Tierfreunde gegen Drückjagden zur ASP-Vorbeugung

Der Bund für Tier- und Naturschutz Ostwestfalen (BfTuN), offenbar nicht identisch mit dem BUND) äußert dem Westfalen-Blatt zufolge “Kritik” an der heute stattfindenden Drückjagd auf Schwarzwild in Bielefeld, an der mehr als 100 Jäger teilnehmen sollen. Die Jagden dienen der Reduktion der Schwarzwildpopulation, um das Seuchenrisiko im Fall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu reduzieren. Ob “Kritik” tatsächlich die passende Bezeichnung für die von der Provinzzeitung kritiklos übernommenen Anschuldigungen darstellt oder Mode-Termini wie “Hetze” oder “Hassrede” nicht vielleicht doch eher zutreffen, möge der geneigte Leser selbst entscheiden: Bei Drückjagden auf Wildschweine in Hessen würden nur etwa ein Drittel der Tiere mit Blattschuss erlegt, so die Tierfreunde: “Mehr als 60 Prozent der Tiere habe man “am Rückenmark schwer verletzt, ein Bein zersplittert oder den Kiefer weggeschossen”. “Viele der angeschossenen Tiere würden auch bei Nachsuchen nicht aufgefunden, so dass “schwer verletzte Schweine irgendwo im Dickicht verbluten, verhungern oder ihr Leben als Krüppel” weiterfristen müssten. Versprengte Frischlinge fänden oft nach ihrer panischen Flucht nicht zur Rotte zurück, die für sie lebenswichtig ist.” Als Belege für diese Behauptung führt der BfTuN die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) an.

Der Arbeitskreis “Wildtiere und Jagd” der TVT hat auf der TVT-Internetseite eine “Stellungnahme der TVT AK Wildtiere und Jagd zu Bewegungsjagden (Stand: 2011)” veröffentlicht, in der sich die Behauptung des BfTuN tatsächlich wiederfindet: “So wurde bei Drückjagden auf Schwarzwild in Hessen nur etwa ein Drittel mit Blattschuss erlegt, der Rest der Strecke wies Waidwund-, Keulen- oder Laufschüsse auf. Rehwild wies bei ca. 30 % der männlichen und ca. 60% der weiblichen Tiere Bauchschüsse auf.” Dabei bezieht sich die TVT auf eine – ja was? Studie? private Mitteilung? subjektive Schätzung? bloße Behauptung? – eines oder einer gewissen “Krug, unveröffentlicht”.

Eine einzige und dazu noch unveröffentlichte “Untersuchung” – so dass niemand deren Qualität oder Validität überprüfen kann – wird hier also angeführt, um hemmungslos zu verallgemeinern und schwerste Anschuldigungen gegen Jäger im Allgemeinen und Drückjagdteilnehmer und -veranstalter im Besonderen vorzubringen. Die TVT hat übrigens auf unsere Aufforderung, uns die genannte Untersuchung zu übersenden (und zu der Frage Stellung zu nehmen, ob die Verwendung der ominösen Untersuchung in der beschriebenen Weise sich mit ihren Vorstellungen von Seriosität verträgt) bislang nicht reagiert…

Unerhörte, unbewiesene Vorwürfe

Aber die Tierfreunde vom BfTuN setzen nicht nur einen drauf, sondern eine ganze Kanonade unbewiesener und ungerechtfertigter Vorwürfe: So erhöhten Drückjagden “zwangsläufig” die Anzahl der Wildunfälle, auch führe die “rücksichtslose Bejagung” der WIldschweine zu keinem Populationsrückgang, die Jagden seien folglich “purer Aktionismus aus Steuergeldern finanziert”, den sich die Bundesländer “mehrere Millionen Euro kosten” ließen.

Als wäre das alles noch nicht genug, macht der BfTuN die Jäger auch gleich noch für die Ausbreitung der ASP verantwortlich: Schließlich bringe “vor allem der Jagdtourismus” ein erhöhtes Risiko für einen ASP-Ausbruch mit sich. “Osteuropäische Nachbarländer, in denen die Schweinepest bereits grassiere, seien besonders beliebte und viel besuchte Jagdgebiete für deutsche Jäger”, wird da behauptet und “Kleidung, Schuhwerk und Jagdgeräte nach jedem Jagdausflug so zu desinfizieren, dass eine Weiterverbreitung der Viren ausgeschlossen ist, scheint illusorisch”, wie das Westfalen-Blatt aus einer Stellungnahme der BfTuN zitiert.

Dass diese Aneinanderreihung schlecht oder gar nicht belegter angeblicher Tatsachenbehauptungen von den Redakteuren des Westfalen-Blatts nicht an einer Stelle hinterfragt wird, dass den vermeintlichen Fakten weder nachrecherchiert wird, noch eine Gegenmeinung zu Wort kommt, sondern diese ganzen ungeheuerlichen und abstrusen Vorwürfe ungeprüft übernommen werden und dem Leser als durch “Erfahrungen” und “Untersuchungen” belegte Wahrheiten präsentiert werden, stellt einen eklatanten Fall journalistischen Totalversagens dar. Von Qualitätsjournalismus hat sich das Westfalen-Blättchen offenbar schon lange verabschiedet. SE

Beitragsbild: Mit sauberem Blattschuss erlegte Drückjagd-Sau. Foto: SE

 

2 Gedanken zu „Tierfreunde gegen Drückjagden zur ASP-Vorbeugung

  1. Johannes

    Da ist wohl eine Anzeige fällig !
    Da müssen unsere Verbände sofort Anzeigen erstatten auch gegen die Zeitung und die Redakteure wenn das möglich ist.

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    1. Keule

      Das wird nichts bringen. Eher eine Beschwerde beim Presserat (wird auch nichts bringen) oder bei der Chefredaktion bzw. dem Verlag.

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