Umfrage: 60 Prozent der Städter lehnen Jagd ab

Das Linzer Marktforschungsinstitut “market” hat eine Studie unter dem Titel “Weckruf an die Jäger: Jäger im Visier der urbanen Gesellschaft” veröffentlicht. Auf der Internetseite des Unternehmens werden die Ergebnisse zusammen gefasst: “Die Entfremdung zwischen Jägern und urbaner Gesellschaft ist unübersehbar.”, heißt es dort. Der moderne Städter habe “so seine Zweifel an der Jagd und besonders mit den Jägern.” Die Haltung: „Die Natur regelt sich selbst“ nehme zu und werde “zum Warnruf an die Jagd.” Auf der anderen Seite gelinge es den Jägern immer weniger, ihr Tun glaubwürdig zu erklären.

Das „Warum braucht´s die Jagd“ sei schwer zu vermitteln. Einerseits herrsche “bestenfalls blanke Ahnungslosigkeit” beim Städter, wenn es um das Thema Jagd geht, vielfach weiche jedoch das Wissensvakuum massiven Vorurteilen. Und zum anderen habe der Jäger ein gravierendes Glaubwürdigkeitsproblem. Zu viele Pannen seien in der Vergangenheit passiert – und meistens war das Krisenmanagement eher schlecht: “Wenn beispielsweise ein betrunkener Jäger bei einer Riegeljagd in Niederösterreich einen Treiber erschießt und einer der ersten offiziellen Kommentare lautet: Aber den Jagatee lassen wir uns nicht verbieten – dann ist ein schwerwiegender Kollateralschaden für die Jagd unvermeidlich”, so das Marktforschungsunternehmen, das die Studie auf eigene Initiative und gewissermaßen in eigenem Interesse durchgeführt hat: Der Institutsvorstand und Geschäftsführer Prof. Dr. Werner Beutelmeyer ist selbst Jäger.

So mancher Waidmann sehe die heranziehenden Gewitterwolken aber noch nicht, heißt es in der Veröffentlichung weiter, denn der Veränderungsdruck bzw. das Veränderungstempo in Sachen Einstellung zur Jagd ist unterschiedlich. Dort wo es ländlich zugehe,  sei das Tempo der Veränderung deutlich niedriger. So sehen „nur“ 69 Prozent der steirischen Berufsjäger Veränderungen bei der Jagd, dieser Wert liegt unter deutschen Berufsjägern bereits signifikant höher (94 Prozent).

Der kalte Wind, den die Jagd derzeit spüre, kommt aus dem städtischen Bereich, stellt “market” fest: Der Städter oder der urbane Moderne werde immer mehr zum Freizeitkonkurrenten des Jägers. Es entstehe ein Wettbewerb um die Natur sowie um deren Nutzung in der Freizeit. Die Natur sei dem Städter heilig – allerdings kenne sich der “moderne Urbane nicht mehr so recht aus in der Natur”, sondern, werfe einen verklärten, romantisierenden Blick in den Wald. Der Städter liebt “die Natur”, Wissen über die Zusammenhänge fehle jedoch nahezu völlig. Auch an praktischer Erfahrung mangele es weitgehend. Während Naturschutz an Bedeutung und Glaubwürdigkeit gewinne und immer höhere Spendenvolumen erziele, befände sich die Jagd auf dem Rückzug. Der Jagd sei es nicht gelungen, ihre Naturkompetenz zu vermitteln, hält die Studie fest. Wenn es um die Natur gehe, verlässt sich der urbane Moderne nicht auf die Aussagen der Jagd, sondern vertraut eher dem Naturschutz, so market.

Den urbanen Modernen zeichne überdies aus, dass er “eine handwerkliche Niete” oder “positiver formuliert ein Theoretiker“ sei. Dies drücke sich unter anderem auch beim Kochen aus. Fertigprodukte, Zwischendurchmahlzeiten und eine „Veganisierung“ der Geisteshaltung werden typisch. Mit Fleisch könne er bestenfalls etwas in faschierter Form für die Pasta anfangen, eine Nuss oder ein Karree löse ein “gerüttelt Maß an Unsicherheit” aus: “Rohes Fleisch nein und Wildfleisch besonders nein.” Damit sei der Weg zur Haltung: „Die Natur regelt sich selbst“ geebnet.

Die Jagd sei derweil mit sich selbst beschäftigt: “Macht rote und grüne Punkte auf Trophäen und beschwert sich über neue Beutegreifer wie Luchs, Wolf und Bär.” Häufig werde die Tradition beschwört: “Doch auch die Nachtwächter hatten als Berufsstand vor über 100 Jahren noch Tradition, inzwischen existieren sie nicht mehr. Denn Tradition schützt vor Veränderung nicht.” Es werde nichts bringen, auf Verbündete wie die Politik zu hoffen. Die „hohe“ Politik werde sich nicht mit den Jägern nicht „anpatzen“ und “scheibchenweise die Demontage der Jagd im Sinne des gesellschaftlichen Mainstreams betreiben.” Was dabei für die Jagd herauskomme, lasse sich trefflich in den Niederlanden studieren.

Der Lebensraum für Wildtiere wird eingeschränkter, die Herausforderungen der Jagd nehmen zu und gleichzeitig lässt die Professionalität der „modernen“ Jäger nach, resümiert market. Für die Jagd sei der Megatrend „des Verlustes an handwerklichen Fertigkeiten“ wohl die stärkste Zukunftsherausforderung neben der Verbesserung der Dialogfähigkeit mit der Öffentlichkeit.

Beitragsbild: Bildschirmfoto der Internetseite des österreichischen Marktforschungsinstituts “market”, mit freundlicher Genehmigung des Unternehmens. Copyright: market.

5 Gedanken zu „Umfrage: 60 Prozent der Städter lehnen Jagd ab

  1. Frank Martini

    “so das Marktforschungsunternehmen, das die Studie auf eigene Initiative und gewissermaßen in eigenem Interesse durchgeführt hat: Der Institutsvorstand und Geschäftsführer Prof. Dr. Werner Beutelmeyer ist selbst Jäger.”

    Soso, aus eigenem Interesse. Eben! So langsam wird mir der gehypte Ösiprof suspekt. Man stelle mal die Frage cui bono! Betreibt der Herr Professor da nicht einfach nur geschicktes Marketing für sein Institut? Denn wenn sein schlechter Befund zutrifft, liegt doch nahe, dass die Jägerschaft dringend seiner Hilfe bedarf, oder?

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  2. Joachim Orbach

    In der heutigen Zeit, in der es ja sogar lila Kühe geben soll, sind wir Jäger und die mit dem ländlichen Raum verbundene Bevölkerung ( wie z.B. Landwirte u. Imker ) aufgefordert, verstärkt Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Hierzu sind u.a. auch Seminare der Landesjagdverbände und des DJV erforderlich. Ein gutes Beispiel ist hier u.a. das DJV – Serminar “Zwei Tage kompetentes Medientraning” – s. http://www.jagdverband.de vom 18.11. 2014 .

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  3. Paul

    es wäre am Besten ( wenn es ginge ; aber es geht nicht…. ) einige Jahre die Jagd einzustellen. Diejenigen “Klugschnacker , die heute gegen die Jagd ( weil kaum Kenntnisse) lamentieren, werden auch dann die ersten sein, die gegen die schwerwiegenden Folgen “die Stimme erheben “.
    Zitat Albert Einstein : es gibt 2 Sachen im Leben .die unendlich sind : das Universum und die Dummheit der Menschheit. Beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher….. ”
    -Ende des Zitat’s –

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  4. Paul

    da geht es doch schon los…… ( man lese den Beitrag “Minister fordert … / bei (Werbung entfernt, admin) ) . Was wird hier wohl passieren, wenn man die Jagd/Regulierung der Bestände
    hier plötzlich einstellen würde ?
    Bei Einsatz des normale Menschenverstandes gibt es bezüglich der Notwendigkeit der Jagd überhaupt kein Vertun !! Einhaltung von Regeln und entsprechender Maßnahmen vorausgesetzt.

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  5. Paul

    Ich bin auch ein “Städter ” , aber mit Aufmerksamkeit und ein bischen Wissen um Natur ,Umwelt und ihre Bedingungen.
    Die “Stadtmenschen ” ( die ihre Nahrung im Geschäft kaufen ) sollten sich mal mit den LANDWIRTEN unterhalten ( die dafür sorgen, das in den Geschäften die Nahrung für die Städter auch vorhanden ist ). Das Kinder nun manchmal wirklich schon dran glauben,das KÜHE lILA sind und im Wald nur BAMBIS leben , läßt erwarten, das das die nächsten Gegner der Jagd sein werden. Liebe Leute, wo soll das denn noch hinführen……. ??
    Was halten denn die JAGDGEGNER von denen, die in Berlin die Schwarzkittel f ü t t e r n ? und die Füchse bis auf wenige Meter an sich heranlassen ? Ist es das ,was die “Städter”
    wollen, sieht so die Zukunft für den Umgang mit Natur und Wildtieren aus ….. !?! Ich erspare mir dazu jede Wertung.

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