Über 80 Prozent finden: Jäger und Schäfer sollten sich gegen Wölfe wehren dürfen

In einem Beitrag für die Berliner Boulevardzeitung B.Z. mokiert sich der Verfasser darüber, dass der “Tatort” eines Wolfsabschusses dem eines Kapitalverbrechens ähnelt: Polizei rückt an, Spurensicherung, Ermittlungsverfahren. “Grotesk” sei das. Der Einsatz folge dem Gesetz, denn der Wolf sei strengstens geschützt. Nur “hat der Wolf den strengen Schutz gar nicht mehr nötig, denn er vermehrt sich im Rekordtempo”, findet der Autor. Und die ganz überwiegende Mehrzahl der Leser stimmt ihm zu.

Der Abschuss eines Wolfs sei nur mit einer behördlichen Ausnahmebewilligung möglich, wenn er mehrfach ordnungsgemäße Herdenschutzmaßnahmen überwunden und Schafe oder Rinder gerissen hat. Doch den Antrag auf Entnahme eines Wolfs stellen selbst mehrfach betroffene Schäfer und Bauern “nur ungern”, heißt es weiter. Weil sie Morddrohungen von radikalen Tierfreunden bekommen, sich einem “Shitstorm” ausgesetzt sehen und Angst haben müssen, dass man ihre Scheunen anzündet oder ihre Reifen zersticht. Wie jetzt gerade bei Pinneberg.

“Das ist also der Stand der Dinge, dass in Deutschland Menschen bedroht werden um den Wolf zu schützen!”, konstatiert der Verfasser und fordert eine Bejagung, da der Wolf den Schutz nicht mehr nötig habe: “Der Bestand vermehrt sich um ein Drittel (!) pro Jahr. Etwa 100 Tiere müssten in Brandenburg jetzt geschossen werden, um die Zahl in Grenzen zu halten. So macht man es mit anderen Wildtieren auch, die sich ungebremst vermehren.”

Vor allem aber müssten Bauern und Jäger “freie Hand” bekommen, so die B.Z.: “Sie allein wissen, wann solch ein Notfall eintritt, die Beamten im Ministerium wissen es nicht und die selbst ernannten Tierschützer in den Großstädten erst recht nicht.”

Und mehr als 80 Prozent der B.Z.-Leser stimmen dem zu! Heute früh (8.15 Uhr) waren es noch 80 Prozent, gegen 11 schon etwas mehr. Das zeugt von dem Stimmungswandel, der in puncto Wolf stattgefunden und offenbar sogar schon die Großstädte erreicht hat. red.

Beitragsbild: Abstimmungsergebnis auf der Internetseite der B.Z. (Screenshot)

 

11 Gedanken zu „Über 80 Prozent finden: Jäger und Schäfer sollten sich gegen Wölfe wehren dürfen

    1. Grimbart

      Wenn das Ergebnis einem nicht passt ist es Schwachsinn, wenn es genehm ist bestärkt es einen. Ja ne, ist klar. Nur „Willkommen“ blöcken löst leider keine Probleme und ist nicht hilfreich.

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  1. Frank

    Naja, ob man da angesichts der erwähnten Gruppe Schäfer und Jäger sowie dem Abstimmungskanal von Stimmungswandel sprechen kann, weiß ich nicht.
    Die, die “draußen arbeiten”, haben wegen ihres daraus resultierenden Einschätzungsvermögens einer jagdlich nicht regulierten Wiederansiedlung canis lupus’ wohl immer schon eher skeptisch gegenübergestanden. Und sind vllt. bislang auch keine vom Boulevard gut bedienten “Stakeholder” gewesen.

    Womit ich den Fortschritt in dieser Entwicklung – sollte er tatsächlich nicht nur vorliegen, sondern so erheblich sein – natürlich nicht kritisieren will, im Gegenteil.
    Ein unverkrampfterer Umgang mit dem Thema kann der Sache nur gut tun.

    Denn eigentlich ist es so einfach, wie in dem Beitrag angedeutet. Wir leben in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft mit dem Anspruch eines möglichst artenreichen, gesunden und artgerecht sozial gut strukturierten Wildtierbestandes. Und der ließ und lässt sich – längst empirisch ellenlang belegt – durch eine sinnvolle Bejagung nun mal einfach erreichen. Und so lange Jagd – wissenschaftliche Versuche dazu hat es ja bereits gegeben – nicht wissenschaftlich erfolgreich delegitimieren lässt, kann man dieser unbestreitbaren Erfolgsbilanz auch nicht entgegenhalten, dies sei nur so, weil dabei eben der Zweck jedes Mittel heilige.

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  2. P. Ziller

    Gesunder Menschenverstand will ja auch keinen nicht bedrohten Prädator um seine Kinder herum. Genau deshalb haben Wolfsfanatiker im BfN 2007 im Strategiepapier (des Bundesamts für Naturschutz) definiert, “…die Akzeptanz der Bevölkerung müsse durch Vermeidung eines sachlichen Diskurses (also PR mit Wolfsromantik) herbeigeführt und so die Deutungshoheit erlangt werden, solange die Meinung noch formbar sei und bevor sich die Gegenseite mit dem Thema Wolf überhaupt befasst hat…” Quelle: (Nat. IAS-Strategie 33 auf Seite 23) https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/skript213.pdf
    Die Täter gingen hier von vornherein von einer “Gegenseite” aus, die bei seriösen Vorhaben nicht zu befürchten gewesen wäre. Der Wolf erfüllt ja auch kein Kriterium einer bedrohten Art, aber die Medien ließen sich vom fehlerhaften Schutzstatus blenden und haben bekanntlich in ihrer Neutralität und Sorgfaltsanspruch als vierte Gewalt versagt. Nun haben wir deshalb mit einer wachsenden Radikalisierung der Unvernunft, Realitätsferne und mit Repressalien zu tun. Selbst der wissenschaftliche Dienst des Bundestages berät entscheidend falsch, indem er extra die umfassendste Studie zur gescheiterten Koexistenz in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft unterschlägt. ( in Wikipedia wird sie ebenfalls ständig gelöscht ). Es handelt sich um die 12 jährige Arbeit der Univ. Caen unter Leitung des renommierten Historikers Prof. Moriceau und einigen Promotionen. Die Erkenntnisse sind besorgniserregend: Vor der Ausrottung, im Gleichgewicht Wolf/Beute hungerte der Wolf und es starb auf dieser Grundlage Stand 2017 hochgerechnet, alle 1,4 Tage ein französischer Bürger. Spezialisierungen und weniger als die Hälfte für Tollwut sind danach abzuziehen.
    Andere Länder haben im Gegensatz zu uns bzw. Frankreich, große Rückzugsgebiete jenseits Tierhaltung und der Siedlungen. Dort halten sie winzige Populationen stabil und scheu.

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    1. Annegret Sproesser

      Die Arbeiten des Prof. Moceau sind im Buch “Zur Hölle mit den Wölfen” zusammengefasst. Also auch ohne Wikipedia und andere fluktuierende Medien auf Papier erhältlich. Das ganze Buch ist, trotz unglücklich gewähltem Titel, die sachliche Literaturarbeit eines Politologen mit dem Thema Wolf-Mensch-Weidetiere. Wenn jeder, der seinen Senf zum Thema Wolf dazugibt dieses Buch gelesen hätte, wäre weniger Unfrieden in der Welt, weil jeder wüsste worüber er redet.

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    2. Torsten Schröder

      @ P.Ziller

      Nicht das ich Zweifel daran hätte, dass von Seiten des selbsternannten Natur- und Tierschutzes beim Thema Wolf versucht wird die Deutungshoheit zu erlangen und das ich es, zu welchem Thema auch immer, sehr bedenklich finde, Sachinformationen als nicht zielführend zu erachten. Aber ist es nicht ein bisschen weit hergeholt diese These mit der benannten Studie belegen zu wollen. Diese befasst sich mit der Bekämpfung invasiver Arten. Der Wolf wird in der gesamten Studie nur einmal erwähnt und zwar weil als invasive Art alle seit mehr als 100 Jahren nicht mehr in Dtschl. vorkommenden Individuen gelten. Die Bekämpfung derselben demnach mit der Wiederansiedlung des Wolfes in Konflikt gerät. Die zitierte Passage findet sich so in der Studie nicht wieder, vom Wolf ist an dieser Stelle nicht die Rede.

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      1. P. Ziller

        Zu Torsten Schröder:
        Sie sagen es doch selbst: Zu den IAS (invasive species) gehört in dem Papier der Wolf und dieses Strategiepapier ist laut BfN auf ihn anzuwenden. Ihr Einwand ist nur insoweit berechtigt, dass der Ausdruck “Täter” etwas zu weit geht, da die Absicht, gerade den Wolf ab 2007 auf diese Weise zu fördern, schlecht zu isolieren ist. Mit dem Zitat ist aber belegt, dass der BfN eine solche Strategie als Vorgehensweise vorgibt. Diese wurde in den Jahren formuliert, als Wölfe hier resident wurden. Ich zitiere gerne nochmal 1:1 Original aus der o.g. Nationalen IAS Strategie, Seite 23 (in PDF Seite 40):

        Zitat:
        “Zu einem frühen Zeitpunkt, an dem die Konkurrenz um die Aufmerksamkeit zu diesem Thema noch gering ist, muss der Naturschutz seine Diskursmacht ausbauen. Diskurslinien und -schwerpunkte sind in dieser Phase noch nicht verfestigt und daher formbar. Zur Initiierung eines IAS Diskurses sind Sachinformationen nicht zielführend. Zur Erzeugung von Aufmerksamkeit gilt es, das Thema IAS zu emotionalisieren. Die gewonnene Deutungsmacht muss dazu genutzt werden, die eigenen Kompetenzen als Helfer herauszustellen. Eine Koalition mit Partnern, die die gleichen Interessen verfolgen, wird diese Position stärken.”

        Das Resultat der Anwendung einer solchen Strategie sehen wir in der bisher extrem einseitigen und vereinfachenden Information durch unsere Medien. Auf Grundlage unvollständiger also falscher Information entstand eine Zustimmung, die eine realistische politische Handlungsfähigkeit hemmt, sodass wir immer noch eine uneingeschränkte Vermehrung, wie sonst in keinem vergleichbaren Land haben. Der fehlende sachliche Diskurs fördert Anmaßungen, die in verschieden Graden von Manipulation bis Gewalt durch Eiferer beobachtbar ist.
        Zu BfN Zitat: “die eigenen Kompetenzen als Helfer herauszustellen” Diese Missionierung findet ebenfalls sogar bis in manchen Kindergärten statt! Und es ist bekannt, dass die sog. Wolfsberater Betroffene unter Hinweis auf Bedrohung durch Eiferer einschüchtern, was an sich schon eine fatale Manipulation darstellt…
        Auf Grundlage unvollständiger also falscher Information, entstand so eine vorgebliche Eindeutigkeit zum pro/contra-Wolf-Thema, die nun Eiferertum verursacht (von Aktivismus, Manipulation, Behinderung, über Radikalisierung und Bedrohung bis zur Gewalt).
        Und noch ein Zitat des BfN zu “invasive species”: “Bei ihnen besteht die Gefahr, dass sie einheimische Arten verdrängen, Krankheiten übertragen, ökologische Kreisläufe und sogar das Landschaftsbild verändern.” Wie wahr im Fall Wolf, und immer umfassend, aber den Kostenfaktor hat das BfN trotz “sogar” passend ausgeblendet. Dazu hat das bayrische LfL inzw. künftige 0,4 Mrd Euro für die Witz-Zäune errechnet. Also mehrere Milliarden bundesweit für richtige Zäune nach der Hinhalte-Variante. Das sind dann Millionen je einzelnem Wolf, der nicht bedroht ist, bedrohte Arten ausrottet, andere verdrängt, seine Art hier hybridisiert wie der Lupus Italicus, und niemals hungrig sein darf.

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  3. Mario Pernice

    Letztendlich wird die Stimmung kippen wenn der Wolf sich an den Dorfgrenzen ein Kind schnappt oder einen Radfahrer von Rad holt.
    Der Artikel ist stimmig und gut verfasst, wobei ich die Frage stelle :
    “mit was sollte der Weidetierhalter sich wehren?”
    Ich wäre für die unbürokratische Genehmigung, nach Prüfung einer Zuverlässigkeit, eine Waffe zu erwerben. Grobschrot o.ä. um sich adäquat zur Wehr zu setzen.
    In Frankreich war das bis in die 80er normal daß Landwirte ein Gewehr haben…

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  4. Inge Joppen

    Nein Jäger und Tierhalter z.b Schäfer dürfen nicht selber entscheiden damit würden Tür und Tor geöffnet. Bin selber Weideviehhalter.

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  5. manuel reichardt

    Der Umfrage einer Boulvardzeitung zu glauben ist eigentlich ein Scheinglaube.
    Aus der repräsentativen Umfrage des forsa-Meinungsinstituts vom Febr./März `18, veröffentlicht am 27.4.18 zumTag des Wolfs, geht hervor:
    55% positives Empfinden
    12% negatives Empfinden
    78% für den Wolf der Befragten gesamt.
    Nach Wohnortgrössen:
    bis 20.000 Einwohner 75%
    bis 100.000 Einwohner 77%
    über 100.000 Einwohner 82% für den Wolf.
    Es besteht ein identisches Ergebnis zur gleichen Umfrage aus 2015.
    Demnach besteht eine überdurchschnittliche Zustimmung zur Ansiedlung des Wolfs nachweislich auch im ländlichen Raum, womit andere Meldungen(s.oben) höchstens halbwahr,also unwahr oder bestenfalls der Propaganda derLobbybranche zu zurechnend erscheinen.
    Dazu stehen statistische Zahlen(Bundeslandwirtschaftsministerium) bei Fallnutztieren Rindern mit 580.000 Tieren(werden unterdrückt).
    Bei Schweinen stehen Fallnutztiere 37.000 Tiere täglich in der Statistik, p.a. 13,7 Mio verendeter Tiere.
    Bei Schafen stehen nach Erfahrungsinformationen etwa 1/4 der Bestände als Fallnutztiere an, Schlechthaltung, Vernachlässigung, Krankheiten.
    Schafbestand 2018: 1,6 Mio Tiere(Stat. Bundesamt), Rissanteil weniger als 0,23%.
    Der Rückgang der Schafbestände z.B. im Freistaat Sachsen von 2000 – 2017 um praktisch die Hälfte, beziffert sich auf 68.540 Tiere. 2017 wurden dabei 1.100 mehr Tiere gehalten als im Vorjahr. Rissanteil weniger als 0,5%. Wer ist im Freistaate – inklusive Biedenkopf – nun verantwortlich?
    Die Ursachen hierfür finden sich anderswo, trotz grosser Bekundungen wurden besonders die Berufsschäfer politisch aufs Abstellgleis geführt und darüber hinaus der Tierschutz in der Nutztierhaltung unter ferner liefen gehandhabt. Die parlamentarische Antrittsbekundung, Schaden vom Volke abzuwenden, ist nur ein ritueller Lapsus.
    Der Anachronismus der Debattiererei lässt Nutztiere verenden und macht vor Wild- und Haustieren keinen Halt. Dafür werden ein paar hundert Wölfe vors Loch geschoben. Geistiger Schwachsinn hoch 10 und per Lobbybranche in die Politik implantiert.
    Manuel Reichardt

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    1. admin Beitragsautor

      Die von Ihnen erwähnte forsa-Umfrage wurde vom Nabu in Auftrag gegeben, bekanntlich bestellt der Auftraggeber einer Umfrage das gewünschte Ergebnis gleich mit.
      Siehe:
      https://www.presseportal.de/pm/6347/3928649
      Da kann man sich dann schon fragen, ob eine Spontanumfrage einer Tageszeitung nicht mindestens ebenso glaubwürdig ist. Vgl. dazu z.B.:
      http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/manipulation-in-der-marktforschung-wie-umfragen-gefaelscht-werden-a-1190711.html
      https://www.cicero.de/wirtschaft/daten-und-umfragen-prozente-die-nichts-bedeuten
      Fazit des Spiegel-Beitrags: “In der Branche wird zuweilen planmäßig manipuliert.”

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