Thüringen: Grüner Staatssekretär für Problemwolf-Abschuss

+++ Deutschlandweite Protestaktion: Mahnfeuer gegen Wölfe +++ Südtirol: Nach “Albtraum-Sommer: Landtagsabgeordneter will “Tiere entfernen – legal oder illegal” +++ Rumänien: Hunderte Bären und Wölfe zum Abschuss freigegben +++

Erneut sind zwei Schafe und eine Ziege in der Umgebung des Truppenübungsplatzes Ohrdruf in Thüringen gerissen worden. Mehr als 50 Nutztiere sind dort in den vergangenen sechs Wochen Wolfsrissen zum Opfer gefallen (JAWINA berichtete). Vor dem Hintergrund der jüngsten Rissvorfälle erklärte der Grünen-Politiker Olaf Möller, Staatssekretär im  Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz, gegenüber der Thüringer Allgemeinen, wenn zweifelsfrei feststehe, dass die Wölfin den besonderen Schutzzaun mehrfach überwindet, könne auch ein Abschuss gerechtfertigt sein.

Bereits Ende August war Möller bei einer Demonstration von Schäfern in der Umgebung des Truppenübungsplatzes Ohrdruf gesehen worden. Möller habe bei diesem Anlass erklärt, “man sei auf der Seite der Schäfer, denn die ökologische Wirkung der Schaf- und Ziegenhaltung sei wichtig”, so die Thüringer Allgemeine. Wir haben dieses Statement zum Anlass genommen, die Thüringer Grünen-Fraktion zu bitten, ihre Position zum Thema Wolf und Weidetierhaltung im Allgemeinen und den Sinn der Äußerungen Möllers im Speziellen zu erläutern.

Als Antwort erhielten wir ein Statement des umweltpolitischen Sprechers, Roberto Kobelt, das wir im Folgenden ungekürzt und unkommentiert wiedergeben:

„Die Schafhaltung gehört zu den naturnahen und umweltverträglichsten Formen moderner Nutztierhaltung. Die Erhaltung naturschutzfachlich bedeutender Offenlandflächen und damit eines Teils der biologischen Vielfalt ist von der Haltung von Schafen und Ziegen abhängig.
Dagegen rangiert die Wirtschaftlichkeit der Schaf- und Ziegenhaltung am unteren Limit aller landwirtschaftlichen Betriebszweige. Dieser grundsätzliche Missstand ist das Ergebnis einer verfehlten Agrarpolitik der letzten Jahre, welche die besonderen Leistungen der Schaf- und Ziegenhaltung nicht ausreichend honoriert und Fördertatbestände wie die Mutterschafprämie abgeschafft hat.

Die eigentlichen Probleme sind die geringe wirtschaftliche Attraktivität des Schäferberufs und fehlende landwirtschaftliche Flächen. Weiteren Einfluss haben die Herdenfruchtbarkeit, die erzielten Aufzuchtergebnisse und die zu geringen Marktpreise für Lämmer. Dem kann nur mit einer verbesserten Vermarktung regionaler Produkte Schaf- und Ziegenprodukte entgegen gewirkt werden.

Ein seit dem 11.Mai 2014 nachgewiesener Wolf in Thüringen und die Rissvorfälle im Juli bzw. August 2017 können nicht über diese strukturellen Probleme der Schafhaltung hinwegtäuschen oder den falschen Eindruck erzeugen, es gäbe ein Wolfsproblem.

Wir werden uns als Fraktion deshalb dafür einsetzen, dass Wolfsschäden mit der Förderrichtlinie angemessen reguliert werden. Daneben sollen zusätzliche Präventionsmaßnahmen bei den Schäfereibetrieben unterstützt werden, wie die Förderung von Herdenschutzhunden. Insgesamt muss das Monitoring in Zusammenarbeit mit Landesjagdverband, Naturschutzverbänden und der Bundesforst am Truppenübungsplatz Ohrdruf ausgebaut werden.”

Wieder Mahnfeuer gegen Wölfe

An verschiedenen Orten fanden in den letzten Tagen wieder Mahnfeuer gegen die unkontrollierte Ausbreitung des Wolfs statt, zum Beispiel in Franken und Niedersachsen. Zu der deutschlandweiten Protestaktion hatten unter anderem Schafzüchter- und Bauernverbände sowie die Interessengemeinschaft der Weidetierhalter Deutschland aufgerufen.

“Albtraum-Sommer” in Südtirol

Nach einer massiven Zunahme von Wolfsangriffen auf Schafe und Ziegen auf Südtiroler Almen sagte ein Bauer, der mehr als 80 Schafe an Wölfe verloren haben soll, gegenüber Südtirol-News, man habe “noch nie Probleme auf den Almen im Trentino gehabt, der heurige Sommer aber sei “ein Albtraum” gewesen. Der Südtiroler SVP-Landtagsabgeordnete Josef Noggler soll in Hinblick auf die Bären- und Wolfsproblematik erklärt haben, “man müsse die Tiere entfernen und zwar “legal oder illegal”. Politiker anderer Parteien kritisierten Nogglers “Aufruf zur Wilderei” scharf.

Rumänische Behörden wollen zahlreiche Bären und Wölfe töten oder umsiedeln lassen

Medienberichten zufolge hat die rumänische Regierung am Montag verkündet, 140 Bären und 97 Wölfe töten oder umsiedeln zu lassen. Grund sei die gestiegene Anzahl von Angriffen auf Menschen. Die Maßnahmen hätten zum Ziel, schwerwiegende Schäden zu verhindern sowie die öffentliche Sicherheit zu wahren. Die Entscheidung rief wütende Proteste von Tierrechtsgruppen hervor. Der rumänische WWF-Ableger verurteilte den geplanten Abschuss und erklärte, die Abholzung der rumänischen Urwälder sei die eigentliche Ursache für die Probleme. Die rumänischen Behörden sollten zuerst die Probleme angehen, die die Bären veranlasst hätten, sich menschlichen Siedlungen auf der Suche nach Nahrung immer mehr zu nähern”, forderte WWF-Sprecher Christian Papp gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Nach heftigen Protesten mussten rumänische Behörden im vergangenen Jahr bereits bewilligte Abschusslizenzen für 552 Bären, 657 Wölfe und 482 Luchse zurückziehen. In den ausgedehnten Wäldern Rumäniens leben schätzungsweise 6000 Braunbären, ca. 60 Prozent der europäischen Population. Die meisten Bären-Habitate liegen in den Karpaten. SE

Beitragsbild: Gerissenes Schaf (Archivbild). Foto: SE

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