Brandenburg: Trichinenbefall im Landkreis Dahme-Spreewald (LDS)

Am 22. September wurde im akkreditierten Trichinenlabor des Landkreis Dahme-Spreewald ein Stück Schwarzwild aus dem Jagdbezirk Butzen (bei Lübben) positiv auf Trichinen getestet. Trichinen sind winzige Fadenwürmer, die sich in der Muskulatur, aber auch in Zwerchfell, Augen und Zunge befallener Organismen einnisten und parasitieren. Auch Menschen können sich infizieren, wenn sie das Fleisch befallener Tiere wie Wildschweinen oder Dachsen verzehren. Die durch Trichinen ausgelöste Erkrankung Trichinellose ist, wenn sie nicht im Anfangsstadium bemerkt und behandelt wird, unheilbar und kann einen tödlichen Verlauf nehmen.

Aus gegebenem Anlass weist das Veterinäramt des Kreises auf die Besonderheiten bei der Trichinenprobennahme durch geschulte Jäger hin: Gesetzliche Grundlage hierfür ist § 6 Abs. 2 der Verordnung zur Regelung bestimmter Fragen der amtlichen Überwachung des Herstellens, Behandelns und Inverkehrbringens von Lebensmitteln tierischen Ursprungs (Tierische Lebensmittel-Überwachungsverordnung – Tier-LMÜV) Artikel 3 der Verordnung zur Durchführung von Vorschriften des gemeinschaftlichen Lebensmittelhygienerechts vom 8. August 2007 (BGBl. I S. 1816, 1864) zuletzt geändert durch: Artikel 2 der Verordnung vom 11. November 2010 (BGBl. I S. 1537, 1538).

Demnach kann die zuständige Behörde einem Jäger, der Inhaber eines gültigen Jagdscheines ist und Wild zum Zweck der Verwendung als Lebensmittel für den eigenen häusliches Verbrauch erlegt oder kleine Mengen von erlegtem Wild oder Fleisch von erlegtem Wild abgibt, im Fall von Wildschweinen oder Dachsen die Entnahme von Proben zur Untersuchung auf Trichinen übertragen. Eine Übertragung darf nur erfolgen, wenn der Jäger von der zuständigen Behörde für die Wahrnehmung dieser Tätigkeit geschult worden ist und keinen Tatsachen vorliegen, die die Annahme rechtfertigen, dass der Jäger die erforderliche Zuverlässigkeit für diese Tätigkeit nicht besitzt. Das Amt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft als zuständige Behörde führt regelmäßig auf Anfrage entsprechende Unterweisungen durch.

Die Proben werden aus dem Zwerchfellfeiler und aus der Unterarmmuskulatur in ausreichender Menge (wenigstens 60 Gramm) entnommen und entsprechend gekennzeichnet, damit eine sichere Zuordnung zum Tierkörper ermöglicht wird. Der ausgefüllte Wildursprungsschein wird der Probe beigelegt. Die Proben sind frisch, sicher verpackt, persönlich in der Untersuchungsstelle abzugeben. Ein Einwerfen in den Briefkasten wird nicht toleriert. Ein weiteres Verarbeiten des Tierkörpers (aus der Schwarte schlagen, Zerlegen) darf erst nach Abschluss der Trichinenuntersuchung erfolgen.

Beitragsbild: Trichinenlarve, aus der Kapsel befreit, Quelle: Wikipedia, by DPDx Image Library [Public domain], via Wikimedia Commons

2 Gedanken zu „Brandenburg: Trichinenbefall im Landkreis Dahme-Spreewald (LDS)

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Es gibt zwar Fadenwürmer, die das Auge befallen können, wie Onchocercus volvulus, der Knotenwurm, der langsam das Auge zerstört, was schließlich zu Blindheit führt, der sog. Flussblindheit (Onchocercose) . Kriebelmückenlarven, die im Wasser leben, sind ein Zwischenwirt des Knotenwurms. Deshalb tritt die Flussblindheit nur an Wasserläufen, z. B. vermehrt in der Sahelzone in Afrika, auf.
    Trichinella spiralis, Erreger der Trchininellose oder Trichinose kann sich allenfalls mal ins Auge verirren. Die Larven des Wurms bevorzugen gut durchblutete Muskeln, wie vor allem Zwerchfellmuskulatur (Zwerchfellpfeiler), Lecker oder Zwischenrippenmuskulatur. Das Herz wird glücklicherweise meist verschont. Wenn das Fleisch samt den darin befindlichen Larven gefressen wird, werden die Larven im Dünndarm aus ihren Kapseln frei, wachsen heran und werden geschlechtsreif. Noch im Dünndarm gebären die Weibchen nach der Begattung durch die viel kleineren Männchen eingebohrt in die Darmwand über tausend lebende Larven, die sich in Blut- und Lymphgefäße einbohren und sich dann in der Muskulatur einkapseln. Dann kann der Zyklus erneut beginnen. Bei der Trichinenschau wird übrigens nach den Kapseln in der Muskulatur gesucht.

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    1. Frank Martini

      Lieber Prof. Pfannenstiel,

      hoffe, Sie erlauben – bei allem Respekt – eine Korrektur. Bei der Trichinenuntersuchung wird eben (schon lange) nicht (mehr) nach den Kapseln gesucht – Gott sei Dank!
      Sie stellen mit dieser Aussage auf die Quetschmethode ab, bei der mittels eines gläsernen Kompressioriums haferkorngroße Fleischstücken plattgequetscht und auf die eingekapselten Larven durchleuchtet wurden. Eine Methode mit einer Befundszuverlässigkeit von etwa max. 70% – die spätestens mit dem Befund einer Mischinfektion mit pseudospiralis bei einer Sau auf Usedom nicht mehr als Kaffeesatzleserei ist. Und darum von der nationalen DurchführungsVO zum EU-Recht nur noch – und auch nur übergangsweise, wenn (noch) keine geeignete Ausrüstung vorhanden war – bis Ende 2009 oder 2010 erlaubt war.

      Mit Ablauf dieser Frist ist die Referenzmethode, auf das auch Brüssel abgestellt hatte, national zum Standard erhoben worden: das Magnetrührverfahren. Da es sich dabei aber um ein Digestionsverfahren handelt, bei dem die Fleischproben künstlich verdaut – und damit die Kapseln der Spiralislarven zerstört werden, wird bei der Trichinenschau sehr wohl nach der Nematodenlarve selbst gesucht, und nicht mehr nach deren “Schneckenhaus”….

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