Verhungerte Pferde: Bauern protestieren gegen Nabu

Nach einer Großdemo in Kiel haben Landwirte einen Abstecher nach Neumünster unternommen, um vor der dortigen Nabu-Niederlassung gegen die katastrophalen Zustände in einem Nabu-Beweidungsprojekt zu protestieren, denen bislang sieben Konik-Pferde zum Opfer gefallen sind (JAWINA berichtete). Wie Boyens Medien berichten, luden die Bauern Heuballen vor dem Nabu-Sitz ab. Auf einem Plakat fragten sie den Nabu: “Können wir euch helfen? Wir wissen, was wir tun, wir haben das gelernt.” In einem Kommentar zum Thema auf der Internetseite von Boyens Medien heißt es dazu: “Der Nabu macht es sich zu leicht, wenn er sagt, er habe die Aufgaben rund um die Betreuung der Koniks delegiert. Er macht es sich zu leicht, wenn er sagt, beauftragte Tierhalter hätten sich vertraglich zur Betreuung verpflichtet und wären der Aufgabe nicht angemessen nachgekommen. Der Nabu ist Eigentümer der Pferde, fertig, aus. Somit ist der Nabu in letzter Instanz auch für das Wohlergehen der Tiere verantwortlich.”

Im NDR kritisiert ein Tierarzt, der einige der Nabu-Opfer untersucht hat, die Haltungsbedingungen der Pferde: Die Fläche, auf der die Tiere eingezäunt seien, biete Zuwenig Nahrung, da sei “kein Schilf und Nichts”, das einzige, was man dort habe, sei “Moos und Wasser”. Der Nabu hat laut NDR mittlerweile sein Bedauern darüber ausgesprochen, dass die Tiere unterernährt seien. Zuvor hatte der Nabu die Vorwürfe noch zurückgewiesen. Der NDR zitiert den Nabu-Landesvorsitzenden Hermann Schultz mit der Aussage, die Tiere seien “weder verwahrlost, noch verhungert”. Eines sei “an einem Herz-Kreislaufversagen gestorben, die anderen waren totgeborene Fohlen”. Das kommentiert der erwähnte Tierarzt trocken mit dem Hinweis: “Wenn man verhungert, dann stirbt man irgendwann an Herz und Kreislaufversagen – und nicht an Verstopfung.” Dass Totgeburten wahrscheinlicher werden, wenn die Stute unterernährt ist, leuchtet auch spontan ein.

Kommentar: Wie der Nabu versucht, sich seiner Verantwortung zu entziehen und nur unter dem Druck von Protesten und negativer Berichterstattung schließlich sein Bedauern ausspricht, ist in der Tat schwer erträglich. Da es nun wahrlich nicht das erste Mal ist, dass Nabu-Beweidungsprojekte derart aus dem Ruder laufen und Tiere leiden und verenden, ist zu fordern, dass alle laufenden und künftigen Projekte dieser Art sofort einer strengen Überprüfung unterzogen und im Zweifel sofort beendet werden.

Es gibt keine Rechtfertigung dafür, Hobby-Naturschützern im Nabu und anderen Vereinen dieses Schlages besondere Sachkompetenz zu unterstellen. Ideologie und Naturschwärmerei ersetzen nicht das zu fordernde Wissen über Tierhaltung und Bestandsmanagement. Diese Sachkenntnisse müssen nachgewiesen werden, die Umsetzung art- und tierschutzgerechter Haltung ist von zuständigen Amtstierärzten regelmäßig streng zu kontrollieren. Der Nabu hat jedes Recht auf einen Vertrauensvorschuss verspielt. SE

Beitragsbild: Pferd. Foto: SE

2 Gedanken zu „Verhungerte Pferde: Bauern protestieren gegen Nabu

  1. Hans Hinrich Hatje

    Es ist leider ja kein Einzelfall! Immer wieder ist es in den vergangenen Jahren vorgekommen, dass auf sogennannten Natuschutzflächen, die zum Beispiel der Stiftung Naturschutz gehören oder unter Aufsicht von Naturschutzverbänden wie NABU dort weidende Tiere Hunger leiden oder verenden. Uns Landwirten drohen sofort Strafen, wenn wir Tiere so vernachlässigen wie im einst fruchtbaren Speicherkoog. Es ist eine Schande, wie Teile unserer Kulturlandschaft, die von der Landwirtschaft über Jahrhunderte geprägt und bearbeitet wurden, unter “Obhut” sogenannter Naturschützer regelrecht verkommen. Von Artenvielfalt kann auf solchen Flächen ja auch keine Rede sein. Gerade Flächen der Stiftung Naturschutz sind oft heruntergekommen und werden trotzdem “gepriesen” als “Perle des Naturschutzes” (Habeck). Vielerorts kämpft man zum Beispiel gegen die schleichende Verseuchung durch das giftige Jakobskreuzkraut (JKK). Diese Problematik wurde von den Verantwortlichen durch unrealistische Richtwerte “heruntergespielt”. Diese Selbstherrlichkeit “kotzt” einen an!

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