Thüringen: Visite beim Dauerpatienten Wald

Neue Forschungsergebnisse erfordern differenzierte Waldzustandsdiagnose

Wer dieser Tage in Thüringens Wäldern unterwegs ist, wird möglicherweise uniformierten Herren begegnen, die mit Ferngläsern angestrengt in die Baumkronen starren. Doch es besteht kein Anlass zur Beunruhigung: Es handelt sich um die Experten der Waldzustandserfassung (WZE) bei der Arbeit.

Rund 60 Forstexperten werden in den nächsten Wochen rund 8472 Probebäume in ganz Thüringen auf ihren Zustand hin untersuchen. Durch die okulare Einschätzung von Blatt- und Nadelverlusten in den Baumkronen werden seit 1991 im Freistaat Informationen über den Gesundheitszustand des Waldes erhoben. Auch wenn das jährlich durchgeführte relativ einfache Diagnoseverfahren mit Fernglas und Schreibbrett seit dieser Zeit unverändert blieb, so hat sich die Interpretation der erhobenen Daten im Lichte neuer Forschungsergebnisse deutlich verbessert. Denn der Wald, so die Experten von ThüringenForst, war noch nie 100 % gesund.

BerndScholz

Forstexperte Bernd Scholz taxiert einen Probebaum für die Waldzustandserhebung 2013 Copyright: ThüringenForst

Allein die jährlichen und periodischen Schwankungen von Bodenzustand, Wasserversorgung und Sonneneinstrahlung haben unmittelbar Einfluss auf die Kronenausbildung der Bäume. Auch ist ein starkes Baumwachstum durch breite Jahrringe nicht zwangsläufig mit einem guten Gesundheitszustand gleichzusetzen. Durch den vom Menschen verursachten Klimawandel führen milde regenreiche Winter und verlängerte Vegetationsperioden sowie die seit Jahren fast unvermindert hohe Stickstoffeinträge zur verstärkten Produktion von Biomasse. Die oft genug formulierte pauschale Annahme, früher war der Wald gesünder, können selbst Forsthistoriker leicht widerlegen: die durch Waldweide und Streunutzung ausgelaugten Waldböden haben sich im Vergleich zu früheren Jahrhunderten dramatisch verbessert und zeigen heute ein beachtliches Nährstoffangebot. Vor dem Hintergrund dieser neuen Forschungserkenntnisse bleiben auch die Ergebnisse der diesjährigen Waldzustandserhebung von größtem Interesse für die Forstpraktiker. PM ThüringenForst

Beitragsbild: Stefan Fabig bei der WZE (Copyright Thüringenforst)

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