Thüringen: Rote Karte für das Landesjagdgesetz

Beim 28. Landesjägertag Thüringen, der am 5. Mai in Niederorschel (Landkreis Eichsfeld) stattfand, lehnten der Landesjagdverband Thüringen (LJVT) und die Vertreter anderer Landnutzerverbände die geplante Novellierung des Landesjagdgesetzes einhellig und entschieden ab.

In seinem Grußwort lobte Staatssekretär Sühl die “wohl ausführlichste und fachlich beste Stellungnahme des Landesjagdverbandes zum Gesetzentwurf des geplanten neuen Landesjagdgesetzes, teilte aber zugleich auch mit, dass man beabsichtige, das Gesetz bis zum Jahresende basierend auf den zwischen den Ministerien getroffenen Vereinbarungen durchzusetzen”, berichtet LJVT-Geschäftsführer Frank Herrmann.

Dazu erklärte LJVT-Präsident Steffen Liebig: “Wir haben den Gesetzentwurf in der vorliegenden Fassung abgelehnt, weil keine der im 1,5-jährigen Diskussionsprozess ausgehandelten Konsensvorschläge mehr enthalten waren. Dafür, meine Damen und Herren, wurden neue Prämissen, die im gesamten Diskussionsprozess nicht thematisiert wurden, durch das TMUEN (Umweltministerium), das Tierschutzreferat des TMASGFF (Gesundheitsministerium) und das TMIK (Innenministerium) eingebracht. Die hier eingebrachten neuen Regelungen widersprechen z.T. dem Grundgesetz, halten einer fachlichen Prüfung nicht stand und heben teilweise das Naturschutzrecht über das Jagdrecht, hebeln also Paritäten aus, an denen nicht gerüttelt werden darf. Teilweise beinhaltet es Angriffe auf Rechte des Grundeigentums – Jagdrecht ist ein solches Recht.”

LJVT-Präsident Steffen Liebig. Quelle: LJVT

Liebig kritisierte in seiner Rede (die Lesefassung der gesamten Rede steht hier zum Download bereit) unter anderem das geplante Verbot von Totschlagfallen und bleihaltiger Schrot- und Büchsenmunition, die Verkürzung des Katalogs jagdbarer Arten sowie die Absicht des Gesetzgebers, die Verwendung von Schalldämpfern nur einem ausgewählten Personenkreis gestatten zu wollen.

Bei Thema Wolf forderte Liebig das Ende des “überzogenen Einzelschutzes des Wolfes”, ein bundeseinheitlich geregeltes Wolfsmanagement und die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht: “Man kann die Populationsentwicklung nicht mehr nur räumlich begrenzt betrachten, nein, ein Gesamtkonzept muss her, weg von den unzähligen Landesmanagementplänen, die im Wesentlichen nur die Entschädigungszahlungen festlegen und den Umgang mit sogenannten Problemwölfen regeln sollen, was ja auch nicht so funktioniert, wie man es ehemals festgelegt hat.”

Die Jungen Jäger Thüringen stellen sich vor. Quelle: LJVT

“Bewaffnete Eingreiftrupps” lehnten die Jäger ab, der erste Ansprechpartner im Revier müsse  der Jagdausübungsberechtigte vor Ort sein, so Liebig weiter: “In Schweden gibt es 300 Wölfe, in Norwegen gibt es 100 Wölfe, in Finnland gibt es 200 Wölfe, in der Slowakei gibt es 250 Wölfe – in all diesen Ländern wird regulierend eingegriffen. Deutschland mit der dichtesten Bevölkerungsdichte hat 800 Wölfe – und diese in nur wenigen Bundesländern aber ohne Regulierung, sozusagen nach oben offen. Die Akzeptanz des Wolfes schwindet, und der überzogene Schutz wird von unserer Bevölkerung – zumindest in den Bundesländern, die massiv davon betroffen sind – nicht mehr toleriert.”

LJVT-Geschäftsführer Frank Herrmann berichtet, dass nach Einschätzung des LJVT-Vorstands das sich etablierende Bündnis der Landnutzerverbände auf diesem Landesjägertag deutlich gestärkt wurde. Man bemerke auch “ein deutliches Zusammenrücken der LJV-Mitglieder im gemeinsamen Kampf um den Erhalt eines bewährten und praxisorientierten Thüringer Jagdgesetztes.”

Bereits in der internen Vormittagsveranstaltung signalisierten die Delegierten der Kreisgruppen des Landesjagdverbandes ihre unbedingte Bereitschaft, für den Erhalt ihres Gesetzes auch auf die Straße zu gehen, so Herrmann: “Dieser Bereitschaft schlossen sich auch die Vertreter der als Gäste anwesenden Landnutzerverbände an. Auch der Vizepräsident des Deutschen Jagdverbandes, Dr. Hermann Hallermann, sicherte basierend auf den in NRW gemachten Erfahrungen  die Unterstützung sowohl des DJV wie auch der anderen Landesjagdverbände zu.”

Beitragsbild: Abstimmung der Delegierten: Rote Karte zum Jagdgesetzentwurf. Quelle: LJVT

2 Gedanken zu „Thüringen: Rote Karte für das Landesjagdgesetz

  1. Harzjäger

    Ich bin gerne Bereit 100,00E zu spenden wenn der Landesjagdverband gegen dieses neue Jagdgesetz Klage einreicht.

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