Tierquäler vor Gericht

Trächtige Ricke absichtlich überfahren – Polizei ermittelt verdächtige Motorradfahrer

Zwei besonders widerwärtige Fälle von Tierquälerei, begangen gegen Wildtiere, haben in den letzten Wochen für Abscheu und Empörung bei Jägern und Nichtjägern gesorgt: Zum einen der Landwirt, der vergangenen Oktober mit seinem Geländewagen auf einem Feld bei Böttstein im Schweizer Kanton Aargau eine Bache und ihre drei Frischlinge überfahren hatte. Während die drei Frischlinge sofort verendeten, blieb die Bache mit gebrochenem Rückgrat die ganze Nacht auf dem Feld liegen, bis ein Jäger sie am nächsten Morgen erlöste. An den vom Geländewagen hinterlassenen Reifenspuren war zu sehen, dass der Fahrer drei Mal gewendet hatte, um die Tiere zu erwischen. Der Landwirt hatte die Tat lange geleugnet, war jedoch durch Bewegungsprofile überführt worden, die von jedem Benutzer von Mobiltelefonen auch nachträglich erstellt werden können.

Jetzt ist der Täter vom Bezirksgericht Zurzach zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, bedingt auf zwei Jahre – das entspricht der deutschen Bewährungsstrafe – und einer Geldbuße von 4000 Franken verurteilt worden. Außerdem muss er Gerichts- und Anwaltskosten in Höhe von 10.000 Franken tragen. Vor Gericht hatte sich der Mann mit den durch die Wildschweine verursachten Schäden zu rechtfertigen versucht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nicht minder verroht und verkommen agierten die acht Motorradfahrer, die Ende Februar bei Malchin in Mecklenburg-Vorpommern eine trächtige Ricke hetzten und mehrfach überfuhren. Als Jäger die Ricke am nächsten Morgen mit gebrochenen Läufen und massiven inneren und äußeren Verletzungen in den Reifenspuren fanden, lebte das Tier noch und musste von seinen Qualen erlöst werden. Nachdem die Polizei Medienberichten zufolge den Vorfall zunächst nicht ernst nahm und keinen Streifenwagen zum Tatort schicken wollte – wofür sich eine Sprecherin mittlerweile entschuldigt hat – intensivierten die Beamten auf den öffentlichen Druck hin die Ermittlungsarbeit.

Mit Erfolg: “Den Ermittlern des Kriminalkommissariats Neubrandenburg (Außenstelle Malchin) ist es gelungen, acht Personen zu ermitteln, welche nach derzeitigem Erkenntnisstand für das Überfahren eines Rehs verantwortlich sein können”, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei: “Nach der ersten Veröffentlichung des Sachverhaltes durch die Medien gingen Hinweise bei der Polizei ein, welche die Beschuldigten in den Fokus geraten ließen. Zwischenzeitlich waren zwei der Personen bei den Vernehmungen geständig. Die sechs anderen wurden zur Vernehmung vorgeladen. Durch die Ermittlungen konnten auch Verkehrsdelikte, wie Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz und Fahren ohne Fahrerlaubnis, aufgeklärt werden. Nach Abschluss der Ermittlungen wird der Vorgang an die Staatsanwaltschaft übergeben.” SE/PM Polizei

Beitragsbild: Absichtlich überfahren – ein bei einem Wildunfall getötetes Wildschwein wird bei einem Projekt zur Erforschung von Wildunfällen überrollt. Copyright: SE

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