Unter Aufsicht

Immer öfter verlangen Schießstände von Schützen die Befähigung zur Standaufsicht: Warum ist das so, wie wird man Standaufsicht und welche Konsequenzen bringt dieses „Amt“ mit sich?

 “Na, dann schießt mal schön !” – mit diesen Worten verabschiedet sich die Standaufsicht, um im Casino in Ruhe das eine oder andere Bierchen zu trinken. Ein Szenario, das manchem vertraut vorkommen mag, doch Vorsicht: „Standaufsichten, die ihre Aufgabe derart lax handhaben, wissen gar nicht, was sie riskieren“, mahnt der ehemalige DEVA-Geschäftsführer Helmut Kinsky: „Die stehen mit einem Bein in der Ecke.“ Eshandle sich bei der Aufsichtspflicht um unerlässliche gesetzliche Vorgaben, die einzuhalten seien. „Dass der Betreiber irgendeinen benennt, der dann fünf Schießstände gleichzeitig beaufsichtigt – das geht gar nicht“, kritisiert Kinsky.

 Gesetzliche Vorgaben

 Die Aufsicht auf Schießstätten ist im Waffengesetz (WaffG) und in der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) geregelt (siehe Kasten). Demnach gilt, dass auf Schießstätten grundsätzlich nur unter Aufsicht geschossen werden darf. Der Betreiber einer Schießstätte kann die Aufsicht – entsprechende Qualifikation vorausgesetzt – selbst übernehmen oder den Behörden eine ausreichende Anzahl sachkundiger Standaufsichten benennen. Doch auch jagdliche oder schießsportliche Vereinigungen wie zum Beispiel die Landesjagdverbände dürfen eigene Aufsichten stellen. Früher mussten die Standaufsichten der zuständigen Behörde schriftlich angezeigt werden. Seit 2009 können die Vereine ihre Aufsichten selbst registrieren. Der Verein stellt dann eine entsprechende Bescheinigung aus, die die Standaufsicht bei ihrer Tätigkeit mitführen muss. Nur wer nachweislich zur Standaufsicht befähigt ist, darf allein auf einem Schießstand schießen.

Allein heißt in diesem Fall nicht nur, dass keine weitere Aufsichtsperson anwesend sein muss, sondern auch, dass kein anderer Schütze zugegen sein darf, Schützenstände im selben Raum müssen unbesetzt bleiben. Für den Jäger, der sich mit ein paar Freunden zum Schießen verabverabreden will, heißt das: Wenn der Standbetreiber keine Aufsicht stellt, muss einer von den Freunden Standaufsicht sein. Der darf dann aber nicht mitschießen, schließlich soll er ja die anderen beaufsichtigen. Da die Behörden auf den Schießständen zunehmend die Einhaltung der Aufsichtspflicht kontrollieren, wollen immer mehr Standbetreiber einen von einem Verein ausgestellten Standaufsichtsausweis, wie etwa die „braune Karte“ (siehe Abbildung) des DJV, sehen.

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Ausweis für Aufsichten: Braune Karte
Fotos: SE

 Weitreichende Befugnisse

Die Voraussetzungen für die Befähigung zur Standaufsicht sind nicht allzu schwer zu erfüllen: Standaufsichten müssen volljährig und sachkundig sein. Als sachkundig gilt zum Beispiel bereits, wer die Jägerprüfung abgelegt hat. Die Landesjagdverbände verfahren bei der Ausstellung der braunen Karte ziemlich unterschiedlich: Einige händigen jedem Mitglied nach Lektüre eines Merkblatts die gewünschte Bescheinigungaus, andere knüpfen dies an Bedingungen wie Pachtfähigkeit oder Teilnahme an einem Lehrgang. Auch die DEVA bietet einen entsprechenden Kurs an.

Die Teilnahme an einer Schulung ist dringend anzuraten, da die Standaufsicht nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. „Die Standaufsicht fungiert als verlängerter Arm der Behörden und ist mit hoheitlichen Befugnissen ausgestattet“, erklärt Helmut Kinsky. So kann die Standaufsicht Schützen, die sich regelwidrig verhalten, des Standes verweisen. Widersetzt sich der Schütze den Anordnungen, können die zuständigen Behörden gegebenenfalls saftige Ordnungsgelder bis zu einer Höhe von 10.000 Euro verhängen.

 Bußgeld und Haftungsfragen

Den weitreichenden Befugnissen steht ein ebenso umfangreicher Pflichtenkatalog gegenüber. Die Standaufsicht darf die Schützen keinen Moment aus den Augen lassen, sie hat ständig für einen ordnungsgemäßen Schießbetrieb zu sorgen. So muss sie unter anderem darauf achten, dass die Schützen die zulässige Geschossenergie einhalten, dass nur zulässige Übungen durchgeführt werden und alle Schützen haftpflichtversichert sind. Bei Pflichtverstößen drohen der Standaufsicht ebenfalls Bußgelder bis zu 10.000 Euro. Wenn aber wirklich einmal etwas passiert, weil die Standaufsicht ihren Job vernachlässigt hat, dürften die Bußgelder sich gegenüber den haftungsrechtlichen Konsequenzen als Petitessen erweisen. Stephan Elison

Schießstandaufsicht – Die Rechtsgrundlagen
§ 27 WaffG formuliert Anforderungen an Schießstätten, regelt
Teilnahme von Kindern und Jugendlichen am Schießen
§ 11 AWaffV legt Rechte und Pflichten der Aufsichten fest und
dass Aufsichten alleine schießen dürfen.
§ 10 AWaffV regelt unter anderem die Meldung und
Registrierung der Aufsichten bei behörden oder Vereinen.
§ 9 AWaffV Zulässige Schießübungen
§ 7 AWaffV Unzulässige Schießübungen
§ 6 AWaffV Vom Schießsport ausgeschlossene Schusswaffen