Umweltminister: Wolf wird nicht bejagt

Eine alte Lebensweisheit empfiehlt: “Wenn du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis.” So geschehen auf der Umweltministerkonferenz (UMK), die am Freitag im brandenburgischen Bad Saarow stattfand. Greifbare Resultate waren bei den Themen Wolf und Biber nicht erzielt worden, was wohl auch keiner ernstlich erwartet hat. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) wiederholte seine Forderung nach beschränkter Abschussfreigabe von Wölfen (JAWINA berichtete), der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) drang, wie auch Bauern- und Schäferverbände, auf eine Obergrenze für die anwachsende Wolfspopulation.

Demgegenüber erteilte der Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns Till Backhaus (SPD) allen “radikalen” Lösungsvorschlägen dieser Art eine Absage: “Der Wolf ist in Deutschland willkommen”, lautete sein auf der UMK vorgetragenes Mantra. Backhaus’ Brandenburger Amtskollege Jörg Vogelsänger (SPD) pflichtete ihm bei, indem er daran erinnerte, dass der Wolf vor 150 Jahren hierzulande “brutal ausgerottet” worden sei, wozu die Menschen kein Recht gehabt hätten, wie die Lausitzer Rundschau zitiert, jetzt werde man Wege finden, mit dem Wolf zu leben. In postfaktischer (schließlich wird der Wolf in etlichen europäischen Ländern, darunter den EU-Mitgliedern Schweden, Rumänien und Slowakei regulär bejagt) Alternativlosigkeit postulierte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (ebenfalls SPD): “Der Wolf kann nicht zur Jagd freigegeben werden.” Dem apodiktischen Diktum der Bundesumweltministerin ist natürlich unbedingt zuzustimmen, sofern damit der sächsische Umweltstaatssekretär Herbert Wolf (CDU) gemeint sein sollte.

Dieser erklärte den Umgang mit dem Wolf zu einer nationalen Aufgabe, auch das Bibermanagement soll im Rahmen eines “bundesweiten Austauschs” einvernehmlich geregelt werden. Hatten die – ihren föderalen Regelungsspielraum doch sonst mit Zähnen und Klauen verteidigenden – Landesumweltminister die Verantwortlichkeit damit bereits erfolgreich an den Bund delegiert, so ging Minister Backhaus noch einen Schritt weiter, indem er Heft des Handelns sicherheitshalber gleich an die EU weiterreichte: Beim Umgang mit geschützten Arten gelte “in Europa das Einmütigkeitsprinzip”, gab er laut Lausitzer Rundschau zu bedenken: “Das ist nicht zu erwarten.” Einmütigkeit? Vermutlich nicht.

Entschlossenheit, energisches Handeln und die Bereitschaft, drängende Probleme tatkräftig anzupacken demonstrierten die versammelten Umweltminister dann mit der Einrichtung des eingangs erwähnten Arbeitskreises, innerhalb dessen Themen wie der “günstige Erhaltungszustand” des Wolfs und “Definition von und Umgang mit Problemwölfen” konsequent diskutiert werden sollen. SE

Beitragsbild: Wolfsmanagementplan Brandenburg 2017. (Bildschirmfoto)

4 Gedanken zu „Umweltminister: Wolf wird nicht bejagt

  1. Jochen

    Die Politiker in diesem Land, kriegen einfach nicht mehr genug Druck. Sieht man ja auch, wie die inzwischen an ihren Stühlen kleben, selbst bei Skandalen, die sie früher den Kopf gekostet hätten. Selbst wenn sie dann vorne gehen, kommen sie 5 min. später, hinten wieder rein.

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  2. Ronald Braun

    Die ganze “Versammlung” ist doch eine Farce ….
    Wenn ich schon lese
    “der WWF spricht sich für einen ehrlichen Dialog über die Rückkehrer des Wolfs nach Deutschland aus”
    ich bin echt gerührt!
    …. und dann noch diese ergreifenden Erkenntnis:
    “Einfache Maßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde bieten einen zuverlässigen Schutz”
    wirklich, meine Begeisterung überschreitet jetzt jede Grenze!
    Aber das hat ja nun alles ein Ende!
    Wie war das doch gleich…..
    …. und wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann bild ich einen Arbeitskreis!
    Das hilft nicht, wirkt aber auf unbedarfte Gemüter beruhigend!
    Als ich dann noch sehen musste wie sich die Leiterin des Mysteriums also die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zu dem Vorfall mit der Euthanasieverschleppung an dem Wolf geäußert hat, sind mir die letzten Felle weg geschwommen.
    Sie labern rum, erzählen das von dem sie meinen, das ihre Wähler es hören wollen und ignorieren jede andere Meinung. Egal ob die sich auf Erkenntnisse oder Tatsachen begründet.
    Dem Wolf an sich will keiner wirklich helfen!

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  3. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Um den Wolf herum hat sich im Laufe des letzten Jahrzehnts eine lukrative Spendensammelorganisation aufgebaut. Jeder kennt die Verbände, die von ahnungslosen Urbanisierten hübsche Summen einkassieren.
    Klar ist, dass der Wolf bei Verdoppelung der Population alle drei Jahre und weiterer Ausbreitung, und alle Zeichen weisen da in die gleiche Richtung, immer größer werdende Probleme machen wird. Und über kurz oder lang wird nicht nur die Weidewirtschaft anerkannter Leidtragender sein. Jedem, der die Reproduktionsrate des Wolfs und dessen Biologie einigermaßen kennt, muss das klar sein. Insofern wird in nicht mehr ferner Zukunft der Wolf wie viele andere Tierarten in unserer Kulturlandschaft (Kultur muss dabei betont werden!) “gemanagt”, sprich bejagt werden.
    Es gibt keine Problemwölfe. Wenn der Wolf Weidevieh erbeutet, ist das eine normale Lebensäußerung dieses Raubtiers. Entschuldigung, Raubtier darf man ja heute auch nicht mehr sagen, Beutegreifer muss es politisch korrekt heißen, oder noch besser Prädator! Die “Entnahme”, wie es politisch korrekt heißt, also das Erlegen einzelner Wölfe löst das Problem nicht. Ich weiß auch nicht, wie man “Problemwölfe” am nächsten Tag nach einem Riss auf der Weide wiedererkennt. Tragen die ein Halsband? Ist man sich also sicher, dass man einen solchen “Problemwolf” “entnimmt”, wenn man einen Wolf erlegt?
    Das eigentliche Problem besteht meiner Meinung nach darin, dass der Wolf, wenn er außerhalb des Jagdrechts bleibt, im Falle seiner Bejagung nicht von uns Jägern bzw. Jagdausübungsberechtigten bejagt werden wird, sondern vermutlich von staatlichen “Killerkommandos”, wie sich das die Chlorophyllpartei für die gesamte Jagd vorstellt. Das wäre jedoch ein nicht zu akzeptierende Eingriff in das Eigentumsrecht, denn schließlich ist das Jagdrecht in unserem Land noch immer mit dem Eigentum an Grund und Boden untrennbar verbunden. In diesem Punkt habe ich meine Meinung angesichts der Realität geändert: Der Wolf muss unabhängig von seinem Schutzstatus schnellstmöglich ins Jagdrecht!
    Übrigens werden im Baltikum jedes Jahr bis zu 2000 (!) Wölfe erlegt, ohne dass die Art dort gefährdet wäre. Die Balten waren beim Eintritt in die EU so schlau, sich den Erhalt der Wolfsjagd von Brüssel bestätigen zu lassen. Warum geht das bei uns nicht, wo jeder weiß, dass die baltische Population und die sog. deutsch-westpolnische Population zu einem eurasischen Populationskontinuum gehören!

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    1. Frank Martini

      Sehr geehrter Prof. Pfannenstiel,

      zu Ihrer Anmerkung oder der von Ihnen aufgeworfenen Frage zur Erkennbarkeit von Problemwölfen erlaube ich mir den Hinweis auf einen JAWINA-Beitrag, den Sie hier verlinkt finden https://www.jawina.de/woelfe-jagd-erhaelt-natuerliche-scheu/#more-14914 und der Bezug nimmt auf eine in PLOSone veröffentlichte Studie sowie die Einschätzung des seinerzeit für die Wiederansledlung der Wölfe in den Rocky Mountains Verantwortlichen, den Stephan in dem Beitrag erwähnt.

      Zitat: ” Jäger würden mit größter Wahrscheinlichkeit jene Wölfe erlegen, die sie in offenem Gelände mit Straßenanbindung anträfen – und damit genau jene, die mit größer Wahrscheinlichkeit Nutztiere reißen würden.”

      Die erwähnte Studie ging der Frage nach, welche Auswirkungen die “Entnahme” von Wölfen auf deren Sichtbarkeit aus solchen Schutzgebieten habe, in denen eben diese Sichtbarkeit erwünscht sei, und beziffert den Rückgang der Sichtbarkeit auf 45 Prozent. Daraus kann man ableiten, dass – sofern man eben nicht von einer angeblich genetisch bedingten Scheu des Wolfs vor dem Menschen ausgeht, wie es die Wolfsbefürworter tun – eine ggf. feststellbare Menschenscheue des Wolfes eben Ergebnis eines Lernerfolgs aus “schlechter Erfahrung” ist; wo Menschen nah sind, fällt schon mal ein Rudelmitglied mit lautem Peng um…

      Nun bin ich wie Stephan kein ausgewiesener Wolfsexperte, sondern nur “Rüdemann” – weiß als solcher aber eben, dass Caniden zwar sehr lernfähig in ihrem Verhalten sind, aber eben fast jedes (sieht man von eindeutig angewölften Mustern wie etwa Wildschärfte ab) erwartete oder erwünschte Verhalten auch erst lernen rsp. vermittelt bekommen müssen.

      Insofern mag die “Entnahme einzelner Wölfe das Problem nicht lösen”, wie Sie sicher richtig schreiben – gewiss aber dürfte bereits diese “Entnahme” einzelner Wölfe aus einem Rudel aber zumindest ein Anfang sein, einer vorhandenen Tiergruppe klar zu machen, dass das Aufsuchen menschlicher Behausungen, Siedlungen, genutzter Flächen für die Spezies durchaus Gefahren birgt.

      Dies – vulgo “lethale Vergrämung” – funktioniert nach meiner allerdings ausschließlich auf Lektüre us-amerikanischer Autoren beschränkten Kenntnis sehr wohl auch bei Wölfen. Wie lange oder besser bis zu welcher Schwelle einer anwachsenden Wolfspopulation diese lethale Vergrämung hinreicht, ein Meideverhalten gegenüber dem Menschen bei Wölfen anzutrainieren und von welcher Populationsdichte an regulierende Eingriffe/Bejagung erforderlich sind, weil eben Meideverhalten qua Verhältnis Menschendichte zu Wolfsdichte nicht mehr konfliktausschließend oder -begrenzend funktioniert, ist gewiss eine graduelle, aber eben keine prinzipielle.

      Insofern hat mir Ihr offenes Bekenntnis, eine vormalige Überzeugung “angesichts der Realität” geändert zu haben, weiteren Respekt vor Ihnen abgenötigt. Immerhin sind Sie faktenbasiert nicht nur in der Lage, eine durchaus qualifizierte Auffassung zu revidieren, sondern dies auch ohne Not öffentlich einzugestehen. Das unterscheidet Sie leider von der Fraktion der Wolfs- und sonstiger “chlorophylfarbiger Tier- und Naturschützer”, deren Ideologie dies offenbar nicht zulässt.

      Mit freundlichen Grüßen
      FM

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