Umdenken bei Rabenvögeln?

Um Rabenvögel wie Krähen, Elstern und Kolkraben wird seit Jahren eine hoch ideologisierte Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Lagern von Naturschützern geführt. Für manche sind Rabenvögel fast so etwas wie heilige Tiere, die streng zu schützen und keinesfalls zu bejagen seien, da die Natur das Verhältnis von Prädatoren und Beutetieren selbst regele. Eine kaum widerspruchsfrei durchzuhaltende Argumentation, denn oft treten die Anhänger der “Die-Natur-regelt-alles-selbst-Theorie” für eine scharfe jagdliche Dezimierung des “verbeißenden Schalenwilds” ein, bei dem die natürliche Regulation seltsamerweise nicht funktioniert.

Dass das Aufeinandertreffen von anpassungsfähigen, opportunistischen Kulturfolgern und selteneren Arten, die höhere Ansprüche an ihren Lebensraum stellen, in der Kulturlandschaft meist zu Ungunsten der letzteren ausgeht, kann jeder Gartenbesitzer bestätigen, der die Auswirkungen eines Elsternpaares auf die Singvögelpopulation beobachtet hat. Auch verschiedene wissenschaftliche Studien bestätigen, dass der gebündelte Einfluss von natürlichen Prädatoren, freilaufenden Haustieren und Neozooen den Bestand seltener Arten gefährdet.

Dieser Erkenntnis schließt sich jetzt der Vorsitzende des NABU Stendal, Dr. Peter Neuhäuser, in einem Beitrag auf az-online an: Unter der Überschrift “NABU nimmt den Raben ins Visier” berichtet Neuhäuser, dass der einst seltene Kolkrabe in der Altmark massiv zugenommen habe, die Nester von Enten und Gänsen plündere und Junghasen dezimiere. Während Krähen und Elstern bejagt werden dürften, sei dies beim Kolkraben, der auch keine natürlichen Feinde habe, nicht der Fall: Vielleicht sei es an der Zeit, dies zu überdenken. SE

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