Thüringen: Rehwildjagd Mitte April eröffnet

Thüringen: Rotwildhegegemeinschaft hält Rotwild im Harz wegen intensiver Bejagung für gefährdet

Um die “die von Sturm und Dürre geschwächten Wälder” vor Fraßschäden zu bewahren, eröffnet das Forstamt Sondershausen (Kyffhäuserkreis) die Jagd auf Rehbock und Schmalrehe schon zum 15. April und damit zwei Wochen vor dem regulären Beginn der Jagdsaison am 1. Mai. Gegenüber der Thüringer Allgemeinen begründete der Forstamtsleiter mit den durch Trockenheit, Borkenkäfer und Sturmschäden geschwächten Baumbeständen und dem Klimawandel: Durch letzteren treiben die Bäume früher aus, die frischen Sprossen stünden auf der Speisekarte der Rehe ganz oben. Würden die Rehe nicht bejagt, so könnten Baumarten wie Ahorn, Esche, Tanne oder Douglasie “bald ganz verschwunden” sein, so der Förster. Dass der Wald zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht voll belaubt ist, erhöhe zudem die Jagdchancen. Während im Eichsfeld das Rehwild bereits ab 1. April bejagt werden dürfe, habe die Kreisverwaltung den vorgezogenen Beginn der Jagd für den Unstrut-Hainich-Kreis abgelehnt. Die Vorverlegung der Jagdsaison sei nur für die besonders stark geschädigten Flächen beantragt worden.

Derweil sorgt sich die neu gegründete Rotwildhegegemeinschaft Harz um den Fortbestand des Rotwilds im Harz: Die “radikale Bejagung” durch Thüringenforst und Stiftforstbetrieb und die aktuell betriebene Ausweitung der gesetzlichen Jagdzeiten habe die Bestände mancherorts derart dezimiert, dass “die herbstliche Rotwildbrunft im Raum Sophienhof praktisch nicht mehr stattfindet”, klagen Vertreter der Hegegemeinschaft in der Thüringer Allgemeinen. Das Rotwild werde bald nicht mehr erlebbar sein, wie es Generationen zuvor erlebt hätten. Auch der ehemalige Revierförster in Sophienhof, hält den Bestand des Rotwildes für “enorm gefährdet”, berichtet die Zeitung.

Die zur Begründung der scharfen Rotwildbejagung angeführten Schäden seien verursacht durch falsche Winterfütterung, geändertes Freizeitverhalten und Wegfall von Äsungsflächen außerhalb des Waldes, die entweder nicht mehr vorhanden seien oder werden durch landwirtschaftliche Nutztiere beweidet werden. Der erhöhte Jagddruck spielt sicherlich auch eine Rolle. Am 18. April veranstaltet die Hegegemeinschaft eine Podiumsdiskussion im Hotel mit dem zum Anlass passenden Namen „Zur Hoffnung“ in Werther (Neuer Weg 34, 99735 Werther) ein. Als Referenten konnte u.a. der Wildbiologe Sven Herzog von der Technischen Universität Dresden gewonnen werden. red.

Beitragsbild: Erlegter Rehbock (Archivbild). Foto: SE

 

2 Gedanken zu „Thüringen: Rehwildjagd Mitte April eröffnet

  1. Peter-C.Neigenfind , Öffentlichkeitsarbeit JV Bernau

    Die Selbstherrlichkeit der Forstbehörden ist kaum noch zu über bieten. Erst wird die Jagdzeit auf den Rehbock bis 31.1. verlängert um dann noch auf den 15.4. vorzuziehen.
    Und alles jetzt unter dem Deckmantel das sonst viele Baumarten verschwinden. Versuchte Gewinnmaximierung dürfte der ware Grund sein. Wann startet der Versuch die Schonzeiten für alles Schalenwild abzuschaffen?

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  2. Hubert Waidele

    Wieder mal so ein Schwachsinn, kaum ist der Winter vorbei, gibt’s schon wieder auf die Rübe. Wenn dem Wild keine Ruhe gelassen wird braucht man sich nicht zu wundern, wenn es Schaden geht. Gerade im Frühjahr muss das Wild wieder die Reserven auffüllen, Wildbiologisch absolut falsch.

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