Unermüdlich: Jäger liefern Jagdgegnern Munition

Gleich zwei echte Knaller aus der Rubrik “gelebte Öffentlichkeitsarbeit” gibt es leider am heutigen Tag zu vermelden: In der Westfalenpost berichten drei Frauen von einem “Sonntagsspaziergang, der zu einem Alptraum” wurde. Die Damen gingen in der Nähe von Sporke (Kreis Olpe, NRW) spazieren, als ihnen zwei Männer begegneten, gekleidet in lodengrün und signalorange. Laut riefen sie nach einem Hund. Und da war er auch schon: Ein Deutsch-Drahthaar mit Signalweste, ein Stück Rehwild hetzend. Das Reh flüchtet in eine Schonung, die ringsum eingezäunt ist – und sitzt in der Falle. Der DD greift das jämmerlich klagende Stück in die Keule. Die Frauen versuchen erfolglos, Hund und Reh zu trennen, erst den Jägern gelingt das. Sie töten das verletzte Reh. Und erklären den schockierten Frauen laut Darstellung der Westfalenpost, so sei das halt auf der Jagd, der Vorfall sei “normales Jagdgeschehen”, das gehöre nun mal dazu. WMH!

Auf einer Treibjagd eines ohnehin unter schwerem Beschuss von Jagdgegnern stehenden Freiherrn im österreichischen Burgenland soll ein Jagdgast eine hochbeschlagene Bache geschossen haben. Den Aufbruch inklusive der elf Föten ließ er im Schnee liegen. Die im “Verein gegen Tierfabriken” zusammengeschlossenen Jagdgegner berichten über den Vorfall auf ihrer Internetseite inklusive abscheulichem Foto, dankbar griffen diverse österreichische und deutsche Tageszeitungen den Vorfall auf: “Jäger schießt auf trächtige Wildsau: Tote Frischlinge im Schnee” ist die harmloseste aller Headlines zum Thema auf heute.at, “Jäger schlitzt Wildschweinmutter auf: 11 Babys tot” klingt es schon bedeutend blutrünstiger auf oe24.at, endgültig vermenschlicht titelt das Mittelrhein-Tageblatt: […] hochschwangere Wildschweinmutter erschossen, 11 Kinder aus Bauch geschnitten.” Wie die Kinder in das Wildschwein kamen, darüber schweigt sich die Zeitung aus – treiben die gefürchteten Man-Eater-Sauen im Burgenland ihr Unwesen?

Die Anschuldigungen der Jagdgegner vom VGT, dass “die ständigen Fütterungen der Jäger die Fortpflanzung der Wildschweine völlig von der Jahreszeit entkoppelt” hätten und bei Treibjagden ohnehin “auf alles geschossen werde, was sich bewegt”, haben etliche der Zeitungen auch gleich übernommen. Solange es Leute gibt, die so jagen und sich so benehmen, muss man sich um die Zukunft der Jagd wahrlich keine Sorgen machen… SE

Beitragsbild: Pressemeldung des VGT zum Thema. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

4 Gedanken zu „Unermüdlich: Jäger liefern Jagdgegnern Munition

  1. Joachim Orbach

    So wie der Fall mit dem DD ( wenn er sich tatsächlich so zugetragen hat ) geschildert, möchte ich einmal die Worte von “Hegewald” in Erinnerung rufen, wenn es um den Einsatz von Vorstehhunden geht: ” Er soll u.a. als ein Stöberer in Dickichten und Schonungen arbeiten, darf aber seinen vorzüglichen Appell nicht einen Augenblick verlieren; wohl verstanden sich von jeder Fährte und Spur, namentlich der Rehfährte, sofort abrufen oder abpfeifen lassen.” Leider werden aber in der heutigen Zeit auch viele Vorstehhunde in diesem Sinne nicht immer ausgebildet. Man gibt sich mit dem Ausbildungsstand einer Brauchbarkeitsprüfung halt eben zufrieden, obwohl man einen Vorstehhund besser nach den Anforderungen einer VGP ausbilden und führen sollte.

    Antworten
  2. Anko

    Zum Reh ist die Berichterstattung der verlinkten Westphalenpost erfreulich objektiv:

    >>Es sollte nicht so sein, kommt aber immer wieder vor, ein leidiges Thema.“ Laut Jägerschaft waren die Jäger auf Wildschweinjagd. Hegeringsleiter Thomas Demmerling: „Bei dem Schnee können wir gut sehen, wo die Schweine liegen.“ In der Dickung lagen aber auch vier Rehe, die von dem Hund aufgebracht wurden. Fischer: „Man kann den Hund leider nicht so ausbilden, dass er das Wild unterscheiden kann.“

    Der Hund habe dann – unbemerkt vom Hundeführer – die Fährte des Rehs aufgenommen. Aber: „Normalerweise kriegt der Hund das Tier nicht, weil es viel schneller ist“, erklärt Thomas Demmerling. Doch in der Maschenzaun-Falle hatte das Reh keine Chance. Ein Problem: „Es gibt viel zu viele Gatterzäune, die nicht mehr gebraucht werden, aber einfach stehen bleiben. Ohne Zaun wäre das nicht passiert“, so Fischer.<<

    Damit ist alles gesagt.

    Antworten
  3. RK

    Danke für die Berichterstattung. Richtig ist sicherlich, dass die Öffentlichkeitsarbeit vieler Jäger und Jagdorganisationen gelinde gesagt suboptimal ist (manche scheinen sich oft nicht bewusst, dass ihre Äußerungen tatsächlich – negative – Öffentlichkeitsarbeit sind…
    Die Aussage “Den Aufbruch inklusive der elf Föten ließ er im Schnee liegen.” scheint mir aber noch nicht belegt. Dies wird von Herrn Balluch (Jagdgegner) behauptet; er bringt aber keine Beweise, dass es sich um einen Aufbruch handelt, der von einer Jagd stammt bzw. von einem Jäger “entsorgt” wurde. Es sind durchaus alternative Szenarien denkbar: Es könnte sich um einen natürlichen Abort eines Schweines oder Wildschweines handeln (Wildschweine haben – wie andere Säugetiere auch – bisweilen Fehlgeburten) . Ebenfalls könnte es sich um Föten eines Hausschweins handeln, die dort ausgelegt worden sind. Diese kann man sich sicherlich über eine Hausschlachtung besorgen. Irritierend an dem Bild im Internet ist jedenfalls, dass dort fast nur die Föten abgebildet sind und maßgebliche andere Innereien aus dem sonst üblichen Aufbruch fehlen. Das lässt Zweifel an der Aussage von Balluch entstehen.

    In der Sache: Es ist natürlich kein schöner Anblick, tote Föten zu sehen; da weibliches Schwarzwild aber normalerweise entweder schwanger (beschlagen) ist oder Frischlinge aufzieht (führend ist), kann man Bachen oft nur dann schießen, wenn sie schwanger sind. Das ist im übrigen auch besser, als sie zu schießen, wenn sie gerade gefrischt haben (ihre kleinen Schweinchen zur Welt gebracht). Man schießt den Kleinen nicht die Mutter weg (das wäre im übrigen auch eine Straftat nach § 22 Abs. 4 BJagdG, wie wir gelernt haben).

    Antworten
  4. Paul

    ehrlich – selbst im Wald, wo wirklich nicht j e d e r hinkommt, verblende ich anfallenden Aufbruch; lasse in schon gar nicht am oder auf vorhandenen Wegen zurück. Das kann j e d e r Jäger machen und verhindert unliebsame “Erfahrungen ” von Nichtjägern mit solchen “Nachlässen”. Für das Unverständnis von Otto – Nichtjäger habe ich Verständnis .. ich finde ,es liegt (oft) an uns selber, wie wir Jäger von unserer Bevölkerung wahrgenommen werden.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.