären da noch  die 1000 (!) Schuss Pistolenmunition im Kaliber 9 mm, die aus der Waffenkammer einer Wuppertaler Jugendhaftanstalt abhanden gekommen sind, wie RP online berichtet. Das Blatt zitiert einen “Insider” mit den Worten: “Sie sind weg. Niemand weiß bisher, wo sie abgeblieben sind, beziehungsweise wer sie genommen hat.” Das sei “ein ungeheuerlicher Vorgang, den es so noch nicht gegeben hat.” Zu der Waffenkammer haben nur Bedienstete Zutritt. Anscheinend hat Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) dann auch noch versucht, den peinlichen Vorfall zu vertuschen: Es sei alles versucht worden, dass der Fall nicht an die Öffentlichkeit kommt, erklärt der bereits zitierte Insider: “Im Justizministerium wurde das Thema nicht an die große Glocke gehängt” – ob ein Jäger oder Sportschütze bei einem so schwer wiegenden Verstoß gegen Aufbewahrungsvorschriften wohl auf so viel Entgegenkommen seitens der Behörden rechnen dürfte? SE

Beitragsbild: Aufgeräumt – Waffenschrank eines privaten Legalwaffenbesitzers. Foto: SE

JAWINA dankt JG für den Hinweis!

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