Toter Löwe Cecil: Berufsjägerverband schmeißt Guide raus

Die Zimbabwe Professional Hunters & Guides Association (ZPHGA) hat Zane Bronkhorst, einen der Guides, der den amerikanischen Zahnarzt Walter Palmer auf einen als Touristenattraktion bekannten Löwen namens Cecil führte, mit sofortiger Wirkung und auf unbestimmte Zeit ausgeschlossen. Das teilte die ZPHGA dem Guide in einem Jawina vorliegenden Schreiben mit. Der andere beteiligte Professional Hunter (PH), Theo Bronkhorst, ist nicht Mitglied der ZPHGA. In einem weiteren Schreiben, das der Jawina-Redaktion ebenfalls vorliegt, kündigt die ZPHGA gegenüber der Nationalpark- und Wildtier-Behörde Zimbabwes (Zimbabwe Parks & Wildlife Management Authority) eine eigene, unabhängige Untersuchung des Falls an.

Das Verhalten Zane Bronkhorsts stelle einen Verstoß gegen die mit der Mitgliedschaft in der ZPHGA verbundenen Pflichten dar, heißt es in ersterem Schreiben, und verletze den Ehrenkodex der Berufsjägervereinigung. Die beiden Guides hatten den Löwen mit einem Köder aus dem angrenzenden Nationalpark gelockt. Walter P. hatte den Löwen durch einen Schuss mit einer Armbrust nur verletzt, erst nach einer 40stündigen Nachsuche wurde er von den Guides erschossen. Der Fall hatte weltweit Abscheu und Empörung ausgelöst. Walter Palmer hat Medienberichten zufolge massive Morddrohungen erhalten und seine Zahnarztpraxis mittlerweile geschlossen.

Nach Ansicht von Insidern handelt es sich bei dem Abschuss, den der amerikanische Trophäenjäger nichtsahnend bei einem Safari-Unternehmen gebucht hatte, um Wilderei: Die beiden Jagdführer waren demnach nicht im Besitz der erforderlichen Löwen-Lizenz. Der Fall sei symptomatisch für den Niedergang des Jagdwesens in Zimbabwe, das einst vorbildlich gewesen sei und weltweit seinesgleichen gesucht habe, urteilt ein mit den Verhältnissen vor Ort vertrauter Jawina-Informant, der nicht namentlich genannt werden möchte. Die Enteignungen weißer Farmer durch die Regierung Robert Mugabes hätten dazu geführt, dass mitunter recht zwielichtige Gestalten auf den Farmen hausten. Die Nähe zum benachbarten Nationalpark und das viele Geld, dass mit der Trophäenjagd zu verdienen sei, hätten im Fall Cecil die jetzt zu beklagenden kriminellen Machenschaften ausgelöst.

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Schreiben der ZPHGA an Zane Bronkhorst.

Das renommierte Londoner International Institute for Environment and Development (IIED) setzt sich in einem auf der Webseite der Organisation veröffentlichten Beitrag mit den Folgen des Löwen-Abschusses auseinander. Rosie Cooney, Vorsitzende einer IUCN-Kommission, die sich mit Artenschutz, Ökologie, Nachhaltigkeit, Sozial- und Wirtschaftspolitik befasst, beschreibt dort die Folgen des Verbots der Großwildjagd in anderen afrikanischen Ländern:

“Nur in einigen landschaftlich reizvollen, leicht zugänglichen und gut erschlossenen Gegenden sei es möglich, vom Jagd- auf den Fototourismus umzusatteln. Andere Landbesitzer kehrten zur Vieh- und Ziegenhaltung und zum Getreideanbau zurück, um die Ausbildung ihrer Kinder finanzieren zu können, ein Auto zu bezahlen oder ihre Kredite abzuzahlen.

Mit ihrem Lebensraum verschwinden auch die Wildtiere auf diesen Farmen – die sich wieder in ökologisch verarmte Agrarsteppen wie in der Zeit vor den Siebziger Jahren wandelten, als die Nutzung der Wildtiere (inklusive Jagd) legalisiert wurde. Die Löwen, die auf diesen Ländereien lebten, seien lange fort, und die wenigen, die in den Nationalparks lebten, würden sofort als Problemtiere erschossen, sobald sie die Parks verließen.

Für Zimbabwe mag das Spekulation sein, schreibt Rosie Cooney, aber eine rational wohlbegründete. Denn es wäre nicht das erste Mal:

Das Verbot der Tropäenjagd in Tansania (1973-78), Kenia (1977) und Sambia (2000-03) beschleunigte vehemente Bestandsverluste von Wildtieren, weil die (finanzielle) Motivation zu ihrer Erhaltung abhanden gekommen war. Erste Berichte deuten darauf hin, dass eine ähnliche Entwicklung bereits in Botswana einsetzt, das im vergangenen Jahr jede Jagd verboten habe.”

(“Those with scenic landscapes that are easy to access and have adequate infrastructure can make enough from photo-tourism to be viable. But other landowners are returning to cattle, goats and crops in order to educate their children, run a car, pay their mortgages.

Wildlife on these lands has largely gone along with its habitat – back to the degraded agriculture landscapes from before the 1970s when wildlife use (including hunting) became legal here. Lions that were on these farmlands are long gone, and those that remain in national parks are shot as problem animals as soon as they leave the park.

Speculative? Yes, but a reasonable prediction. This has happened before.

Bans on trophy hunting in Tanzania (1973-78), Kenya (1977) and Zambia (2000-03) accelerated a rapid loss of wildlife due to the removal of incentives for conservation. Early anecdotal reports suggest this may already be happening in Botswana, which banned all hunting last year.”)

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Schreiben der ZPHGA an die Zimbabwe Parks & Wildlife Management Authority.

Rationale Argumente wie die von Rosie Cooney geäußerten, werden auf die überaus emotional geführte – und von interessierten (Spendensammel-) Organisationen angeheizte – Diskussion um die Trophäenjagd wohl den geringsten Einfluss nehmen. Das ist bedauerlich. Bedauerlich ist aber auch, dass sogenannte Jäger mit fragwürdigen Aktionen wie diesen die Anti-Jagd-Lobby immer wieder und überreichlich mit Propagandamaterial gegen Jagd und Jäger versorgen. SE

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