Urteil: Befriedung – aber pronto

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Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) zum zeitlichen Beginn einer jagdrechtlichen „Befriedung“

Die jagdrechtliche Befriedung – also das Ruhen der Jagd – aus ethischen Gründen kann der Grundstückseigentümer zum Ende des bei Antragstellung laufenden Jagdpachtvertrags verlangen. Entscheidet die Behörde erst in der Laufzeit eines neuen Jagdpachtvertrags, ist die Befriedung zum Ende des Jagdjahres anzuordnen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden.

Der Kläger ist Tierarzt; er betreibt mit seiner Ehefrau einen „Gnadenhof“, in dem über Tierschutzorganisationen vermittelte oder aus seiner Praxis stammende Pferde, Hunde und Katzen aufgenommen werden. Er lehnt die Jagdausübung aus ethischen Gründen ab. Im Februar 2015 beantragte er die Befriedung einer zwar in seinem Eigentum stehenden, aber zu einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk gehörenden Grundfläche. Die Jagdgenossenschaft hatte die Ausübung des Jagdrechts an einen Dritten verpachtet; der Pachtvertrag endete zum 31. März 2015. Noch bevor die Jagdbehörde den Befriedungsantrag an die Jagdgenossenschaft und den Jagdpächter übersandt hatte, verlängerten diese den Pachtvertrag um weitere neun Jahre. Den Befriedungsantrag lehnte der Kreis Olpe im Oktober 2015 ab. Der Kläger habe ethische Gründe für die Ablehnung der Jagdausübung nicht glaubhaft gemacht; im Übrigen stünden einer Befriedung der betroffenen Grundfläche öffentliche Belange entgegen. Im verwaltungsgerichtlichen Klageverfahren ist der beklagte Kreis verpflichtet worden, die Grundfläche mit Wirkung vom 1. April 2024, dem Ende des verlängerten Jagdpachtvertrags, zu einem befriedeten Bezirk zu erklären. Das vom Gesetzgeber als Regelfall angeordnete Abwarten des Ablaufs des Jagdpachtvertrags sei dem Kläger zumutbar.

Auf die Revision des Klägers hat das Bundesverwaltungsgericht das Berufungsurteil geändert und den beklagten Kreis verpflichtet, die Fläche mit sofortiger Wirkung zu befrieden. Nach dem Bundesjagdgesetz soll die Befriedung mit Wirkung zum Ende des Jagdpachtvertrags angeordnet werden; unter den im Gesetz genannten Voraussetzungen kann die Behörde einen früheren Zeitpunkt bestimmen, der jedoch nicht vor dem Ende des Jagdjahres liegt (§ 6a Abs. 2 Satz 1 und 2 BJagdG). Das Jagdjahr beginnt am 1. April und endet am 31. März. Maßgeblicher Bezugspunkt für das Wirksamwerden der Befriedung ist nicht der im Zeitpunkt der behördlichen Entscheidung, sondern der im Zeitpunkt der Antragstellung laufende Pachtvertrag. Entscheidet die Behörde erst während des Laufs des neuen Pachtvertrags über den Antrag, ist die Befriedung mit Wirkung ab Beendigung des laufenden Jagdjahres anzuordnen. Der Kreis Olpe hätte daher die Fläche bereits mit Wirkung ab 1. April 2016 befrieden müssen. Im Hinblick hierauf ist er nunmehr zu verpflichten, die Fläche mit sofortiger Wirkung zu befrieden.

BVerwG 3 C 1.19 – Urteil vom 18. Juni 2020

Vorinstanzen:

OVG Münster, 16 A 1834/16 – Urteil vom 13. Dezember 2018 –

VG Arnsberg, 8 K 3730/15 – Urteil vom 08. August 2016 –

Beitragsbild: Jagd (Symbolbild). Foto: SE

5 Gedanken zu „Urteil: Befriedung – aber pronto

  1. Ralf

    Na toll. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass kein Wildschaden geltend gemacht werden kann, oder? Also wenn die Sauen die Wiese komplett umdrehen, dann kann einem das egal sein.

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    1. Jäger aus Walhall

      Ich würde den Jagddruck so gestalten, dass er am Ende nach einer Bejagung seiner Fläche bettelt.
      Ich kenne da einen Bauern, welcher nicht dulden wollte, dass Jäger einen Feldweg nutzen, welcher direkt an seinem Hof vorbei führt. Als er ein massives Prädatorenproblem bekommen hat, war das kein Thema mehr. Manche erkennen den Sinn der Jagd erst, wenn es sie selbst betrifft.

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  2. Günther Schubert, Dresden

    Ralf, das ist eine bemerkenswerte Frage. Das steht nämlich so im Gesetz. Wussten Sie das nicht? Das sollten Sie aber. Als Jagdscheininhaber sollten Sie die einschlägigen Gesetze kennen. Ist auch bei der Jägerprüfung relevant.

    Viel interessanter ist doch die zeitliche Abfolge. Da wird im Februar ein Antrag auf Befriedung einer Grundfläche gestellt. Somit auch zeitig genug für die angestrebte Rechtsfolge. Und im Wissen um die anstehende Verlängerung des Pachtvertrages lässt der Sachbearbeiter der uJB den Antrag erst mal liegen und hört die Betroffenen erst danach an. Hier kann man durchaus Vorsatz unterstellen, denn der Sachbearbeiter der uJB hat natürlich die Übersicht über alle Pachtverträge in seinem Zuständigkeitsbereich. Seine Absicht, die Befriedung hinauszuzögern, ist somit ziemlich nach hinten los gegangen, dafür waren aber die Gerichte wieder auf Kosten des Steuerzahlers beschäftigt. Na denn.

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    1. Ralf

      “Ralf, das ist eine bemerkenswerte Frage. Das steht nämlich so im Gesetz. Wussten Sie das nicht? Das sollten Sie aber. Als Jagdscheininhaber sollten Sie die einschlägigen Gesetze kennen. Ist auch bei der Jägerprüfung relevant.”

      Das war eine rhetorische Frage- aber egal…

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