Totes Islandpferd: Statement des Wolfsberaters

Die ehrenamtlich tätigen Wolfsberater machen einen ziemlich undankbaren, oft auch belastenden Job. Das fängt an mit dem Anblick toter oder, noch schlimmer, sich mit schwersten Verletzungen quälender Tiere und endet nicht mit der Konfrontation mit den Besitzern der Tiere, die sich verständlicherweise in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden. Als Sahnehäubchen gibt es noch Anfeindungen und Verdächtigungen im Netz obendrauf – wenig verwunderlich, dass der eine oder andere Wolfsberater bereits hingeschmissen hat.

Auch gegen den Wolfsberater, der das im Cuxland getötete Islandpferd untersucht hat, wurden Anschuldigungen laut. Er habe “lustlos im Pferd herumgestochert” und notwendige Untersuchungen wie das Abziehen des Fells unterlassen. Wir haben den zuständigenWolfsberater Silas Neuman gefragt, wie sich die Situation vor Ort für ihn dargestellt hat, wie er bei der Untersuchung des Kadavers und der Probennahme vorgegangen ist, und wie er mit Besitzern und Tierärzten kommuniziert hat.

Außerdem wollten wir wissen, wie es gelingt, die notwendige Neutralität bei dieser Tätigkeit zu gewährleisten. Die Stellungnahme Neumans geben wir im Folgenden ungekürzt und unkommentiert wieder:

“Gerne gebe ich Ihnen, soweit es mir möglich ist mich über die laufenden Auswertungen zu äußern, eine Rückmeldung.

Was ich bestätigen kann ist, dass dem Tier selbstverständlich nicht vor Ort die Decke abgezogen worden ist.
Das ist mir als Wolfsberater, aufgrund der Seuchenverordnung strengstens untersagt und fällt in die Zuständigkeit der Amtsveterinäre.

Die Anweisung zu einer zusätzlichen intensiven Sektion eines Tierkörpers obliegt dem Wolfsbüro, oder dem zuständigen Veterinäramt.

Die offene Wunde am Hals lässt sicherlich den Rückschluß zu, dass ein Tier und nicht etwa eine Verletzung dafür verantwortlich ist. Ob dieses Tier auch dafür verantwortlich ist, dass der Wallach in den Graben geraten ist, oder es sich um zwei unabhängige Geschehnisse handelt, ist meinerseits völlig offen.

Äußerlich sichtbar gab es bei der Begutachtung des Tieres jedoch darüber hinaus keinerlei Bissspuren zu erkennen.

Das abschließende Endergebnis nimmt dazu, nach Auswertung aller Dokumentationen und der genetischen Untersuchung, das Wolfsbüro des NLWKN vor.

Dennoch ist es sicherlich so, dass Tierhalter vor Ort gerne eine Einschätzung, oder Aussicht vom Wolfsberater erhalten möchten, um nicht im „luftleeren Raum“ zu stehen.

Dementsprechend habe ich den Tierhalter am Körper des Tieres an meinen Beobachtungen teilhaben lassen und ihm erklärt, dass ich im Rahmen meiner Möglichkeiten vor Ort, allein
Anhand der sichtbaren Verletzungen keinen eindeutigen und ausschließlichen Hinweis auf “Wolf” entdecken kann. Dass ich damit ein vorgefasstes Urteil geäußert habe, weise ich ausdrücklich zurück.

Um eine Dokumention eines Nutztierübergriffes sorgfältig und konzentriert vornehmen zu können, ist eine innere Neutralität zum jeweils konkreten Fall, aber auch grundsätzlich zur
kontroversen Thematik “Wolf”, mit Sicherheit ausschlaggebend. Darüber hinaus ist jedoch auch die Fähigkeit in Stresssituation und emotional belastender Atmosphäre pragmatisch vorgehen zu können, ein entscheidendes Kriterium um nichts Wesentliches zu übersehen.
Grundsätzlich herrscht in diesem Diskussionsfeld allerdings ein “Schwarz,-/Weißdenken” vor. Und man kommt schwer darum herum von Außenstehenden entweder der einen, oder anderen Seite zugeschrieben zu werden. Die durchaus vorhandene Grauzone zwischen dem Spannungsfeld von Wolfsbefürwortern und Gegnern, in der auch ich mich bewege, wird von
vielen Akteuren häufig nicht wahrgenommen, oder praktiziert und ist leider vielfach „unterbesetzt“.

Demnach ist es nicht verwunderlich, dass auch ich, wie in diesem Fall ersichtlich, einer Seite untergeordnet werden soll. Ob es dafür entscheidend ist, was ich an dieser Stelle dazu äußere, wage ich aber durchaus zu bezweifeln. Konkrete und direkte Erfahrungswerte, sowie
unmittelbare Gespräche miteinander wären da meiner Ansicht nach hilfreicher und nachhaltiger.

Dazu lade ich gerne ein.

Abschließend weise ich für meine Person dennoch nochmals ausdrücklich eine
Voreingenommenheit und Befangenheit bei der Dokumentation von Nutztierübergriffen im
allgemeinen und im konkreten Fall zurück und verweise in dem Zusammenhang auch auf
die zuständigen Behörden, welche insbesondere zu diesem Aspekt, die Auswahlkriterien zur
Ernennung der Wolfsberater festlegen.

Mit freundlichen Grüßen

Silas Neuman”

Beitragsbild: Schwierige Situation für Besitzer und Wolfsberater: Getötetes Islandpferd. Foto: privat

Die Red. dankt Silas Neuman für die Stellungnahme!

 

7 Gedanken zu „Totes Islandpferd: Statement des Wolfsberaters

  1. mikka

    Vielen Dank Admin in der Sache nochmals tiefer gegraben zu haben!
    Vielen Dank Herr Neuman sich der Sache so offen gestellt zu haben!
    Ein gutes Beispiel für Transparenz, leider auch ein Paradebeispiel für die unsäglichen Kontroversen.

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  2. Katja Ley

    Sehr gut. So sollte man bei jeder Fakemeldung, die es in die Presse schafft, reagieren. Inkl. Namen. Es bleibt sonst immer zu viel Material für Wolfsgegner zurück, was diese ohne Rücksicht mit viel übler Fantasie ausmalen und zur Stimmungsmache verwenden.

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  3. Ulrike THiel

    Dazu geht mir (als ehemalige langjährige gerichtlich beeidete Sachverstandige in einem anderen Metier) folgendes durch den Kopf ….Der Wolfsberater zw das Wolfsmanagement haben sich offensichtlich der Presse gegenüber dreimal in unterschiedlciher Weise geäussert (3 Veröffentlichungen eine JAWINA , zwei in er regionalen Presse ) . (1 Ausssage ) Spurenlage schlecht weil lange im Graben aber aus Rücksicht auf den Besitzer werde nicht mehr gesagt (2 Aussage ) Offene Wunde gesehen aber keine Bissspuren daher Wolfattacke wohl ausgeschlossen (3 Aussage ) Sprung in Graben und vorgefundene Wunde vermutlich zwei unabhängige Ereignisse. Schaut so aus, als hätte man sich auf drei verschiedene Gründe vorbereiten wollen, den Wolf mit Abschluss der Untersuchung auschliessen zu können (1) DNA nicht mehr aussagekräftig weil Besitzer das Pferd lange im Graben liegen gelassen hatte , was suggeriert, dass da mit dem Besitzer was nicht in Ordnung ist. Das Wurde durch Aussagen des Besitzers und anderer Zeugen dementiert (2) Pferd wurde schon tot angefressen für den Fall dass Nachnutzerspuren gefunden werden (3) Pferd wurde von jemandem andern in Graben getrieben oder ist spontan dort verstorben und Wolf kam vorbei und hat nachgefressen für den Fall dass Wolfs DNA gefunden wird, was auch durch sowohl die Fotoserie als auch die Aussagen das Verhalten der anderen Pferde betreffend, sowie der Meldung dass am selben Tag 2 Wölfe gesehen worden seien eher unwahrscheinlich erscheint……..Also entweder man sagt GARNICHTS, (wie das im Maulkorberlass des Ministeriums zu lesen ist) gegenüber der Presse und suggeriert in keine Richtung bis die Untersuchung abgeschlossen ist , oder …….. Auf diese Art wird durch drei unterschiedliche Presseaussagen und Veröffentlichungen der Boden dahingegehend vorbereitet, dass es sich bei der ganzen Meldung selbst um einen FAKE handeln würde noch bevor die Untersuchungen abgeschlossen sind, was man an den Kommentaren sowohl hier als auch im Netz ja wieder sehen kann. Hätte ich mich als Gutachter so verhalten oder in in meiner Arbeit so argumentiert, wäre ich nie mehr in eine Untersuchung eingebunden worden. So gegenüber der Presse zu agieren ist nicht nur gutachterlich unkorrekt, es ist auch dem Besitzer gegenüber absolut dreist. Als in der gleichen Gegend vor nicht allzu langer Zeit Pferde vom Wolf aus der Koppel gejagt wurden, hatte der damalige Besitzer Glück, dass das Geschehen selbst von 2 Zeugen beobachtet worden war. Nachdem die ausgesagt hatten, hatte man dann auch Spuren vom Wolf auf der Koppel gefunden. Wenn man die Vorgehensweise des Wilfsmanagements in allen bisher gemeldeten Fällen von Pferdeverletzungen oder Rissen betrahtet. hat man ganz den EIndruck dass da etwas “eigenartig” vorgegangen wird, da ja immer noch in den diesbezüglichen Veröffentlichungen behauptet wird, Pferde seien so wehrbar, dass sie keine Risse durch Wölfe zu befürchten hatten, was ja aus Erfahrungen in anderen La’ndern längst widerlegt ist. Die ganze Vorgehensweise hat ein “Gschmäckle” und um das wegnehmen zu können, bedürfte es ECHTER Transparenz durch Veröffentlichung der gesamten Untersuchungsergebnisse und zur Verfügungstellung für eine Second Opinion durch einen wirklich unabhängigen Gutachter, wie das bei Gericht in den entsprechenden Prozeduren so vorgesehen ist. Und Unabhängigkeit kann man von Wolfsberatern, die sich im Rahmen von Pro- Wolfsorganisationen engagieren oder dort angestellt sind, nicht zwingend voraussetzen , da die Möglichkeit eines Interessenkonfliktes eindeutig vorliegt. Das sollte vermieden werden.

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    1. Eva

      Ich denke als Gutachter sollte man korrekt lesen können, denn genau durch die eigene Interpretation einzelner Personen entstehen die Falschmeldung.
      In der Stellungnahme steht
      “Die offene Wunde am Hals lässt sicherlich den Rückschluß zu, dass ein Tier und nicht etwa eine Verletzung dafür verantwortlich ist. Ob dieses Tier auch dafür verantwortlich ist, dass der Wallach in den Graben geraten ist, oder es sich um zwei unabhängige Geschehnisse handelt, ist meinerseits völlig offen.”
      Ganz sicher steht in dem Artikel nicht “Sprung in Graben und vorgefundene Wunde vermutlich zwei unabhängige Ereignisse.”
      Durch die Veränderung wird suggeriert, dass schon eine Möglichkeit gegenüber einer anderen bevorzugt wird. Das IST Stimmungsmache!

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