Veganes Glockenspiel: Brief an den Bürgermeister

Ein erster – prominenter – JAWINA-Leser hat unsere Anregung umgesetzt, an den Bürgermeister von Limburg wegen des von ihm auf Wunsch einer Veganerin zensierten Glockenspiels eine freundliche Anfrage zu richten. Im folgenden geben wir den Brief von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel an Dr. Marius Hahn im Wortlaut wieder (und warten gespannt auf die Antwort von Bürgermeister Dr. Hahn…):

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

auf der Internetseite www.jawina.de habe ich einen Beitrag mit Datum 9. Februar 2017 gelesen. Dort heißt es, Sie hätten auf die Bitte einer Veganerin das alte Kinderlied „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ aus dem Glockenspiel des Rathausturms (zumindest zeitweise) verbannt. Wäre die Notiz am 1. April erschienen, hätte ich sie für einen gelungenen Aprilscherz gehalten. Obwohl Jawina bisher stets nur Wahrheiten verbreitet hat, möchte ich Sie dennoch zunächst fragen, ob die Sache sich tatsächlich so zugetragen hat. Den nachfolgenden Kommentar gebe ich nur für den Fall ab, dass Jawina die Wahrheit berichtet hat.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, wäre es nicht unhöflich, würde ich Sie fragen, ob Sie noch bei Trost sind und ob Sie sich mit aller Gewalt lächerlich machen wollen. Zunächst drei Feststellungen:

1. Der Mensch ist von Natur aus omnivor, also Allesfresser, wie wir Zoologen sagen. Vegetari-er oder Veganer sind selbstverständlich frei, sich nach eigenem Gusto zu ernähren. Natür-lich im wahrsten Wortsinn ist das aber nicht, da hilft auch keine Tofu“wurst“, und zumindest Veganern attestiert die Medizin ihre Mangelernährung. Und selbstverständlich haben we-der Vegetarier noch Veganer das geringste Recht und keinerlei Veranlassung, den Men-schen, die sich natürlich ernähren, also auch Fleisch oder Milch konsumieren und sich in Leder oder Pelze kleiden, das zum Vorwurf zu machen.

2. Wer natürlicherweise Fleisch isst, muss als unabweisliche Folge akzeptieren, dass jemand das Tier tötet, dessen Fleisch gegessen werden soll. Weder Vegetarier noch Veganer haben das geringste Recht und keinerlei Veranlassung, diejenigen schief anzusehen, die Fleisch konsumieren und zuvor die Fleischlieferanten schlachten.

3. Der Fuchs (Vulpes vulpes) ist Bestandteil unserer heimischen Fauna und in allen Jagdgeset-zen (Bund und Länder) als jagdbares Wild mit Jagdzeit eingestuft, auch in ihrem Bundesland Hessen, wo allerdings eine grüne Ministerin ihm im übertragenen Sinn am liebsten eine Na-turschutzplakette umhängen möchte. Der Fuchs hat als Generalist, man kann auch sagen als Gewinner der Kulturlandschaft, erheblichen Anteil am Niedergang vieler Arten, die mit der Kulturlandschaft nicht gut zurecht kommen. Ich nenne bespielhaft nur bodenbrütende Vögel der Offenlandschaft. Die letzten Großtrappen (Otis tarda) in Deutschland, die nicht weit von meinem Heimatort in den Belziger Landschaftswiesen (Brandenburg) unter hohem finanziellen und personellen Aufwand wie ein Augapfel gehütet werden, gäbe es ohne schärfste Bejagung des Fuchses und anderer Prädatoren sicher nicht mehr. Das wird auch kein nicht-jagender Naturschützer bestreiten, wenn er weiter ernst genommen werden will. Insofern ist die Erlegung des Fuchse auch dann geboten, wenn er nicht als Gänsedieb auf dem Bauernhof in Erscheinung tritt. Im letzten Jagdjahr (2015/16) wurden in Deutschland 466384 Füchse erlegt, davon in Hessen 38024 Stück. Ich überlasse es Ihrer Fantasie, einmal abzuschätzen, was es für die heimische Fauna bedeutet hätte, wenn diese Füchse nicht erlegt worden wären. Ich empfehle in diesem Zusammenhang einen Blick in die Jagdstatistik, die gerade für Hessen auch unglaubliche Steigerungen der Abschüsse des Waschbärs (Procyon lotor) ausweist (2001/02: 8642 Stück – 2015/16: 27769 Stück), der eine weitere ernsthafte Bedrohung des Niederwildes und der Avifauna darstellt.
Der Waschbär als invasive Art aus Nordamerika ist allerdings insofern bei uns unterprivilegiert, als es meines Wissens kein Kinderlied über ihn gibt. Vielleicht kann die besagte Veganerin ja eines komponieren?! Im Ernst, welcher Teufel hat Sie geritten, den Spleen einer absoluten Randgruppe ernst zu nehmen? Merken Sie nicht, wie sich solche Gruppen, meist rekrutiert aus urbanisierter und naturentfremdeter Bevölkerung immer stärker als Ökodiktatoren aufspielen, die die Menschen auf dem Land, die den verbliebenen Rest von Natur und natürliche Zusammenhänge aus eigener An-schauung kennen, zwangsbeglücken wollen?

Falls sich die Sache tatsächlich so zugetragen hat, wie Jawina berichtet, werde ich Ihnen diesen Brief auch als offenen Brief zustellen.

In der Hoffnung, es handelt sich um einen verfrühten Aprilscherz verbleibe ich mit freundlichem Gruß

Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Beitragsbild: Kopf des Briefs von Prof. Dr. Pfannenstiel an Dr. Hahn.

3 Gedanken zu „Veganes Glockenspiel: Brief an den Bürgermeister

  1. R.M.

    Falls das den Tatsachen entspricht, hat sich der Bürgermeister von Limburg zu einer Witzfigur gemacht. Ich esse aber genau wie die Mehrheit der Deutschen Fleisch ( auch Freitags ) und daran werden auch keine Veganer oder eine Grüne Politikerin etwas ändern. Man muss doch schon einen gehörigen Schaden haben, wenn man ein Kinderlied “verbannen” will. Wann sind denn die Märchen dran? Liebe Eltern gibt Eure Kommentare ab!

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  2. Grimbart

    Ne, ist leider kein Aprilscherz. Steht sogar in unserem Käseblatt in Niedersachsen auf der Titelseite, dort wo immer die kuriosen Meldungen auftauchen.
    Political Correctness treibt schon seltsame Blüten. Der Bürgermeister hat lieber dieses alte Kinderlied entfernt, als sich auf eine Diskussion mit einer Vertreterin einer absoluten Minderheit einzulassen. Der hat scheinbar keine E… in der Hose.

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  3. Strehl, Dr. P.

    Man sollte einen oder beide der Beteiligten auf Ihren Geisteszustand untersuchen lassen.
    Haben die schon mal Computerspiele gesehen, wo Kinder Menschen und Tiere abknallen und, haben sie dagegen irgend etwas unternommen.
    Was sagen die beiden denn zu Böhmermanns “Ziegenficker” und, haben sie etwas dagegen unternommen. Wie sollen Eltern das pubertären Kindern erklären.

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