USA: Giftköder gegen Wildschweine

Seit einigen Jahren laufen in Australien und den USA Versuche, die gravierende Schäden verursachende Wildschweinplage (wobei es sich bei den sogenannten feral pigs um verwilderte Hausschweine oder Kreizungen von Haus- und Wildschweinen handelt) durch Ausbringen von Giftködern in den Griff zu bekommen. Jetzt beginnt im Rahmen eines vom US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture, USDA) verantworteten Programms in Alabama und Texas die praktische Erprobung eines Präparats auf Basis von Natriumnitrat. Natriumnitrat wird als Pökelsalz zur Konservierung und Umrötung von Fleischerzeugnissen wie zum Beispiel Schinken eingesetzt. Das für Menschen ungefährliche Natriumnitrat bewirkt im Organismus von Schweinen, dass der Sauerstofftransport durch die roten Blutkörperchen in die Körpergewebe und Organe nicht mehr funktioniert, weil der den Sauerstofftransport bewerkstelligende Blutfarbstoff Hämoglobin in das funktionsunfähige Methämoglobin umgesetzt (oxidiert) wird. Im Gegensatz zu Menschen verfügen Schweine nur über eine geringe Konzentrationen des Enzyms Methämoglobobin-Reduktase, durch das Methämoglobin wieder zu Hämoglobin reduziert wird. Deshalb ist Natriumnitrat für Schweine hochgiftig, für Menschen nicht. Die durch das Natriumnitrat bei Schweinen verursachte Methämoglobinämie führt innerhalb von zweieinhalb bis drei Stunden zum Tod. Die Schweine werden müde und verlieren das Bewusstsein, bevor der Tod eintritt. Die Wirkung wird mit der einer Kohlenmonoxid- oder Kohlendioxid-Vergiftung (letztere wird im Schlachthäusern zur Betäubung eingesetzt) verglichen und gilt als human und tierschutzgerecht.

Die auf sechs Millionen Tiere in 35 US-Bundesstaaten geschätzte Population von verwilderten Schweinen richtet allein an landwirtschaftlichen Erzeugnissen einen Schaden von ca. 190 Millionen US-Dollar pro Jahr an. Die Bekämpfung der Schweine mit Fallen, aus der Luft und durch reguläre Bejagung habe die Schweine zwar gebietsweise effektiv reduziert, erklärt das USDA in einer aktuellen Broschüre zum Start der Giftköder-Aktion, es sei jedoch notwendig, mindestens 70 Prozent der Population pro Jahr abzuschöpfen, wenn ein Anwachsen der Population verhindert werden solle.

Das Natriumnitrat wird in den Ködern eingekapselt, eine Hülle aus Erdnusspaste überdeckt Geruch und Geschmack des Wirkstoffs. Da der größte Teil des Natriumnitrats von den Schweinen nach der Einnahme verstoffwechselt werde, bestehe keine Gefahr für Aasfresser, die von den Schweinekadavern fressen. Die Gefahr, dass Jäger Schweine erlegen, die zuvor die Köder aufgenommen haben, wird vom USDA als gering angesehen, da die Schweine kurze Zeit nach der Aufnahme müde werden und sterben, zudem werde das Natriumnitrat, wie gesagt, verstoffwechselt. Es sei überdies leicht zu erkennen, dass ein Schwein Natriumnitrat aufgenommen habe, weil dessen Blut ungewöhnlich dickflüssig und von schokoladenbrauner Farbe sei, so das USDA.

Im Fleisch von Schweinen, die mit Natriumnitrat getötet wurden, seien nur geringe Mengen Nitrat nachweisbar. Die Bewertung des Risikos für die menschliche Gesundheit sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Magen und Verdauungstrakt der betroffenen Schweine sollten aber in jedem Fall entsorgt werden.

Die Feldversuche mit den Natriumnitrat-Ködern beginnen Anfang 2018, die Zulassung der Giftköder wird für 2020 bis 2021 angestrebt. Sollte eine Zulassung erfolgen, werden die Giftköder nur an Anwender ausgegeben, die vom Wildtier-Dienst der USDA (Animal and Plant Health Inspection Service, APHIS) zertifiziert sind. SE

Beitragsbild: Titel der verlinkten USDA-Broschüre mit FAQs zum Giftköder-Einsatz. (Screenshot)

Weitere Informationen:

https://www.aphis.usda.gov/wildlife_damage/nwrc/publications/12pubs/fagerstone121.pdf

 

7 Gedanken zu „USA: Giftköder gegen Wildschweine

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    So etwas könnte uns auch drohen, wenn wir nicht im Zeichen der herannahenden Afrikanischen Schweinepest endlich beherzt in unsere Sauenbestände eingreifen!

    Antworten
  2. Jan Walter Hammer

    Wenn die Methode wie beschrieben funktioniert, ist sie erste Wahl. Nicht schön, aber sehr effektiv. Genau das brauchen wir.

    Antworten
  3. ahe

    Beherzt = Effektivität?

    Dann soll die Politik schnellstens die Rahmenbedingungen (Waffengesetz!) schaffen und die Jägerschaft in dieser Notsituationen für einige Zeit die „Tradition“ hinten anstellen.
    Dann geht was.

    Antworten
  4. ronbi

    Vergiften gefällt mir bereits bei Ratten nicht.
    Ich bleibe dabei – Schalldämpfer, Restlichtverstärker, Laserzielpunktgerät.
    Die Einfachausführung – Schalldämpfer und LED-Lampe am Gewehr.
    Und Übernahme von Untersuchungsgebühren vom Staat.

    Abgesehen davon, ein Seuchenzug und es gibt keine Wildschweine mehr.

    Antworten
  5. J.Körner

    Sehr geehrter Herr Pfannenstiel.

    wohin deutlich erhöhte Schwarzwildstrecken führen kann man derzeit in Mecklenburg-Vorpommern erfahren.
    Da eine verbesserte, oder überhaupt, Vermarktungsstrategie fehlt werden wohl große Teile der Strecken in die Tierkörperbeseitigung antreten. Die Berichte über Wild-„Gammelfleisch“ eines großen Discounters haben ein Übriges zum Verzicht interessierter Verbraucher auf Wildfleisch eingeläutet. Die Vermarktung von rauschigem oder brunftigem Wildfleisch haben die Nachfrage bei Teilen der Bevölkerung auch gegen Null tendieren lassen. Das zu korrigieren ist schon schwer genug.
    Und jetzt soll die Jägerschaft die gemachten Fehler ausbügeln und dann noch als Schädlingsbekämpfer und in der Seuchenprävention tätig werden?

    Fazit: Ohne sinnvolle Vermarktungsmöglichkeit der anfallenden Strecke werde ich mich nicht an so einer Hatz beteiligen. Auch nicht durch die Abschussprämie von € 20.00 oder mehr werde ich möglicherweise führende Bachen erlegen! Das dürfen dann gerne die Wölfe erledigen…

    Antworten
    1. Jens Schnell

      Das Wild-Gammelfleisch aus dem Discounter, war zum Teil Fleisch von sogenannten “Wildschweinen” aus den USA. Wenn wir es hier nicht fertig kriegen, Wildschweine aus Mecklenburg bundesweit zu verkaufen, sollten wir uns vielleicht an die eigene Nase fassen? Soviel Unfähigkeit ist ja schlichtweg nicht zu fassen. Ist ja nicht so, als gäbe es diese SW Bestände erst seit gestern und wir wären total überrascht worden von diesen Zuständen.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.