Unheimlich nah dran

Die folgende kleine Geschichte zunächst einmal aus meiner Perspektive: Rahmenhandlung: Eine Drückjagd in Brandenburg. Ich gehe mit dem Revierförster durch. Das Telefon des Försters klingelt. Ein Jagdgast ruft an: “Ja? Was? Nicht schlecht… Soll ich Ihnen jemand vorbeischicken? Nein. Gut. Na dann, alles Gute!” Telefonat beendet. “Der sitzt auf der 249”, sagt der Förster, “Das ist ein Erdsitz. Und an dem sind gerade in 20 Meter Entfernung sechs Wölfe vorbeigezogen. Fühlt sich wohl gerade ein bisschen unbehaglich.”

Auf der 249 saß an diesem Tag Eckhard G., ein allseits geschätzter Jagdgast, der seit vielen Jahren bei den Drückjagden hier dabei ist. Ich habe ihn gebeten, diese Nahbegegnung aus seiner Sicht zu schildern – hier ist seine Geschichte: “Erst kamen sie den Hang hoch. Sie zogen auf die Schneise, wo vor einer halben Stunde noch drei Rehe anwechselten. Auf der Schneise schoss ich ein Kitz. Genau fünf Meter hinter dem toten Stück überquerten die Wölfe die Schneise. Da machte ich mir schon Gedanken: Wenn sie mir mein Kitz wegnehmen, was dann? Soll ich es verteidigen? In die Luft ballern?” In Eckhards Nachricht steht hinter den Fragezeichen jeweils ein Smiley… “Nein, sie zogen alle sechs brav am toten Stück vorbei, dann um mich herum. Ich stand auf und machte noch Fotos im hohen Gras.

Es war schon beklemmend. Angst? Nein. Aber da war doch zum ersten Mal ein Unbehagen. Die Situation war einzigartig. Sollte ich Freude empfinden? Es war kein Gegner, sondern ein Beutetier, dem ich in Zukunft Respekt zollen werde. Im Moment des Geschehens stürmten unbekannte Gedanken und Gefühle auf mich ein und vermischten sich zu einem hochemotionalen Erlebnis. Mit erschreckender Deutlichkeit wurde ich mir der Unwissenheit bewusst: Wer weiß schon, wie das Verhalten der Wölfe in dieser Situation sein würde? Es war verdammt spannend. Besonders, weil ich in einem Erdsitz saß und so nicht nur mitten im Geschehen platziert, sondern für die Wölfe mit Leichtigkeit zu erreichen war.

Hier mein kleiner Bericht, so war es, das fühlte ich in diesem Moment. Eckhard G./SE

Beitragsbild: Wolf überquert Schneise – Handy-Foto von Eckhard G.

JAWINA dankt Eckhard G. für den Bericht und das Foto!

 

 

2 Gedanken zu „Unheimlich nah dran

  1. AHE

    Zitat:
    Soll ich Ihnen jemand vorbeischicken? Nein. Gut. Na dann, alles Gute!

    Das Wohl des Jagdgastes steht bei diesem mir ebenfalls bekannten Revierförster fast ganz oben:-)

    Antworten

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