Vom Versuch, einen Wolf zu zähmen

Unter der Überschrift “Mein Vater hat versucht, einen Wolf zu zähmen”, berichtet Gavin Jenkins auf Vice über das exotische Haustier seines Vaters. Das Thema dieses Berichts, dieser Geschichte ist wohl eher die schwierige Beziehung des Autors zu seinem Vater, in der der Wolf irgend etwas dunkles symbolisiert, das vom “Alpha-Männchen” zu bezwingende Wilde, etwas Furchteinflößendes, an dem und mit dem trainiert werden kann, keine Angst zu zeigen. Die Geschichte scheint authentisch zu sein, jedenfalls legen das die Bilder nahe, mit denen der Beitrag illustriert ist und die Wolf “Dusty” mit dem vielleicht fünf Jahre alten Jenkins zeigen.

Die Zähmung der Bestie misslingt. Sie misslingt den Kindern, aber auch dem Vater, den der Wolf noch am ehesten akzeptiert und der täglich, ein Ritual, eine demonstrative Zuschaustellung von Furchtlosigkeit, mit dem Wolf in dessen Gehege “spielt”. Zuerst scheitert der Versuch, aus dem Wolf einen Schlittenhund zu machen: Der Wolf ist zwar stärker als alle Huskies, jagt aber lieber einem Vogel hinterher in den Wald, den Schlitten hinter sich her schleifend. Dann scheitert auch alles andere. Der Wolf beißt das Kind, zum Schluss auch den Vater. “Der Wolf machte mir Angst, aber gleichzeitig wollte ich, dass er mich liebt. Ungefähr so ließ sich damals auch die Beziehung zu meinem Vater beschreiben”, schreibt Gavin Jenkins. Es ist nicht besonders schwer, in der Beziehung von Vater und Sohn zu dem Raubtier im Vorgarten – das sie nicht verstehen, unbeabsichtigt quälen und schließlich töten müssen – Parallelen zu entdecken zu der verklärenden und romantischen Sicht naturferner Städter auf den Wolf in unseren Wäldern. Lesenswert! SE

Beitragsbild: Screenshot des Beitrags (Ausschnitt) auf vice, Copyright: vice.com

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