Toter Wolf bei Klietz – Staatsanwalt: “Ein Meisterschuss!”

+++ Weiterer toter Wolf gefunden +++ Landwirte und Politiker streiten über Wolf +++ Wolf-Kompetenzzentrum in Sachsen-Anhalt geplant +++ Prof. Stubbe: Zehn Wolfsrudel reichen +++

Im Fall des bei Klietz (Sachsen-Anhalt) tot aufgefundenen Wolfs (JAWINA berichtete) scheint sich der Verdacht zu erhärten, dass das Tier erschossen wurde. Ein Sprecher der ermittelnden Stendaler Staatsanwaltschaft sagte gegenüber der Volksstimme: Der tödliche Schuss auf den Wolf sei “ein Meisterschuss” gewesen, “die Tötung sei von jemandem erfolgt, der mit einem Gewehr umgehen könne”. Eine Auffassung, die man so nicht unwidersprochen stehen lassen kann, schließlich benötigte der Schütze zwei Schüsse, um den Wolf zur Strecke zur bringen: Mit einem verletzte er das Tier nur, der zweite war dem Bericht zufolge “ein glatter Durchschuss”. Die Tierrechtsorganisation Peta hat derweil eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro für die Ergreifung des Täters ausgesetzt – ein vergleichsweise mickriger Betrag, nachdem der WWF in einem ähnlichen Fall mit satten 25.000 Euro vorgelegt hatte.

Ein weiterer toter Wolf ist in der Nähe des Truppenübungsplatzes Munster an der B 71 gefunden worden. Das Tier wurde vermutlich überfahren. In Brandenburg streiten sich Bauern mit der Politik über den Umgang mit dem Wolf, während Nutztierhalter im Landkreis Mittelsachsen fleißig Fördergelder für Herdenschutzmaßnahmen beantragen und genehmigt bekommen, obwohl es bislang noch keinen Wolfsnachweis in Mittelsachsen gibt. Insgesamt sind in Sachsen 2015 “rund 303.000 Euro an Nutztierhalter zur Wolfsprophylaxe ausgereicht worden”, wie die Freie Presse schreibt.

In Sachsen-Anhalt soll ein “Wolfs-Kompetenzzentrum” eingerichtet werden, wie Umwelt-Staatssekretär Klaus Rehda in der MDR-Sendung “Fakt ist!” ankündigte. Das Zentrum solle “Präventionsarbeit leisten und die Menschen im Land über den Wolf informieren”, schreibt der MDR. Einen Zeitplan zum Aufbau des Wolfs-Kompetenzzentrum nannte Rehada nicht. In den nächsten Jahren sollen dem Staatssekretär zufolge weitere Fördergelder zur Verfügung gestellt werden, “um Züchter und deren Tiere vor dem Wolf zu schützen”.

In der MDR-Sendung vertrat der Wildtierforscher Prof. Michael Stubbe die Auffassung, dass eine Begrenzung des Wolfbestandes notwendig sei. “Der Wolf sei ein hochgradig soziales Wesen: Männliche Tiere müssten das Rudel schnell verlassen, die Weibchen dann nach ein bis vier Jahren, um Inzucht zu vermeiden. “Wir brauchen zehn Rudel zum Genaustausch und keine 450 Rudel – das wäre Irrsinn”, so Stubbe””, zitiert der MDR. SE

Beitragsbild: Der tote Wolf von Klietz. Copyright: Landkreis Stendal

7 Gedanken zu „Toter Wolf bei Klietz – Staatsanwalt: “Ein Meisterschuss!”

  1. Anko

    “Ein Meisterschütze” und “glatter Durchschuss” laut Staatsanwaltschaft und ein “Jagdgewehr” als Tatmittel laut Amtstierarzt, wie Jawina ihn im ersten Artikel zu diesem Fall zitierte: Dank dieser geballten Expertise sollte der Meisterschütze mit dem glatt durchschießendem Jagdgewehr eigentlich bald ermittelt sein.

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  2. Joachim

    Es ist zu tiefst beeindruckend, welche Rückschlüsse gezogen werden und was wir über den Schützen erfahren konnten. Ursprünglich war ich davon ausgegangen, dass es sich bei dem Schützen um einen Deppen handelte, der einen Zufallstreffer mit einer Wasserspritzpistole gelandet hat.
    Doch angesichts der Meisterschaft des Schützen fordere ich nun die sofortige Verschärfung der Waffengesetzgebung.

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  3. MH

    Es ist schon merkwürdig. Wenn der Meisterschütze den Wolf mit zwei Schüssen an den Platz gebannt hat und Isegrim sich nicht mit einer weiten Todesflucht der Inbesitznahme entziehen konnte, warum hat der Täter ihn dann nicht zu verstecken versucht, um seine Missetat zu vertuschen? Oder wollte er aus irgendeinem Grund, daß der Wolf gefunden wird? Aber aus welchem? Damit die Spurensicherung, die hier gründlicher als bei manchem Fall, wo ein Mensch betroffen war, den Mordschützen ermittelt?

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    1. admin Beitragsautor

      Außerdem muss man sich eine Nachsuche auf einen möglicherweise krank geschossenen Wolf vermutlich nicht als allzu lustig vorstellen… Ich habe mal mit einem Autofahrer gesprochen, der einen Wolf überfahren hat. Er ging zum Straßengraben, weil er nachsehen wollte, was er da getroffen hat – das sehr laute, sehr tiefe und sehr unmissverständliche Knurren bewog ihn, sehr zügig in sein Auto zu steigen und bei geschlossenen Fenstern das Eintreffen der Polizei abzuwarten.

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  4. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Liebe Weidgenossen,
    lasst die Wölfe sich doch in Ruhe vermehren. Jeder illegal erlegte Wolf verzögert die Lösung des Problems. Erst wenn bei einer Wolfsgeschichte ein Mensch ernsthaft involviert ist, wird es eine gesellschaftliche Akzeptanz für eine jagdliche Regulierung des Grauen in Deutschland geben. Dass das in nicht allzu ferner Zukunft so kommen wird, steht doch fest. Und wie das Beispiel vieler europäischer Staaten zeigt, lässt sich der Wolf durchaus regulieren, ohne ihn erneut ausrotten zu wollen.

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  5. Joachim

    @ H.D. Pfannenstiel
    genauso ist es. Alles andere verhärtet die Situation und macht einen normalen Umgang mit dem Thema immer unwahrscheinlicher.

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