USA: Bauern-Doublette mit 101

Wenige Tage nach ihrem 101. Geburtstag saß Bertha Vickers aus Morgantown, Mississippi, in einem Unterstand an, den Verwandte für sie gebaut hatten. Nachdem es zuvor ein paar Probleme gegeben hatte – erst mit ihrem eigenen Gewehr in .243 Win., dann mit dem ersatzweise geliehenen in 7mm 08, das sie nicht spannen konnte – hoffte sie, dass es diesmal klappen würde. Tatsächlich kam bald der erste Weißwedelhirsch in Anblick, doch Bertha Vickers entschied, lieber auf einen stärkeren zu warten. Wenig später kam ein starkes Tier in Anblick, sie schoss. Kurz darauf erschienen zwei weitere Hirsche, verhofften genau hintereinander: “Ich habe sauber durch beide durchgeschossen”, berichtet die Seniorin dem Clarion Ledger. “Die haben keinen Schritt mehr gemacht.” Ein “monumentaler Jagderfolg”, bemerkt die Zeitung: Es sei ihre erste erfolgreiche Hirschjagd im Alter von 101 und das erste Mal überhaupt, dass sie zwei Stücke mit einer Kugel erlegte.

Die Jagd war für Bertha Vickers damit noch nicht zu Ende: Sie half beim Aufbrechen, das Fleisch teilte sie mit ihrer zahlreichen Verwandtschaft. “Ich habe Steaks geschnitten, aber das meiste davon meinen Enkeln gegeben. Ich brauche ja nicht mehr viel.” Bertha Vickers wurde am 9. Januar 1918 geboren – Woodrow Wilson leistete gerade seine zweite Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten ab, der Erste Weltkrieg würde bald enden und wer sich ein Auto leisten konnte, fuhr in der Regel ein Ford Model T, wie der Clarion Ledger einordnet. Vickers mäht ihren Rasen selbst, besorgt ihren Haushalt, kocht und zieht ihr eigenes Gemüse. Gejagt und geangelt hat sie fast ihr ganzes Leben lang.

Kurz vor ihrem 100. Geburtstag hatte sie auch schon einen Weißwedel gestreckt – und der Clarion Ledger hatte darüber berichtet. “Ich weiß gar nicht, was die Aufregung soll”, hatte sie damals erklärt, “Wenn es wenigstens ein dicker Hirsch gewesen wäre – aber es war doch nur ein Tier.” Bei der Jagd geht es ihr nicht mehr darum, die Fleischvorräte aufzufüllen, wie früher, als die Zeiten schlecht waren und die Kinder satt werden mussten. Es geht ihr um Erinnerungen und um die Freude an der Sache. Deshalb werde sie auch weiterhin zur Jagd gehen.

“Wenn man so alt ist wie ich, denkt man natürlich immer, es könnte dein letzter Hirsch sein. Aber ich werde jagen gehen, solange ich kann. Ich mag es einfach, ich liebe es, draußen zu sein.” SE

Beitragsbild: Headline des zitierten Beitrags im Clarion Ledger (Screenshot), wo es auch Fotos der erfolgreichen Jagd zu sehen gibt.

6 Gedanken zu „USA: Bauern-Doublette mit 101

  1. Grimbart

    Respekt vor dem hohen Lebensalter. Das in den USA andere Ansprüche an die Waidgerechtigkeit gestellt werden ist ja hinlänglich bekannt. Zwei Tiere mit einem Schuss zu erlegen sollte zumindest auf dieser Seite des Atlantiks nicht positiv bewertet werden.

    Antworten
  2. Ronbi

    Warum nicht positiv bewerten? Wenn beide Tiere sauber erlegt werden und es keine Nachsuche gibt.
    Wie oft wird in Good Old Europe, “sauber” geschossen und eine ellenlange Nachsuche produziert.

    Antworten
  3. Jan Schöne

    Als Schusswaffenunkundiger bin ich beeindruckt von der Physik dieses Sachverhaltes. Weiß man etwas über die Schussentfernung und den Stand der Tiere zueinander und zur Schützin? Danke

    Antworten
    1. Thomas Kammer

      Hans, woher wissen Sie, was sich in anderen Köpfen abspielt ?
      Wir Jäger haben keine Freude am Töten von Tieren, sondern Freude an der Jagd!
      Und wenn die Jagd erfolgreich ist, wird dabei ein Tier erlegt!
      Zitat:” Wir jagen nicht, um zu töten, sondern wir töten, um zu jagen!”
      Ein riesengroßer Unterschied!

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.