Tote Kälber: Nationalpark muss eigene Aussagen zurücknehmen

Der Streit um die tot aufgefundenen Kälber im Nationalpark Berchtesgaden (JAWINA berichtete) ist um ein weiteres bizarres Kapitel reicher: Nach einer Exkursion u.a. mit Vertretern des Bayerischen Jagdverbands (BJV) hatte die Nationalparkverwaltung offenbar eine Pressemeldung (PM) veröffentlicht, in der sie sich nicht nur selber von jedem Fehlverhalten freisprach, sondern dies auch noch den BJV-Vertretern in den Mund legte. In einem auf der PM des Nationalparks beruhenden Artikel im Berchtesgadener Anzeiger war zu lesen, “die Exkursionsteilnehmer hätten unisono bestätigt, dass der Nationalparkverwaltung keinerlei Fehlverhalten nachgewiesen werden könne”. Auf Druck des BJV müsse der Nationalpark nun zurückrudern und klarstellen, dass der Jagdverband “vor dem Hintergrund von zwei Strafanzeigen, die zum Thema Fallwild am Königsee gestellt wurden, […] den laufenden Ermittlungen nicht vorgreifen” wolle, wie es in einem Folgebeitrag im Berchtesgadener Anzeiger heißt. Nach der Veröffentlichung des ersten Artikels auf Grundlage der PM der Nationalparkverwaltung hatte der Rechtsanwalt Ernst Weidenbusch als anwaltlicher Vertreter von BJV-Vizepräsident Thomas Schreder einen Kommentar verfasst, in dem der Anwalt dem Nationalpark “erfundene Zitate und unwahre Behauptungen” vorwirft.

Dem Anwalt zufolge hat der Nationalpark sich selbst mittels erfundener Zitate z.B. fälschlich bescheinigt, dass Schreder dem Jagd- und Waldbaukonzept des Nationalparks vollumfänglich zustimme, während kritische Fragen, wie zum Beispiel “warum ein Nationalpark eine Schonzeitaufhebung überhaupt braucht” oder “warum ein Nationalpark einen Waldumbau vorantreiben muss und nicht eine natürliche Waldentwicklung zulässt” unterschlagen worden seien.

Ein erfundenes Zitat sei es auch, wenn der Nationalpark schreibt: “Auch die Vertreter des BJV bekräftigten, dass sie die Anschuldigungen des Vereins für haltlos erachten und betonten nach einer Ortseinsicht am Königssee die naturschutzfachliche Bedeutung der Strategie, das Fallwild liegen zu lassen.”. Schreder habe “in diesem Zusammenhang klargestellt, dass sowohl er persönlich als auch der BJV in laufende Verfahren nicht eingreifen und sich deshalb dazu nicht äußern”, stellt Anwalt Weidenbusch klar.

Pikant sind die “unwahren Behauptungen”, die dem Anwalt zufolge in dem Pressetext des Nationalparks vorgetragen worden sein sollen: “Durch die tierschutzgerechte Jagdausübung, die aufwändige Dokumentation und Verwertung der erlegten Tiere sowie durch interne Kontrollen ist auszuschließen, dass führende Alttiere erlegt wurden.” Im Gegensatz dazu sei “in dem Gespräch […] mehrfach von den Vertretern des BJV nachgefragt [worden], wie es sein kann, dass „laktierende (d.h. führende) Alttiere“ in die Vermarktung gekommen sind.”

Als unwahr gerügte Behauptung Nr. 2: “Alle Exkursionsteilnehmer bestätigten, dass der Nationalparkverwaltung keinerlei Fehlverhalten nachgewiesen werden könne.” Hierzu stellt der Anwalt fest: “Die Vertreter des BJV konnten aus den ihnen anlässlich der Exkursion von einer Seite gegebenen Informationen nicht feststellen, ob es ein Fehlverhalten gab. Ein Urteil zu den Vorhaltungen wurde von den Vertretern des BJV deshalb nicht abgegeben.”

Ein Urteil zu diesem Sachverhalt ist nur den Teilnehmern an der Exkursion möglich: Diese wissen, wer was gesagt hat – und wer sich Falschdarstellungen vorwerfen lassen muss. Sollte die Nationalparkverwaltung jedoch tatsächlich Zitate in dieser Weise erfunden haben, so ließe das tief blicken. Unsere Bitte um Stellungnahme hat die Pressestelle des Nationalparks bisher nicht beantwortet. Die Pressemitteilungen zum Thema sind auf der Internetseite des Nationalparks nicht verfügbar. red.

Beitragsbild: Verendetes Rotkalb im Nationalpark Berchtesgaden. Quelle: Wildes Bayern e.V.

4 Gedanken zu „Tote Kälber: Nationalpark muss eigene Aussagen zurücknehmen

  1. Frank Medwitz

    Irgendwie haben die Ökos wohl was geraucht, was erfinderisch macht:

    Die einen erfinden Wildschäden, die anderen erfinden Zitate.

    Können sich diese armen Menschen nicht mehr anders mit ihrer Ideologie durchsetzen als durch Schwindelei?

    Armselig!!!

    Antworten
    1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

      Ich bin Nichtraucher und Jäger…..das ist kein erfundenes Zitat sondern eine Metapher, die sich über Jahrhunderte aus der Lebenserfahrung im Volk gebildet und bis heute seine Berechtigung bewiesen hat.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.