Tirol: Landesjägermeister fordert Jagdgast-Datenbank

Die Diskussion um ein grausames Gamsjagd-Video reisst nicht ab: Der Tiroler Landesjägermeister Anton Larcher forderte jetzt die Einrichtung einer Datenbank, in der ausländische Jagdgäste erfasst werden sollen: “Damit wäre sichergestellt, dass wir und die Behörden vor dem Antritt einer Jagd wissen, wer bei uns in Tirol zu jagen gedenkt. Wer sich danebenbenimmt, dem steht keine Jagdkarte zu.”, sagte Larcher in der Tiroler Tageszeitung. Der Nutzen einer solchen Datenbank erscheint indes fraglich, denn zunächst müsste sich einer “daneben benehmen”, um im nächsten Schritt von Jagden in dem österreichischen Bundesland ausgeschlossen zu werden. Besser wäre es, wenn solche Vorkommnisse durch verantwortliches Handeln der beteiligten Jäger von vornherein ausgeschlossen würden.

Das auf YouTube veröffentlichte Video zeigt, wie eine krank geschossene und fluchtunfähige Gams von einem russischen Jagdgast an den Läufen gepackt und über die Felsen geschleift wird. Das Leiden des laut klagenden und stark schweißenden Tiers wurde erst nach langen und auch für den Zuschauer qualvollen Minuten durch einen anderen Jäger beendet, der das Tier mit der blanken Waffe abfängt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beteiligten Jäger und den Jagdgast wegen Verdachts auf Tierquälerei. Dieses Vergehen wird in Tirol mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr und einer Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen geahndet. Der Tiroler Jägerverband hat gegen zwei seiner Mitglieder ein disziplinarrechtliches Verfahren eingeleitet. Landesjägermeister Larcher zufolge liegt die Höchststrafe derzeit bei einem dreijährigen Lizenzentzug. Gegenüber der Tiroler Tageszeitung erklärte Larcher, er könne sich in diesem Fall auch den dauerhaften Entzug der Jagdlizenz vorstellen. Der Jagdpachtvertrag solle behördlich aufgelöst und das Revier in verlässliche Hände gegeben werden. SE

Bild: Szene aus dem Video. Copyright: YouTube

Ein Gedanke zu „Tirol: Landesjägermeister fordert Jagdgast-Datenbank

  1. Frank

    Genau das ist doch der Punkt – mal abgesehen davon, dass mir das gottlob felsverdeckte Abfangen des Stücks wie gnadenlose Klingenstümperei vorkam, frage ich mich, wieso der Jagdführer seinen Gast überhaupt zu dem Stück vorgeschickt hat. Insbesondere bei dem offenkundig schlechten Schuss wäre er vor jedem anderen – noch dazu dem Jagdgast – gefordert gewesen.

    Bin nun nur mal auf den Ausgang und die weitere Berichterstattung dazu hier gespannt. Normalerweise zeigen sich die österreichischen Jagdverbände – insbesondere der TJV – bei Jagdfreveln wesentlich weniger zimperlich in Sachen Verfolgung, als wir es hierzulande von unseren Verbänden gewohnt sind.

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