Thüringen: Ohrdrufer Wölfin hat erneut Hybriden gewölft

+++ NRW: Umweltministerin verspricht Entschädigung für von Wölfen gerissene Pferde +++ Brandenburg: DVO-Probleme und kein Ende – Bisamfänger sollen Jagdschein machen +++ Österreich: SPÖ-Politiker fordert Abschuss von Wölfen und Bären +++

Die Ohrdrufer Wölfin hat erneut einen Wurf Wolfs-Hund-Mischlinge zur Welt gebracht. Eine Fotofallenaufnahme vom 20. Juli 2019 zeigt drei Jungtiere ohne Elterntier, wie das Thüringer Umweltministerium mitteilt: “Nach erster Einschätzung handelt es sich dabei um Wolf-Hund-Hybride. Auf der Aufnahme sind zwei schwarze und ein graues Jungtier zu sehen.” Bereits 2017 hatte die Wölfin sechs Hybriden gewölft, von denen vier mittlerweile entnommen wurden. Der Verbleib der übrigen zwei ist unbekannt. Möglicherweise hat ein Hybridrüde aus dem vorigen Wurf nun die neuen Hybriden gezeugt. In Abstimmung mit der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) will das Thüringer Umweltministerium nun versuchen, die Hybriden mit Kastenfallen einzufangen – was schon beim vorigen Wurf nicht funktioniert hat. Sollt der Fang glücken, sollen die Tiere “in den Alternativen Bärenpark nach Worbis kommen”, so das Ministerium. Damit handeln die Behörden nach den Vorgaben des Thüringer Wolfsmanagementplans. Dieser schreibt aus Artenschutzgründen das Entnehmen von Wolf-Hund-Hybriden aus der freien Wildbahn vor. Im Gehege in Worbis leben bereits Bären. Sie könnten sich zukünftig das Areal mit den Wolf-Hund-Hybriden teilen. Sollte es auch dieses Mal nicht gelingen, die Mischlinge einzufangen, dürften die Hybriden wieder zum Abschuss freigegeben werden.

Thüringer Schäfer fordern indes auch den Abschuss der Ohrdrufer Wölfin. Der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Thörey, Siegmar Arnold, erklärte gegenüber dem MDR, es sei “vollkommen untypisch, dass die Wölfin bereits zum zweiten Mal Mischlingsnachwuchs bekommen” habe. Er kündigte an, den Abschuss der Wölfin “wegen artuntypischen Verhaltens” beantragen zu wollen. Nutztierhalter in der Region beklagen, dass die Nutztierrisse zunähmen, wenn die Wölfin Nachwuchs habe. Die Ohrdrufer Wölfin habe zudem gelernt, Herdenschutzmaßnahmen zu überwinden und gebe dies an ihre Nachkommen weiter.

Auch der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Gotha, Niko Scheringer, erklärt im MDR die Ohrdrufer Wölfin zur Problemwölfin, da sie und die Nachkommen aus dem ersten Wurf “seit 2017 etwa fünfmal so viele Nutztiere gerissen wie ein durchschnittliches Rudel in Deutschland.” CDU, AfD und FDP unterstützen einem RTL-Bericht zufolge Forderungen nach Abschuss der Wölfin.

Silvester Tamas vom Nabu Thüringen hält das Verhalten der Wölfin laut MDR hingegen für “ganz normal.” Er fordert vermehrte Anstrengungen beim Herdenschutz und konsequentes Vorgehen gegen streunende Hunde im Wolfsgebiet. SE

Beitragsbild: Wolfshybriden aus dem 2017er Wurf in der Nähe des Truppenübungsplatzes Ohrdruf. Quelle: Bundesforst/Umweltministerium Thüringen

7 Gedanken zu „Thüringen: Ohrdrufer Wölfin hat erneut Hybriden gewölft

  1. Ralf

    “…Er fordert vermehrte Anstrengungen beim Herdenschutz und konsequentes Vorgehen gegen streunende Hunde im Wolfsgebiet.”
    Sind Wolfhybriden jetzt zu schützende Wölfe oder zählen sie als Hunde? Ist Herdenschutz in Zukunft eher Schutz gegen Wolfhybriden oder Hunde?
    Aus meiner Sicht nimmt das Ganze komische Züge an. Ein Polizeibeamter kann beim Verkehrsunfall mit einem “wolfartigen” Tier nicht erkennen, ob es ein Wolf oder ein Wolfhybrid (oder Hund?) ist. Wie soll das noch weitergehen?

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Eine Tier- oder Pflanzenart aus wissenschaftlicher Sicht zu definieren, ist im Zeitalter der Molekulargenetik nicht einfacher geworden. Als einfache und in der Praxis meist ausreichende Definition kann man Individuen als zu einer Art zugehörig bezeichnen, wenn sie zumindest potentiell untereinander fertil kreuzbar sind und das auch auf die Nachkommen zutrifft. Das Verflixte bei Wolf und Hund ist nun, dass nach dieser Definition die Artgrenze bei der Domestikation des Hundes aus wölfischen Vorfahren nie überschritten wurde. Hunde stellen also keine neue Art dar. Hund und Wolf erkennen und behandeln sich deshalb gegenseitig auch als Artgenossen. Klar ist aber auch, dass die Art Canis lupus (Wolf) durch immer mehr Hundegene in ihrem Phänotyp verändert wird. Man könnte sagen, Wölfe sind dann nicht mehr reinrassig. Aber genau das will ja der Artenschutz aus guten Gründen verhindern. Eigentlich . . . , de facto aber wird dieses Wolf-Hund-Hybridisierungsproblem von fanatischen Lupophilen einfach ausgeblendet, und unter deren Druck werden dann vom Gesetzgeber und von Behörden solche idiotischen Verrenkungen gemacht, wie gerade in Thüringen zu beobachten. Konsequenter Artenschutz bedeutet: alle Hybriden müssen samt dazugehörender Fähe unverzüglich (ohne schuldhaftes Zögern) erlegt werden. Wo bleibt der Aufschrei des Tierschutzes, wenn eingefangene Hybriden lebenslänglich in einem Gatter eingesperrt werden sollen? Übrigens haben wir in Deutschland mit dem Biber auch ein Artenschutzproblem, das verschwiegen wird. Unsere Biber stammen aus verschiedenen geografischen Rasse oder Unterarten, die sich nun fröhlich vermischen.

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  3. Rotkäppchen Wolf

    Ist die Ohrdrufer “Wölfin” vielleicht selbst ein Wolfshund/Hybride? – welches jetzt bei ihren Welpen jetzt sichtbar wird?
    Wolfshybriden sollten kastriert und die Züchtung und Haltung zudem verboten werden. Wieviel Wölfe sind in Wirklichkeit Hybriden und beim Überfall auf Haustiere ist es ja dann nur ein streunender Hund gewesen? Ideal für die Wolfsverliebten!

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  4. Joachim

    Wäre es nicht so traurig, ich würde mich totlachen, dass ausgerechnet die ideologischen Wolfsfreunde den Wolf zu grunde richten.
    So ist das eben, wenn man Wissen durch Ideologie ersetzt. Wünsche weiterhin viel Freude mit dem Projekt !

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  5. Ronbi

    Es soll forensische Genlabore geben, die ganz genau zwischen Wolf, Mischling und Hund unterscheiden können.
    Die sagen auchnoch, wieviel amerikanischer Wolf in ihrem deutschen Hund steckt.
    Man muss denen halt nur den Auftrag und das Genmaterial geben.

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