Update: Helden sterben nicht im Bett

Der elfjährige Dachsbrackenrüde Loisl, vierbeiniger Held des Jawina-Beitrags “Jagen mit Dachsbracken: Use enough dog!” ist bei einer Jagd in Sachsen schwer geschlagen worden – obwohl der Hund bei dem Einsatz eine Schutzweste trug.

2013-11-16 12.04.52

Schweißig: Loisls Schutzweste.
Fotos: MM

Die Waffen des Keiler drangen – beidseitig auch noch! – in die Öffnungen für die Vorderläufe ein und brachten dem Rüden zwei lange und ziemlich tiefe Schnittverletzungen bei. “Irgendwo müssen die Beine halt rauskommen”, kommentierte der Schutzwestenhersteller den Vorfall. Auf der Jagd war es auch Hundeführern strikt untersagt, Standlaut gebenden Hunden zu Hilfe zu eilen – was unter Sicherheitsaspekten auf großen Jagden mit vielen Teilnehmern eine durchaus sinnvolle Ansage sein mag. In diesem Fall führte es offenbar dazu, dass dem stellenden Hund irgendwann der Geduldsfaden riss und er sich auf den Bassen stürzte. Was dabei herauskam, ist auf den Bildern zu sehen.

Für Loisls Besitzer war natürlich Jagd vorbei, als sich der angeschlagene Recke zurück zum Stand schleppte. Abbaumen und Eiltransport zum Tierarzt waren angesagt, der Hund wurde mit zahlreichen Stichen bzw. Klammern wieder zusammengeflickt.

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Reißverschluss. Foto: MM

 

Am Tag darauf ging es dem Rüden schon wieder ganz gut.

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Körbchen. Foto: MM

Für Loisls Besitzer stellt sich nun die Frage, wie er den alternden Helden noch einsetzen soll. Von der Jagd freistellen und in Ruhe auf dem Hof alt werden lassen? Das wäre wahrscheinlich das Schlimmste, was man dem Viech antun könnte. Nur noch Nachsuchen und zwar nur noch auf Rehwild? Man wird sehen. Jawina wünscht jedenfalls gute Besserung.

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Fotos: MM

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5 Gedanken zu „Update: Helden sterben nicht im Bett

  1. Gunnar Horack

    Hallo Loisl´s Hundeführer,

    schlimme Sache… wünsche natürlich beste Genesung! Frage mich allerdings, warum Du überhaupt mit Deinem Hund an einer Jagd teilnimmst, auf der es “strikt untersagt” wird, die Hunde zu unterstützen ?! Mit Umfang der Jagd und Teilnehmerzahl kann doch so eine Ansage nicht gerechtfertigt werden.
    Gruß Gunnar

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    1. MM

      Hallo Gunnar, ich war das erste Mal bei dieser Jagd dabei und hatte mir auch vorher trotz der Ansage, schon das o.k. meines Anstellers geholt angehen zu dürfen. Ich muss auch dazu sagen, das diese Jagd von Anfang bis Ende sehr gut organisiert war. Ehrlich gesagt habe ich auch nicht so schnell mit der Verletzung gerechnet, da der Loisl 11 Jahre ohne Weste auskam.

      Zur Chronlogie der Verletzung (anhand der Anrufliste des Handys nachvollzogen):
      Erster Standlaut war ca. 10:26 Uhr.
      Nachdem ich mir nochmals telefonisch 10:28 Uhr das o.k. meines Anstellers angehen zu dürfen geholt hatte, ging ich laut (entgegen meiner Art im heimischen Revier) den Standlaut an. Daraufhin bewegte sich der Bail ca. 50 m. Ich also wieder zurück auf den Sitz. Mittlerweile war meine Hündin auch dabei.
      Es folgte ein ständiger Wechsel zwischen Stand- und Hetzlaut. Bis ca. 10:35 Uhr wieder der Standlaut an einer Stelle war und als ich noch am Überlegen war gehste oder gehste nicht (wollte mir auch nicht nachsagen lassen ich führe da eine Private Jagd durch und missachte beim ersten tiefem Laut alle Ansagen) war Standlaut zu Ende und kurz darauf kam er angehumpelt. 10:38 Anruf beim Ansteller, dass ich die Jagd verlassen werde 10:40 Anruf beim Tierarzt. 10:56 war der Loisl auf dem OP Tisch.
      Ich will damit nur dokumentieren, dass es sehr schnell ging und ich als fremder Hundeführer auch nicht großartige Extrawürstchen für mich einfordern wollte. Im Nachhinein war das natürlich Mist. Es gibt aber leider auch genug Negativbeispiele wo Standschnaller den ganzen Jagdtag zu einem großen Spaziergang nutzen mit der Begründung der Hund hätte in einem Kilometer Entfernung eine kranke Sau gestellt, dabei war es nur ein Reh und das war nicht krank sondern tot und der Hund hat es nicht gestellt sondern gefressen….

      von daher daher stellt sich für mich eher die Frage, wenn mein Hund an einem Bail keine zwei Minuten Standlaut geben kann ohne frontal zu attackieren, ob er für die Schwarzwildjagd noch geeignet ist

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    2. admin Beitragsautor

      Hallo Gunnar,

      ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich Deinen Kommentar freischalten soll, weil mir der implizite Vorwurf (bist ja selber Schuld, dass Deinem Hund sowas passiert, wenn Du auf solche Jagden gehst…) missfällt. Das soll hier ja keine weitere Forums-Seite werden, wo einer eine Sachfrage stellt und die Leute spätestens nach dem dritten Post anfangen, sich die Köppe einzuschlagen. Andererseits dachte ich mir, dass noch andere Leser sich ähnliche Fragen zum Thema “Ist das strikte Verbot des Angehens nun angebracht oder nicht?” stellen würden.

      Was auf einer Jagd z.B. in puncto Standlaut-angehen gilt, erfährt man üblicherweise bei der Ansprache des Jagdleiters. Ich glaube nicht, dass irgendjemand, der ein paar hundert Kilometer abgerissen hat, um an einer Jagd teilzunehmen, seine Hunde einpackt und geht, weil ihm ein Detail bei der Freigabe oder so nicht passt. Ich kenne niemanden, der seine Hunde leichtfertig aufs Spiel setzt – und in dem Fall hier, war das ganz bestimmt nicht der Fall (Schutzweste, erfahrener Hund und Führer etc.). Ich glaube, der Jagd und den Jägern insgesamt wäre mehr gedient, wenn wir alle uns bemühten, mehr Verständnis für unterschiedliche Auffassungen aufzubringen und weniger Mühe auf den Nachweis verwenden würden, dass hinter jedem Missgeschick eines anderen ein ihm anzulastender Fehler steckt. Amen, äh Admin, meine ich.

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  2. Gunnar Horack

    Hallo MM & admin,
    ich kann mich nicht ganz vom vorwurf des admin freisprechen, das meine o. g. frage gleichzeitig nicht auch ein vorwurf sei… allerdings war der eher auf die art von jagdleiter gerichtet, die solche ansagen machen und damit meiner ansicht nach hunde gefährden und hundeführern fast schon pauschal die absicht unterstellen, privatjagden abzuhalten, anstatt ihnen dankbar für jewede unterstützung zu sein. an mm´s kommentar sieht man doch auch, das ihm als erfahrenem hundeführer selbst der verdacht auch kommt, jemand könnte auf diese idee kommen.
    zu meiner verteidigung möchte ich noch anführen, im eigenen umfeld gibt es leider genug jagdleiter, die genau wegen dieser blöden unterstellung nur allzu oft auf wirkungsvolle stöberhundeeinsätze verzichten, obwohl es dringend nötig wäre.
    die frage nach der jagdteilnahme an loisl´s führer kam mir übrigens auch deshalb, weil ich beim lesen seines artikels ebena auch den eindruck gewann, hier berichtet einer, der weiß, was er tut.
    na sei´s drum, wenn ich jemandem unrecht tat, dann verzeihe er mir bitte, ich werde zukünftig aufmerksamer formulieren und versuchen untertöne zu unterlassen.
    Gruß Gunnar

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  3. Jürgen Ganko

    Worin besteht der Unterschied zwischen dem laut und vernehmbar vom Stand weg den Schwarzwild-Bail angehenden Hundeführer und einem UVV-komform durchgehenden Treiber? Der HF geht für seinen Hund durch Dick und Dünn. Und wird damit wird so oder so das richtige tun.

    Horrido!

    @MM: Dir und Deinem Rüden noch viele gemeinsame Jagden!

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