Thüringen: Im Auge des Shitstorms

Weil er – völlig legal – in Botswana einen Elefanten schoss, ist ein Abteilungsleiter im Thüringer Umweltministerium von einer so erwartbaren wie unreflektierten Empörungswelle überspült worden. Kommentarschreiber fordern unter dem Beifall der Mitforisten, den Beamten wahlweise “abzuknallen” oder den Löwen zum Fraß vorzuwerfen, Petitionen mahnen berufliche Konsequenzen an (mindestens!), und die Hohenpriester der multimedialen Empörungsmaschinerie – grüne und linke Politiker – grölen mit Volkes Stimme im Entrüstungschor (der immer ungenierter altbekannte Motive wie “Hängt ihn auf!” und “Tod den Andersdenkenden!” anklingen lässt) und verlangen die Entlassung des “unzumutbaren” Beamten.

Bezeichnenderweise sind es nicht die selbsternannten “Qualitätsmedien” und schon gar nicht die zwangsgebührenfinanzierten Staatsfunker, die den hochkochenden Volkszorn mit Vernunft und Mäßigung abzukühlen und der Hysterie und selbstgerechten Empörung mit Argumenten beizukommen trachten: Sondern ein Gastautor auf der Internetseite “Die Achse des Guten”, die von einem Zusammenschluss unabhängig denkender Journalisten und Schriftsteller betrieben wird. In seinem brillanten Beitrag “Elefanten-Krawall in Thüringen” stellt Gunnar Dieling klar, dass legale Elefantenjagd weder gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen, noch gegen den Artenschutz verstößt. Und erinnert daran, dass das Konzept “Schutz durch Nutzung” nicht nur in Afrika weitaus besser funktioniert, als das konkurrierende Modell des Käseglocken-Naturschutzes.

Dieling kritisiert “die Arroganz und die Überheblichkeit derjenigen, die wie selbstverständlich gegen die Jagd von Elefanten mobil machen”, weil sie sich “mit ihrer Ansicht derart moralisch überlegen” fühlen, und denen das “Spannungsfeld zwischen landwirtschaftlicher Nutzfläche, Ernährung, Bevölkerungszunahme und Elefantenpopulation in Botswana (…) völlig gleichgültig” ist.

achgut

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Bild: Screenshot der Internetseite, Copyright achgut.com

Der von den Mobstern postulierten “Unvereinbarkeit der Tätigkeit als Zentralabteilungsleiter im Umweltministerium mit dem Hobby als Großwildjäger” begegnet Dieling mit der Frage “inwieweit eine grundrechtlich geschützte Privatangelegenheit eines Beamten nicht nur geeignet sein kann, an seiner Befähigung für das Amt zu zweifeln, sondern darüber hinaus sogar vom Umweltminister die Entlassung des betreffenden zu fordern.” Dieling attackiert Bodo Ramelow, “der es unzumutbar findet, dass ein sich für Artenschutz engagierender Bürger auf einen Beamten mit einer abweichenden Meinung trifft.” “Das,” schreibt Dieling, “gab es bereits in Deutschland. Zwischen 1933 und 1945 und im Osten bis 1989. Man nennt es Gesinnungsschnüffelei und es ist verfassungswidrig.” Aber, so Dieling weiter “es wäre interessant zu erfahren, welche weiteren Meinungen ein Beamter im Umweltministerium nicht haben darf, oder noch besser, welche er haben sollte, etwa zur Atomkraft, zum Klimawandel, zu erneuerbaren Energien, zum Fracking und zur grünen Gentechnik – alles Themen, bei es denen üblicherweise mehr auf die „richtige“ Haltung ankommt als auf Fakten.”

SE

 

3 Gedanken zu „Thüringen: Im Auge des Shitstorms

  1. AH

    Der Fall ist doch eindeutig. Der Herr aus dem Thüringer Landesamt hat unter Lebensgefahr die Sache selbst in die Hand genommen. Er hat aktiven Tierschutz betrieben, Umwelthilfe in der dritten Welt geleistet und das alles mit einer Beamten-Besoldung in seinem Urlaub. Meine Hochachtung. Da können sich seine wortgewaltigen Gegner eine Scheibe von abschneiden bzw. sich selbst aktiv in der Weltverbesserung üben.

    PS: Man sollte dem Mann den Urlaub als Dienstreise anrechnen!

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  2. dje

    Welche Position jeder Einzelne im Endeffekt auch einnimmt, und das ist meine Wahrheit, stehen wir nur vor Menschen gemachten Problemen. Da können wir uns in alle Richtungen unser sozialen und ökologischen Umwelt umschauen.

    Wir fällen keine Bäume (nachhaltig oder nicht) damit es dem Wald besser geht, sondern uns.
    Wir fällen keine Elefanten weil es der Tierpopulation dadurch besser geht, sondern uns. Wenn man sich in ökologischen Milieu der Elefanten umsieht wir man feststellen das ihr Lebensraum von uns eingeschränkt wird. Ergo müssen wir dadurch, seine Population gering halten damit er unsere Felder und somit unser Essen nicht zerstört.
    Wir sind in unserer Gier und Jagd nach Ressourcen unersättlich.
    Wir stehen vor einem riesigen Berg hausgemachter Probleme und es steht nicht in dem Interesse von irgendeinem Menschen, diese nachhaltig zu lösen. Wir sind gemütlich und faul. Wenn es passiv geht, wird es aktiv nicht gemacht. Der Weg des geringsten Wiederstandes wird gewählt.

    Die Empörung über den Tod dieses Elefantenbullen ruht nicht in dem Akt an sich, sondern in dem was Tief darunter steckt. Was Udo W. gemacht hat, ist nur ein Symptom unserer Gesellschaft. Wir leben als die Herren dieses Planeten und wir sind nicht nett.

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