Verbändegespräch zum Wolf

Jäger, Landwirte und Schafzüchter lehnen illegale Abschüsse strikt ab und suchen den konstruktiven Dialog mit dem NABU zum Umgang mit dem Wolf. Die Verbände legen einen Fragenkatalog vor: Zielkonflikte dürfen kein Tabu sein und müssen offen diskutiert werden.

Wie kann ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben von Mensch, Wolf und Nutztier in Deutschland funktionieren? Die Geschäftsführer des Deutschen Bauernverbandes (DBV), des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) treffen sich am 5. Dezember 2016 mit dem NABU-Geschäftsführer, um darüber zu diskutieren. Bereits im Vorfeld haben die drei Verbände illegale Abschüsse strikt abgelehnt.

Die drei Nutzerverbände unterstrichen ihre Bereitschaft zum konstruktiven Dialog. Im ersten Schritt müsse der NABU jedoch bestehende und sich anbahnende Zielkonflikte anerkennen, sonst könne es keine praxisrelevanten Lösungen geben.

Zur Vorbereitung des Verbändegesprächs haben DBV, DJV und VDL einen gemeinsamen Fragenkatalog entwickelt, um auf Zielkonflikte aufmerksam zu machen. Großflächige, extensive Beweidung ist beispielsweise ein wichtiges Instrument, um seltene Biotope in Deutschland vor der Verbuschung zu schützen. Dr. Elsa Nickel, Abteilungsleiterin Naturschutz im Bundesumweltministerium, untermauerte dies auf der NABU-Wolfstagung im September 2015: “Naturschutz ist ohne Wanderschäferei nicht denkbar.” Gleichzeitig ist jedoch eine wolfsichere Umzäunung der Naturschutzgebiete nahezu unmöglich. Das gilt ebenso für Deiche, die von Schafen beweidet werden und für eine Weidehaltung von Nutztieren generell.

Um beispielsweise im Landkreis Cuxhaven nach den jüngsten Übergriffen auf Rinder in einem 50-Kilometer-Radius Grünland wolfssicher zu machen, müssten 180.000 Hektar gezäunt werden. Das entspricht einem finanziellen Aufwand von etwa 268 Millionen Euro. Die drohende Verdrahtung der Landschaft schafft zudem Barrieren für viele Tierarten und verhindert den genetischen Austausch. Dies würde dem Bundesprogramm Wiedervernetzung komplett widersprechen, für das DJV, NABU und weitere Naturschutzverbände jahrelang gekämpft haben: Wissenschaftler haben im Vorfeld über 30.000 Konfliktstellen mit dem Straßennetz ermittelt, die entschärft werden müssen.

DBV, DJV und VDL weisen zudem darauf hin, dass “Vergrämung” für verhaltensauffällige Wölfe zwar immer als Lösung genannt werde, eine praktische Umsetzung aber bisher nicht funktioniert habe. Sollte der Wolf durch bewusste oder zufällige Fütterung in die Nähe des Menschen gelockt werden, besteht das Risiko, dass Wölfe zu Kulturfolgern werden. Dies gelte es unbedingt zu vermeiden. PM

Beitragsbild: Jäger, Landwirte und Schafzüchter lehnen illegale Abschüsse strikt ab und suchen den konstruktiven Dialog mit dem NABU zum Umgang mit dem Wolf. (Quelle: Rolfes/DJV)

5 Gedanken zu „Verbändegespräch zum Wolf

  1. MH

    Werden unsere Gesetzte nicht von Bund und Ländern gemacht? Ist da nicht geregelt, wie mit Wild-(tier)-Arten umzugehen ist? Jetzt sprechen Betroffene mit dem NABU, als ob der zu entscheiden hätte, wie weiter zu verfahren ist?! O weh…

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    1. Heinz Jacoby

      Die NABU haben aber Einfluss. Beim Thema Wolf ist das nicht ganz so einfach wie bei Wild. Der steht unter Arzenschutz nach Washingtoner Arzenschutzabkommen.Es muß im Monitoring geregelt sein. Und das ist Ländersache. Und ob es dort überhaupt ein Monitoring gibt, ist mir nicht bekannt.

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  2. Joachim Ernst

    Ich stelle mir gerne Folgendes vor:
    In einer Straße gibt es Parkverbot. Ein Anwohner tut sich über einige Jahre dadurch hervor, dass er immer am Fenster hängt, Autofahrer belehrt und jeden anzeigt, der falsch parkt. Eines Tages sollen neue Parkregeln für die Straße erlassen werden. Und was passiert? Der Anwohner, der immer alle belehrt und anzeigt, wird gefragt, ob er den neuen Parkregeln zustimmt….

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  3. Heinz Jacoby

    268 Millionen Euro würde ein Zaun kosten. Dafür könnte man jahrelang Ranger einstellen,die auffällige Tiere vergrämen oder entnehmen.
    Illegaler Abschuss ist keine Alternative! Man sollte versuchen die Wölfe zu vergrämen.

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  4. Grimbart

    Man kommt am Nabu als maßgeblicher NGO leider nicht vorbei. Die haben die Deutungshoheit in vielen Bereichen erlangt und beraten viele Politiker. Damit führen sie deren Hand beim Verfassen irgendwelcher Richtlinien. Mal sehen, was bei den Gesprächen herauskommt. Es ist allemal besser miteinander zu reden, als nur Totalopposition zu betreiben. Dafür hat die Jägerschaft viel zu wenig Einfluss in unserer Gesellschaft.

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